Arlesheim: Musik
27.02.2019

Zither, Hackbrett und Co.

Virtuose Volksmusik: Lorenz Mühlemann (Gitarre) und Thomas Keller (Hanottere) in der reformierten Kirche.  Foto: Thomas Brunnschweiler

Virtuose Volksmusik: Lorenz Mühlemann (Gitarre) und Thomas Keller (Hanottere) in der reformierten Kirche. Foto: Thomas Brunnschweiler

Am Sonntag begeisterte das Emmentaler Duo Hanottere mit Lorenz Mühlemann und Thomas Keller das Publikum in der reformierten Kirche. Im Vorprogramm spielte das fünfköpfige Ensemble #fidel.

Thomas Brunnschweiler

Eine fast unüberschaubare Zahl von Instrumenten erfreuten in der von Sonne durchfluteten Kirche Ohr und Gemüt. Das Konzert war vom Verein «Freunde der Kreuz-Fidelen» organisiert worden. Vor allem das Ehepaar Fritz und Annerose Krey hatten sich stark dafür eingesetzt.

Streichpsalter und Häxeschitt

Zuerst spielte das Volksmusikensemble #fidel das alte englische Lied «Scarborough Fair», um mit einem Reisläuferstück mit Schwyzerpfife, Handtrommel, Saitentamburin, Streichpsalter und Schellenstab in die frühe Neuzeit zu entführen. Bei einer Polka von Lorenz Mühlemann spielte dieser und Thomas Keller gleich spontan mit. Im «Chuereige» von Mühlemann konnte das Publikum mitsingen. Anschliessend spielte das Duo Hanottere nach einem Emmentaler Wälzerli das Stück «Däichwou», in dem die Krienser Halszither und das Zymbal, eine Art Hackbrett, zum Einsatz kamen. Schnell, virtuos und teilweise in chromatischen Läufen hüpften die Klöppel von Lorenz Mühlemann über die Saiten. Im nächsten Stück stellte Thomas Keller das Häxeschitt vor, eine Zither, die es bereits in der Renaissance gab und die einen herben Klang hat. Das berühmte Menuett aus dem Notenbüchlein der Anna-Magdalena Bach erklang fein auf der Zither der amerikanischen Siedler und auf der Hanottere, der Emmentaler Halszither. Im «Carneval d’Arlesheim» erklangen eine Amati-Handorgel, eine gestrichene Konzertviolinharfe, eine Hanottere und ein Schwyzerörgeli. Nach dem «Emmentaler Hackbrettmärschli» war der Applaus so gross, dass das Duo noch einen Schottisch als Zugabe spielte.

Workshops und ein Zither-Museum

Bereits am Samstagmorgen gab es im Kirchgemeindehaus einen von Lorenz Mühlemann geleiteten Workshop zur Akkordzither. Nachdem es schon lange das Häxeschitt gegeben hatte, fand mit der Konzertzither das Instrument in die Kunstmusik. Von 1880 bis 1940 eroberte die mit unterlegbaren Notenblättern ausgestattete Akkordzither die Wohnstuben der nicht wohlhabenden Menschen. Die Akkordzither wurde millionenfach produziert. Vor allem war die Akkordzither für Mädchen attraktiv, weil das Instrument einfach zu erlernen war und zur Abendunterhaltung diente. Das Spiel auf der Akkordzither ist eine gute Art der Entschleunigung und zugleich ein Seelentrost. Die Hanottere wiederum ist die typische Emmentaler Halszither, ein fröhliches Instrument mit silbrigbrillantem Klang. Der in Trachselwald geborene Schriftsteller Simon Gfeller schrieb einmal: «Vo sälbem a hets mängisch kuriosig ghanotteret im Gupfchucheli obe.» Lorenz Mühlemann leitet auch das sehenswerte Schweizer Zither-Kulturzentrum in Trachselwald, wo er auch Führungen gibt (www.zither.ch).

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