«Animal Farm» im Baselbiet
Die Baselbieter Autorin Barbara Saladin stellte im Kulturforum Laufen ihr Reisebuch «Hügel, Täler und alte Gemäuer» vor — aufgelockert durch alte Sagen und Kriminalistisches.

Laufen
Bereitet sich Barbara Saladin auf eine Lesung vor, schöpft sie aus dem Vollen. Denn sie ist nicht nur Autorin von Kriminalromanen, Kurzgeschichten, Kurzkrimis, Lehrmitteln und von Audioprojekten, sondern schreibt auch Theaterstücke, Kinderbücher, Sachbücher und Reiseführer. Ausserdem ist Saladin, die in Hemmiken lebt, auch journalistisch unterwegs, etwa als Chefredaktorin der Zeitschrift «Hund Schweiz» der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft. «Schreiben ist meine Leidenschaft», lässt sich auf der Homepage der Autorin nachlesen.
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sind alte Sagen, Kultur und Landschaften in der Nordwestschweiz. Hinsichtlich ihres vor einem knappen Jahr erschienenen Bandes «Hügel, Täler und alte Gemäuer — 50 Ausflüge und Entdeckungen in der Region Basel» betonte Saladin, dass es nicht immer weite Reisen sein müssten, um Neues zu entdecken. «Wir brauchen uns nicht zu verstecken», sagte die Autorin während ihrer Lesung im Kulturforum Laufen. Auch in unserer nächsten Nachbarschaft gäbe es viele «schöne Sachen», Unbekanntes, Neues aufzuspüren. Etwa Naturschutzgebiete wie die Blauen-, Dittinger- und Nenzlinger-Weide, die Merian Gärten, die mit der «grössten wissenschaftlich geführten und öffentlich zugänglichen Irissammlung der Welt» punkten, oder das steile, wilde und romantische Chaltbrunnental, wo 70 unterschiedliche Moosarten zu finden sind. Und «wussten Sie, dass die BLT-Linie 10 nicht nur die längste Tramlinie der Region Basel, sondern auch die längste internationale Tramlinie ganz Europas ist»? Das wussten wohl die meisten der rund dreissig Zuhörenden, wie auch viele der anderen Hinweise bekannt sein dürften. Die Autorin unterfüttert mit ihren Beschreibungen Örtlichkeiten, mit Hinweisen zur Natur, Kultur und zu öffentlichen Verkehrsmitteln mit weniger oder nicht bekannten Fakten. Das ist der Mehrwert der Publikation.
Vorsicht bei Rasenrobotern
Die Lesung eines «Reiseführers» mag etwas problematisch anmuten, gerade weil vieles mehr oder weniger bekannt ist, die Spannung also überschaubar ist. Gut, lockerte Barbara Saladin ihren Vortrag mit alten Sagen und anderen Geschichten auf. Etwa mit dem Kurz-Krimi «Die Rotte», der aus Sicht der in der Region zahlreich lebenden Wildschweine geschrieben ist. Die frei nach der Fabel von Orwell konstruierte «Animal Farm» im Baselbiet zeigt auf, wie sich die in der Landschaft nicht sehr gern gesehenen Tiere mittels starker Vermehrung zu einer Weltrevolution durchringen.
Am pointiertesten kam jedoch der Kürzest-Krimi «Hansruedi und das Geld» daher. Knapp und präzise beschreibt die Autorin das Schicksal des Hauptprotagonisten, der eine Bank überfällt, obwohl ihn seine Kumpels zuvor warnen, dass die heutigen Geldinstitute mit neuester Technik gesichert sind. Der Überfall verläuft zwar erfolgreich, bis Hansruedi auf der Flucht über einen Rasenroboter stolpert, der in der Folge die zahlreichen Geldscheine zerschnippelt.


