münchenstein: gymnasium
29.11.2012

Schüler fühlen sich nicht mehr sicher

Erdbebensicherer Unterricht am Gymnasium Münchenstein: Zur Lancierung der Petition für eine rasche Renovation des maroden Schulhauses hielt Geschichtslehrer Matthias von Dach eine Geschichtslektion zum grossen Basler Erdbeben 1356 im Freien ab.  Foto: Lukas Hausendorf

Erdbebensicherer Unterricht am Gymnasium Münchenstein: Zur Lancierung der Petition für eine rasche Renovation des maroden Schulhauses hielt Geschichtslehrer Matthias von Dach eine Geschichtslektion zum grossen Basler Erdbeben 1356 im Freien ab. Foto: Lukas Hausendorf

Die Sanierung des maroden Schulgebäudes wird schon lange als dringlich betrachtet und ist eigentlich beschlossene Sache. Die Regierung wartet aber zu. Eine Schülerpetition verlangt nun, dass vorwärts gemacht wird.

Lukas Hausendorf

Die Zustände am Gymnasium Münchenstein sind «einer Schule unwürdig», findet sogar Geschichtslehrer Matthias von Dach. Im Winter lassen sich viele Klassenzimmer nicht ordentlich heizen, in der Aula erreicht die Temperatur oft nur knapp den zweistelligen Bereich. Im Sommer gleicht das Schulhaus dafür einem Ofen. Aber nicht nur energetisch weist das Gymnasium, das in den 70er-Jahren erbaut und damals als architektonisch gelungener Wurf galt, grosse Mängel auf.

Sorgen bereitet der Schüler- und Lehrerschaft gleichermassen die Sicherheit des siebengeschossigen Baus. Die Feuertreppe entspricht nicht den Anforderungen und die Mensa versperrt den Fluchtweg ins Freie. «Einen funktionierenden Notfallplan gibt es nicht», sagt Rektor Gabriel Hänggi. Das merkte auch Adil Koller. Der 19-jährige Gymnasiast hat ungute Erinnerungen an die letzte Evakuationsübung an seiner Schule. In einzelnen Klassenzimmern habe man nicht einmal den Alarm gehört, erzählt er. Mit gleichgesinnten Schülern lancierte er deshalb die Petition «Schule ohne Schutzhelm», die von der Baselbieter Regierung die rasche Umsetzung des Sanierungsprojekts fordert. Die nötigen Kredite dafür sind nämlich bereits bewilligt. Im Frühling 2010 passierte die entsprechende Vorlage den Landrat. Der Baukredit über 22 Millionen Franken für die Hüllensanierung, ein Projektierungskredit in der Höhe von 1,8 Millionen für den Erweiterungsbau und 3 Millionen Franken zur Renovation der Villa Ehinger sind gesprochen. Passiert ist seither wenig. Einzig die Jugendstilvilla, die für den Musikunterricht genutzt wird, wurde renoviert. Der Rest wurde zurückgestellt. Zurzeit sind Sanierung und Erweiterung des Gymnasiums in der Investitionsplanung der Regierung erst 2016 vorgesehen. Eine Fertigstellung ist vor 2022 nicht zu erwarten.


Pflästerli gegen den Zerfall
Gar nichts passiert bis dahin aber nicht. Für die Jahre 2012 bis 2014 stehen insgesamt zwei Millionen Franken für Sofortmassnahmen zur Verfügung. Speziell in den Bereichen Sicherheit und Brandschutz sollen damit die gravierendsten Mängel behoben werden. «Pflästerlipolitik» sei das, mokiert man sich am Gymnasium. Obwohl das Gebäude vom Kantonsarchitekten nicht als einsturzgefährdet eingestuft wird, zweifelt sogar das Rektorat an der Standhaftigkeit der Schule. Zur Lancierung der Petition am Dienstag inszenierten die Schüler darum eine Geschichtslektion zum grossen Basler Erdbeben von 1356 im Freien. Viel kälter als drinnen war es dort nicht, aber dafür garantiert sicher.

 www.sos-gym.ch