«Aus dem Juwel das Allerbeste machen»
Die Gemeinde Münchenstein lanciert mit Planungspartnern die zweite Phase der Raumentwicklung Dreispitz. Dafür werden die Baurechtnehmer und die Bevölkerung früh miteinbezogen.

2014 gaben die Christoph Merian Stiftung (CMS), die Kantone Baselland und Basel-Stadt und die Gemeinde Münchenstein überraschend bekannt, die Nutzungsplanung für das 50 Hektaren grosse Dreispitz-Areal zu stoppen. Die Planung sei aufgrund der enormen Komplexität weder wirtschaftlich tragbar noch juristisch oder politisch umsetzbar, teilten die vier Planungspartner mit. Die damals gemachten Fehler sollen in den aktuellen Planungen unbedingt vermieden werden. Unter anderem wurden damals die rund hundert Baurechtnehmer auf dem Areal erst spät miteinbezogen. Der Detaillierungsgrad der damaligen Planungen war hoch und legte ein enges Korsett um die Transformation des Areals.
Ohne Baurechtnehmer keine Transformation
Um die Bedürfnisse der Öffentlichkeit frühzeitig abzuholen, lud die Gemeinde Münchenstein in Zusammenarbeit mit den Kantonen Baselland und Basel-Stadt und der CMS am Montag zur Informationsveranstaltung zur Raumentwicklung Dreispitz. Gut 70 Personen sind der Einladung gefolgt. Die Baurechtnehmer wurden zu einem separaten Termin eingeladen.
Mit der Informationsveranstaltung erfolgte der Startschuss zur Phase zwei der Raumentwicklung. Ziel der anstehenden Planungsphase ist die Erarbeitung von Regeln für die Anpassung des Zonenplans, um den Dreispitz langfristig als «lebendigen und vielseitig nutzbaren Standort» zu stärken, hiess es in der Einladung der Gemeinde Münchenstein. Der aktuelle Zonenplan der Gemeinde Münchenstein für das Dreispitz-Areal stammt aus dem Jahr 1967 und wurde im Rahmen der seitdem erfolgten kommunalen Zonenplanänderungen nie angepasst.
Ohne das Mittun der Baurechtnehmer wird die Transformation nicht gelingen, hiess es am Montag mehrfach. Die Baurechtnehmer verfügen über unterschiedlich lange Baurechtsverträge und haben unterschiedliche Interessen. 2660 Beschäftigte seien alleine auf Münchensteiner Boden auf dem Dreispitz-Areal tätig, erklärte David Beerli, Co-Leiter der Abteilung Raum und Umwelt bei der Gemeinde Münchenstein.
Kooperatives Verfahren
2025 erfolgte in der ersten Phase der Raumentwicklung eine Planungsvereinbarung zwischen der Gemeinde Münchenstein und der CMS. Dazu gehört unter anderem das 2025 vorgestellte Freiraumkonzept mit vier öffentlichen Parkanlagen. Dafür wurde das gesamte Dreispitz-Areal grob in Teilperimeter unterteilt. Auch wurden «Spielregeln» für die künftige Transformation festgelegt. Das Areal soll zu einem «vielfältigen Stadtquartier der kurzen Wege» werden. Verlangt wird ein breites Nutzungsspektrum mit Arbeiten, Wohnen, Kultur und Bildung. Die nachhaltige Mobilität soll gefördert werden. «Das Areal soll intensiver und vorhandene Potenziale sollen noch besser genutzt werden», betonte Beerli. Über das gesamte Areal soll ergänzend ein Drittel Wohnen möglich sein.
Für die weiteren Planungsschritte wurden mehrere Autorinnen und Autoren ins Boot geholt, die in einem kooperativen Verfahren Ideen und Vorschläge für die Raumentwicklung entwickeln sollen. In einer Kerngruppe, für die man sich am Montag melden konnte und die noch immer via Bauverwaltung Interessierten offensteht, sollen bis zu 20 Personen bis ins Jahr 2028 an mehreren Treffen ihre Bedürfnisse kundtun. An separaten Anlässen soll die Öffentlichkeit über den laufenden Stand der Planungen informiert werden. Die formale öffentliche Mitwirkung und die Möglichkeit zur Einsprache zu einem späteren Zeitpunkt bleiben bestehen, versicherte der Co-Leiter der Abteilung Raum und Umwelt.
Kantonsgrenze soll nicht spürbar sein
Zum Gebiet auf Münchensteiner Boden hat am Ende die Münchensteiner Bevölkerung an der Gemeindeversammlung via Zonenplan das letzte Wort. Die Planung soll aber möglichst über die Kantonsgrenze hinweg einheitlich erfolgen, auch wenn die Gesetzmässigkeiten in Baselland und Basel-Stadt teilweise divergieren. «Es soll nicht so sein, dass man merkt, wenn man die Kantonsgrenze überschreitet», bekräftigte Beerli. «Es ist uns wichtig, dass sich das Dreispitz-Areal als Ganzes entwickeln könnte», ergänzte Lisa Euler von der CMS. Der Dreispitz soll auf beiden Seiten der Kantonsgrenze als «besonderes Quartier» wahrgenommen werden.
Aus dem Plenum kamen nur wenige Fragen. Der aktuelle Planungsstand ist im zeitlichen Ablauf noch früh und wenig konkret. Die Dimension der Planung ist gross. Münchensteins Gemeindepräsidentin Jeanne Locher (SP) unterstrich in ihrem Schlusswort die funktionierende Zusammenarbeit der vier Planungspartner und betonte ein weiteres Mal die Bedeutung des Dreispitz-Areals. «Wir haben ein Juwel hier. Aus dem Juwel wollen wir das Allerbeste machen.»


