Würdiger Neustart im Kulturhaus «Chez Nesti»

Am Wochenende wurde nach einer langen Pause die Bühne in der Alten Chäsi in Bärschwil wieder bespielt. Und zwar von niemand Geringerem als Nina Dimitri sowie zwei weiteren Schauspielerinnen.

Täuschen medizinischen Notfall vor: (v. l.) Nina Dimitri, Silvana Gargiulo und Nicole Knuth. Foto: Thomas Brunnschweiler
Täuschen medizinischen Notfall vor: (v. l.) Nina Dimitri, Silvana Gargiulo und Nicole Knuth. Foto: Thomas Brunnschweiler

Auf der Bühne steht ein mit einfachsten Mitteln improvisiertes Auto. Was erwartet das Publikum? Es ist nichts anderes als ein tragikomischer Roadtrip mit Nina Dimitri, Nicole Knuth und Silvana Gargiulo, die sich aufmachen, zusammen ins Tessin zu fahren. Silvana wartet ihren Fiat 500, während sie «Tu vuò fà l’Americano» von Renato Carosone hört. Nicole Knuth und Nina Dimitri stossen dazu und wollen lieber den Bus nehmen. Aber die resolute Silvana besteht auf der Reise in ihrem Cinquecento. Nina spielt auf ihrer Ukulele, Silvana übt das Gedicht «Stufen» von Hermann Hesse. In den Dialogen mischen sich Deutsch und Italienisch, und als Running Gag sagt Nina immer wieder: «Isch das nid schnuggelig?» Dazwischen ertönen italienische Lieder, Nicole möchte nicht die Gotthardstrecke fahren und Silvana singt falsch. Plötzlich stehen sie im Stau. Silvana hat die Lösung: ein weisses Taschentuch schwenken und einen medizinischen Notfall vortäuschen! So lässt sich der Stau umfahren, und es geht über den Pass weiter. Ein Engländer kommt ihnen auf der falschen Seite entgegen. Silvana steigt aus und beschimpft den Briten in voller Lautstärke auf Italienisch, während Nicole übersetzt und die Wogen glättet. Silvana will einen Motorschaden selbst beheben, wogegen Nicole sich bereits in die Stimme des TCS-Helfers Gianni verliebt hat. Nina singt ein Lied der Dichterin Alfonsina Storni, die in Argentinien zur Avantgarde gehörte. Die Singstimme von Nina Dimitri ist ausdrucksstark, musikalisch und fein nuanciert. Sie kann vom Fortissimo ins poetische, fast gehauchte Pianissimo wechseln.

Humorvoll und melancholisch

Die Frauen erzählen in der Folge ihre Auswanderungsgeschichten. Nina jene nach Bolivien, Silvana jene aus Neapel nach Mailand und in die Schweiz. Sie wird dabei so weinerlich und hysterisch, dass die rationale Nicole ruft: «Basta!» Auch Nicole ist in die Schweiz eingereist, als eine, die perfekt Deutsch sprach und deshalb immer gehänselt wurde, bis sie in der Schule die schweizerdeutsche Diktion annahm. Jetzt ist das Auto repariert. Nicole spricht mit Gianni und sagt: «Diese Stimme ist etwas fürs Leben»; Nina: «Isch das nid schnuggelig?» Auf der Weiterfahrt meint Silvana rechthaberisch und laut, die ganze Kultur komme aus Italien. Nina und Nicole sagen zur Beleuchterin Silvana, sie könne ja auch auf der Bühne mitspielen. Silvana antwortet: «Ich bin extrem introvertiert!», was einige Lacher erntet. Nochmals wird die Sehnsucht nach dem Süden thematisiert, die Geschichte von der Teufelsbrücke und die Rache des Ziegenbocks, die in den Staus am Gotthard besteht. Es ertönt ein weiteres Lied von Alfonsina Storni. Nach langem Applaus gibt’s als Zugabe das Volkslied «Lo spazzocamino». Danach werden die obligaten Spaghetti Ernesto serviert. Am Sonntagmorgen wurde das Programm wiederholt — bei noch besserer Stimmung. Julie Choque Schöpfer und ihr kreatives Team können angesichts dieses Neuanfangs zufrieden sein.