Seewen
14.08.2019

Immer Glück gehabt

<em>Die Kleine hilft schon mit: </em>Vater Urs (l.) und Grossvater Sepp Wiggli mit Enkelin Tyara und dem Stier Zauber, Hauptpreis am 100. Basler Schwingfest im vergangenen Mai, den sich Nick Alpiger erschwungen hat.<em>Foto: Benildis Bentolila</em>

Die Kleine hilft schon mit: Vater Urs (l.) und Grossvater Sepp Wiggli mit Enkelin Tyara und dem Stier Zauber, Hauptpreis am 100. Basler Schwingfest im vergangenen Mai, den sich Nick Alpiger erschwungen hat.Foto: Benildis Bentolila

Seit 30 Jahren liefert Familie Wiggli Stiere an Schwingfeste. Um sich mit diesen schweren Tieren in Menschenmengen zu bewegen, braucht es Gelassenheit, Erfahrung und Glück.

Benildis Betolila

Zauber, der Stier, geboren am 24. Dezember 2016, ist etwas mürrisch. Urs Wiggli neigt den Kopf zu ihm und sagt: «Sei jetzt bitte ruhig; du kannst nachher zurück an deinen Platz und dich hinlegen.» Offensichtlich hat der Stier verstanden, er schleckt dem Bauern die Hand und stellt sich brav hin fürs Familienfoto. Diese Szene zeigt, wie Wigglis mit ihren Tieren umgehen: liebevoll. Was sich ausgezahlt hat bei den Munitaufen für Schwingfeste, an den Festen selbst, wenn die Tiere der Sieger (Muni, Rind, Fohlen) auftreten und sich gelassen dem grossen Publikum präsentieren.

Seit 1991 liefert Familie Wiggli vom Eigenhof in Seewen an die meisten Schwingfeste in der Nordwestschweiz die Siegertiere. «Ich habe selbst geschwungen», verrät der pensionierte Bauer, Vieh- und Pferdezüchter Sepp, «so wurde ich damals angefragt, ob ich drei Tiere liefern könnte fürs Schwingfest in Nunningen.» Die Baselstädter waren die nächsten Organisatoren, welche von uns Tiere kauften. So ging es weiter, und Sepp Wiggli hatte ein Auge darauf, stets gute Tiere bereitzuhalten. Bei den Stieren habe er auch dazugekauft, schliesslich lasse er diese mit der Kuhherde laufen. Um jedoch frisches Blut in die Zucht zu bringen, lasse er neben dem Natursprung Kühe auch künstlich besamen.

Stiere an Menschen gewöhnen

2016 übernahm sein Sohn Urs den Hof. Er war allerdings schon als Teenager in Vaters Fussstapfen getreten und hatte Tiere, die für Schwingfeste bestimmt waren, vorgeführt. Die Frage, ob er selbst geschwungen habe, quittiert er mit einem Lachen: «Ich konnte nicht schwingen; ich musste Stiere vorführen.»

Immer wieder lesen wir von Attacken von Stieren auf Personen, was zu ausgiebigen Reaktionen führt in der Öffentlichkeit. Hatten Wigglis nie Bedenken, sich mit einem Stier, der rund 800 Kilogramm wiegen kann, in grosse, laute Menschenmengen zu begeben? Vater und Sohn antworten gleichzeitig: «Wenn wir Angst hätten, dürften wir den Stier nicht mal zum Stall heraus nehmen.»

Sie sagen, sie hätten immer Glück gehabt, es sei nie etwas passiert. Niemand sei gefeit vor einem Unglück. Ihnen liegt daran, die Tiere langsam an Leute zu gewöhnen und ruhig mit ihnen umzugehen. «Besonders wichtig ist es», sagt Urs Wiggli, «dass ich mich voll auf das Tier konzentriere, wenn ich mit ihm inmitten von Publikum meine Runden drehe. Ich kann nicht jeden und jede, die mich kennen, grüssen.» Es sei nämlich so, dass die Leute immer näher an die Tiere heran treten und er sie bitten müsse, ein paar Schritte zurückzustehen.

Wieso ist eigentlich Zauber noch in Wigglis Stall? Sollte er nicht seit Mai beim Sieger des Basler Schwingfestes, Nick Alpiger, stehen? Sepp Wiggli erläutert, dass Tiere oft von den Schwingern nicht übernommen werden könnten. So zahlen die Organisatoren 300 Franken für den Muni und die Umtriebe, und das Tier bleibt im angestammten Stall. Die Besucherin findet diesen Betrag recht niedrig. «Uns liegt das Wohl des Tieres mehr am Herzen, als dass der Stier für rund 3500 Franken übernommen und dann vielleicht rumgeschoben wird», sagt Urs Wiggli. Sein Vater ergänzt: «Was ich in den bald 30 Jahren dank Zusammenarbeit mit Schwingfestorganisatoren Wunderbares erleben durfte, kann niemand bezahlen.» Er schwärmt von Basler Fasnachtscliquen, die Schwingfeste auf die Beine stellten: «So haben ich und auch mein Sohn viele tolle Menschen kennengelernt, denen wir sonst nie begegnet wären.» Das sei mehr wert als Geld. Ob Urs weiter macht, wenn der Vater sich in zwei Jahren mit 70 zur Ruhe setzt, weiss er nicht. Typisch Familie Wiggli: Es hat noch Zeit! Sie klären es ab in Ruhe.

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