Zwei belastete Standorte bedrohen das Trinkwasser
Sechs Jahre nach dem Jahrhundertbrand an der Wahlenstrasse in Laufen liegt das Industrieareal noch immer brach. Die Ewigkeitschemikalien PFAS bereiten nicht nur an diesem Standort Sorgen.

Laufen
Der Löschschaum galt bei den Feuerwehren lange Zeit als eine Art Wundermittel. Er bildet einen dünnen Film, der den Brandherd schnell von Sauerstoff abschneidet und ein Wiederaufflammen verhindert. Er gilt als zuverlässig, schnell und sicher — etwa auch bei Industrieanlagen.
Auch in Laufen kam der Löschschaum beim Jahrhundertbrand vom 10. Juli 2020 zum Einsatz, als an der Wahlenstrasse ein ganzes Industrieareal niederbrannte. Rund 80 Firmen verloren an diesem Tag ihr Daheim.
Zurück bleiben die unsichtbaren Ewigkeitschemikalien PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen). Erst in den Jahren nach dem Brand in Laufen schlugen die Behörden weltweit Alarm. Die chemische Verbindung, die kaum abbaubar ist und deswegen nicht nur im Löschschaum, sondern auch bei Bratpfannen, Regenjacken und unzähligen anderen Orten zum Einsatz kam und noch immer kommt, ist für Umwelt und Mensch schädlich. Die EU will ab 2027 verschärfte Grenzwerte für PFAS einführen und auch der Bund plant ab 2027 ein Verbot von Löschschäumen.
Sechs Jahre sind seit dem Grossbrand in Laufen ins Land gezogen. Früh zeigte sich, dass die Grundeigentümerin, die Pensionskasse Stiftung Abendrot, das Areal nicht getreu dem Motto «mir nichts, dir nichts» wieder hochziehen kann.
Die PFAS-Werte an der Wahlenstrasse sind stellenweise enorm hoch. Der Kanton hat im Grundwasser unter dem Areal PFAS-Werte gemessen, welche den altlastenrechtlichen Konzentrationsgrenzwert von 400 Nanogramm pro Liter bis zu 12 Mal übersteigen. Und bei den letzten Proben im November 2025 mass das Amt für Umweltschutz im direkten Grundwasserabstrom des Standortes bis zu 2300 Nanogramm PFAS pro Liter.
Eine Sanierung des Standorts ist gemäss Kanton dringend angezeigt. Allerdings braucht es Zeit, bis klar ist, wie der verseuchte Boden saniert werden soll. Für die Grundbesitzerin eine schwierige Situation. Ein Geduldsspiel. «Es zeigt sich immer mehr und in der ganzen Schweiz, dass es sich bei PFAS-Sanierungen noch um Spezialprojekte handelt. Alle Beteiligten sind bei der Entscheidungsfindung noch sehr unsicher», sagt Karl Brenk, Projektleiter der Stiftung Abendrot.
Nach einer seit Jahren andauernden, exakten Bestandesaufnahme der PFAS-Werte, die auf den Grossbrand vor sechs Jahren zurückzuführen sind, arbeitete die Stiftung mit Experten die möglichen Sanierungsvarianten aus. Das Amt für Umwelt und Energie hat letztes Jahr noch eine Zweitmeinung eingeholt, worauf die Ergebnisse derzeit nochmals überarbeitet werden. Im Spätsommer sollten neue Erkenntnisse vorliegen und anschliessend die weiteren Schritte definiert werden.
«Wir bleiben dran und es bleibt weiterhin unser Ziel, so schnell wie möglich eine erste Bauetappe zu realisieren, um wieder Gewerbeplätze anzubieten», sagt Brenk. «Wir sind immer noch zuversichtlich, dass dies klappen kann.» Yves Zimmermann, Leiter des Amts für Umweltschutz und Energie, schreibt auf Anfrage, Bauvorhaben an sanierungsbedürftigen Standorten seien möglich, wenn die Veränderung eine spätere Sanierung nicht erschweren würden.
