Büsserach
08.05.2019

Weben, spinnen, schmieden

<em>Dunkle Stellen sind immer interessant: </em>Fabio Tortoli zeigt auf einen der zahlreichen Schlackenfunde.Foto: Gini Minonzio

Dunkle Stellen sind immer interessant: Fabio Tortoli zeigt auf einen der zahlreichen Schlackenfunde.Foto: Gini Minonzio

Ein zerbrochener Kamm, ein paar Wirtel, ein Berg Schlacke und dunkle Stellen im Boden. In Büsserach befand sich die einzige mittelalterliche Solothurner Siedlung, die grossflächig untersucht wurde. Die Funde sind grossartig!

Gini Minonzio

Ein Kamm, der mit seinen Verzierungen jeden in seinen Bann zieht. Auch wenn er mehrfach zerbrochen ist und noch halb im Dreck steckt. Schon nur dieser Kamm war letzten Sonntag den Ausflug zum Tag der offenen Ausgrabung in Büsserach wert. Seit März legt die Kantonsarchäologie Solothurn Teile einer Gewerbesiedlung aus dem Früh- und Hochmittelalter frei.

In Büsserach stand bereits in römischer Zeit und dann vor allem vom 6. bis 10. Jahrhundert eine grosse Gewerbesiedlung von regionaler Bedeutung. Vor ein paar Jahren kamen ein Steinwurf entfernt schon Webgewichte und ein Rennofen zum Vorschein. Dieser wurde gebraucht, um aus Bohnerz Roheisen herzustellen.

Nun konnten die Archäologen zwei Schmiedeessen und Abfallhalden mit enormen Mengen an Schlacken freilegen. Wozu diese Essen dienten, ist noch nicht klar. «Es könnte sein, dass die Schmieden Eisenbarren gossen. Oder aber, dass sie fertige Objekte wie Klingen und Meissel herstellten», erklärte der Grabungsleiter Fabio Tortoli. Bisher kamen nur wenige solche Objekte zum Vorschein.

Tortoli ist von der Siedlung an und für sich begeistert. Auf den 1200 Quadratmetern fanden die Archäologen Spuren hölzerner Wohnbauten und Grubenhäuser.

Die hölzernen Grubenhäuser waren 3 auf 4 Meter gross und bis zu einem halben Meter im Boden eingelassen. «Sie dienten als Handwerksschuppen oder als kühler Vorratsspeicher», so Tortoli. Vor allem bei der Verarbeitung von Flachs, Wolle oder Leder ist die Bodenfeuchte von Vorteil. In der Tat haben die Archäologen einige Spinnwirtel gefunden. Das sind perlenförmige Gewichte, die Teil einer Handspindel sind, mit der Garn gesponnen wird. Zusammen mit den nebenan gefundenen Webgewichten lassen sie Tortoli davon ausgehen, dass die Stoffherstellung womöglich gewerblich betrieben wurde.

Die Fundstelle in der Mittelstrasse in Büsserach ist im Kanton Solothurn die einzige grossflächig untersuchte Siedlung aus dem Früh- und Hochmittelalter. «Wir gehen davon aus, dass sich aus den mittelalterlichen Siedlungen in vielen Fällen die heutigen Dorfkerne entwickelt haben.» Was im Verlaufe der Jahrhunderte nicht zerstört wurde, ruht unerkannt in Vorgärten und unter Kellern. Tatsächlich wurden beim Umbau der Büsseracher Kirche Gräber aus dem 7. bis 8. Jahrhundert gefunden. Tortoli vermutet, dass damals auch dort oben Siedlungsgebiet war. Insgesamt werden im Mittelalter wohl ein paar hundert Leute in Büsserach gewohnt haben. Doch bewohnt war die Gegend schon lange davor. Bei der jetzigen Grabung fanden die Forscher nämlich ein paar verrostete römische Münzen und eine wunderschöne prähistorische Klinge eines Steinbeils.

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