Wolf im Schwarzbubenland

Besucher der Skihütte Hohe Winde in Beinwil haben einen Wolf entdeckt und filmten ihn. Die Jagdverwaltung des Kantons Solothurn wertete das Videomaterial aus und benachrichtigte die Landwirte.

Wolfssichtung: Bei der Skihütte Hohe Winde wurde ein Wolf gesichtet. Den Bauern bereitet das Sorgen.  Foto: zvg
Wolfssichtung: Bei der Skihütte Hohe Winde wurde ein Wolf gesichtet. Den Bauern bereitet das Sorgen. Foto: zvg

«Es war sehr eindrücklich, den Wolf in der freien Wildbahn zu beobachten», schildert die Familie das Ereignis vom Sonntagmorgen auf der Hohen Winde — nahe der Hütte des Skiclubs Thierstein, der an den Wochenenden Gäste bewirtet.

Ist der Wolf im Schwarzbubenland auf der Durchreise oder könnte er sich hier niederlassen? Darüber wird spekuliert. Nachgefragt bei der Schweizer Stiftung Kora sagt Mitarbeiterin Saskia Mäder: «Wölfe sind sehr anpassungsfähig. Bisher beschränken sich die Wolfsrudel in der Schweiz auf den Alpenraum und den Jura. Der Lebensraum im Solothurner Jura wäre grundsätzlich geeignet für den Wolf und auch die Bildung eines Rudels wäre denkbar.» Jungwölfe würden im Alter von zehn bis 24 Monaten ihr heimisches Rudel verlassen und sich auf die Suche nach einem Territorium machen. «Sowohl Männchen als auch Weibchen wandern ab. In der Tendenz wandern Männchen weiter ab als Weibchen», erklärt Mäder.

Die Wolfsbeobachter von der Hohen Winde wandten sich an die kantonale Jagdverwaltung. «Basierend auf der vorliegenden Meldung wird derzeit von einem einzelnen Wolf ausgegangen. Anhand des Bildmaterials lässt sich das Geschlecht nicht bestimmen», erklärt Natanael Guggisberg, Wildbeauftragter geschützter Arten beim Amt für Wald, Jagd und Fischerei, gegenüber dem «Wochenblatt». In den vergangenen drei Jahren seien im Kanton Solothurn jährlich einzelne Wolfsnachweise registriert worden. «Der letzte bestätigte Nachweis erfolgte im März dieses Jahres als ein Wolf in Biberist von einem Zug erfasst wurde.» Das Monitoring der Populationsentwicklung von Grossraubtieren erfolge über die Stiftung Kora. «Um die Tierhalter bei einer Wolfssichtung oder einem Nutztierriss zeitnah informieren zu können, hat das Amt für Wald, Jagd und Fischerei zusammen mit dem Bildungszentrum Wallierhof einen kostenlosen SMS-Infodienst eingerichtet», führt Guggisberg aus und hält fest: «Im Kanton Solothurn sind bisher keine bestätigten Nutztierrisse durch Wölfe bekannt.» Wie Nutztiere auf den Weiden vor Wolfsangriffen geschützt werden müssten, sei gesetzlich geregelt, stellt Guggisberg klar. «Der Herdenschutz spielt eine zentrale Rolle, um das Risiko von Übergriffen auf Nutztiere, insbesondere auf Schafe und Ziegen, durch Grossraubtiere längerfristig gering zu halten und ist auch in Zukunft unabdingbar», heisst es aus der Amtsstube. Analog zur Anpassungsfähigkeit des Wolfes seien die Landwirte gefordert, sich auf Veränderungen einzustellen. «Die Wölfe wandern bereits seit den Neunzigerjahren in die Schweiz ein. Seit sich 2012 das erste Rudel am Calanda (GR) gebildet hat, ist der Wolfsbestand stetig gewachsen. Gemäss Bund leben in der Schweiz Wölfe in 30 Rudeln, die vollständig in der Schweiz sind, sowie in 10 grenzüberschreitenden Rudeln. Daneben sind zahlreiche Einzelwölfe unterwegs. Während sich Rudel auf bestimmte Regionen konzentrieren, können Einzelwölfe grundsätzlich in der ganzen Schweiz auftreten», stellt Guggisberg klar und verweist darauf, dass Informationen zu Herdenschutzmassnahmen seit geraumer Zeit umfassend zur Verfügung stünden.

Solche Massnahmen können allerdings die Idylle trüben — mit welcher die Tourismusverbände aktiv für das Naherholungsgebiet werben — wenn Schutzhunde Wandersleute und Biker verängstigen. Guggisberg hält dem entgegen: «Für einen wirksamen Herdenschutz ist in den wenigsten Fällen ein Herdenschutzhund nötig. Die Installation eines fachgerechten und wirksamen Elektrozaunes ist meistens das empfohlene Mittel der Wahl.» Sollte ein Landwirtschaftsbetrieb den Herdenschutz mit anerkannten Herdenschutzhunden vornehmen, werde dies überprüft. «Mit einem Sicherheitsgutachten der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) wird aufgezeigt, mit welchen Massnahmen mögliche Konflikte minimiert oder verhindert werden können.» Beispiele dafür seien die fachgerechte Signalisation der Einsatzgebiete der Hunde und Verhaltensempfehlungen für Erholungssuchende sowie die Umleitung oder Auszäunung von Wanderwegen, so Guggisberg.

Bedrohung für Tierhaltung

Beim Solothurnischen Bauernverband hingegen spricht man von einem «grossen Konfliktpotenzial». Der Wolf sei eine Bedrohung für die heimische und traditionelle Tierhaltung, die wichtig für die Produktion als Existenzsicherung und für die Freihaltung der offenen Landschaft sei, gibt Geschäftsführer Edgar Kupper zu bedenken. «Das Risiko wird immer grösser und bereitet den Tierhaltern grosse Sorgen. Der Wolf kann Kleinwiederkäuer, Kälber und sogar Kühe und Pferde angreifen.» Das führe zu schlaflosen Nächten. «Jeder Verlust eines Nutz- oder Hobbytieres ist mit viel Emotionen für den Tierhalter verbunden», so Kupper.

Mit einem Zaun einen wirksamen Schutz zu erreichen, sei einfacher gesagt als getan. «Der Schutz aller Weiden ist schlicht nicht möglich», weiss Kupper aus der Praxis. Gerade, wenn die hohen Schutznetze so angelegt werden müssten, dass die Wander- und Bikerouten frei bleiben, sei dies in unwegsamen Geländen eine Illusion. Auch der Einsatz von Herdenschutzhunden sei nur mit enormem Aufwand möglich und stelle eine Gefahr dar, dass die Hunde Menschen verletzen könnten. Der Bauernverband Solothurn prüfe derzeit, mit welchen Massnahmen die Tierhalter bei der Wolfsproblematik besser unterstützt werden können, führt Kupper aus.