Sofortmassnahme: Grundwasser wird abgepumpt
Der kaum belastete Arealteil soll gemäss den Plänen der Stiftung vorgezogen bebaut werden. Dort, wo die PFAS-Werte hoch sind, wird eine Sanierung des Bodens bis auf das Grundwasser notwendig sein. «Vor 2029 wird diese Sanierung aufgrund der Entscheidungsprozesse voraussichtlich nicht stattfinden können», so Brenk zum langwierigen Altlastenverfahren.
Um eine weitergehende Kontaminierung des Grundwassers durch PFAS zu verhindern, die langsam im Boden ausgeschwemmt werden könnten, wird als Sofortmassnahme voraussichtlich Anfang 2027 eine Abstromsicherung installiert. Dabei wird der unterirdische Grundwasserstrom nach dem kontaminierten Industrieareal an der Wahlenstrasse abgepumpt, gefiltert und dann unbelastet wieder ins Grundwasser eingeleitet. Damit soll verhindert werden, dass das Trinkwasser belastet wird.
Der Kanton hatte im vergangenen Dezember gegenüber dem «Regionaljournal SRF» der Stiftung Abendrot vorgeworfen, sie würde das Sanierungsprojekt zu wenig vorantreiben. Danach kam es zum Zerwürfnis. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, die Parteien kommunizieren wieder offener miteinander.
Auch Laufens Stadtpräsident Pascal Bolliger stellt fest, man habe sich wieder angenähert. «Von der Schuldfrage müssen wir wegkommen. Nun geht es darum, dass wir gemeinsame Lösungen finden können.» Es liege im Interesse der Stadt, das Industrieareal zeitnah wiederherzustellen. «PFAS ist nicht nur ein Laufner Problem, es ist ein schweizweites, ja sogar ein weltweites Problem», sagt Bolliger. Worte, die auch von einer gewissen Ohnmacht gegenüber der Problematik zeugen.
Aegerten: Kanton erzeugt Druck auf Stadt
Die Stadt Laufen muss sich noch mit einem anderen PFAS-Hotspot beschäftigen. Auf dem ehemaligen Übungsareal Aegerten setzten die Feuerwehren immer wieder Löschschaum ein. Bereits 2010 mass der Kanton an der Trinkwasserfassung Birshalde PFAS-Werte von über 300 Nanogramm pro Liter. Der Feuerlöschplatz ist vom Übungs- zum Sanierungsfall geworden. «Aegerten war der Grund, weshalb der Kanton PFAS zu messen begann», sagte Kantonschemiker Peter Brodmann 2023 gegenüber der bz.
Im April verkündete die Stadt Laufen nun überraschenderweise, die PFAS-Grenzwerte an der gleichen Trinkwasserfassung würden eingehalten. Sie liegen rund 10 Mal tiefer als noch 2010. Wie ist dies möglich, wo doch PFAS nur schwer abbaubar sind? Yves Zimmermann, Leiter des AUE schreibt, es sei eine langfristig abnehmende Tendenz der PFAS-Belastungen im Pumpwerk feststellbar. Die Belastungsspitzen in der Vergangenheit könnten also auf punktuelle Löschmitteleinsätze zurückzuführen sein. Andererseits gebe es aber auch Schwankungen, die mit den sich ändernden Grundwasserverhältnissen zusammenhingen.
Am Sanierungsbedarf des Standorts Aegerten ändere dies nichts, da im Pumpwerk Birshalden Trinkwasser hergestellt wird. Es bestehe eine «hohe Dringlichkeit betreffend Sicherung und Sanierung», so Zimmermann. Seit 2021 würden der Kanton und das Bundesamt für Umwelt (Bafu) der Stadt Laufen empfehlen, eine temporäre Wasserreinigungsanlage direkt am Pumpwerk zu installieren. Geschehen ist dies bislang jedoch nicht.
Die Stadt schrieb neulich in ihrem Communiqué, sie wolle die «Belastung langfristig reduzieren». Es würden verschiedene Optionen geprüft. Von baulichen Sicherungsmassnahmen bis hin zu möglichen Sanierungsschritten.


