Wohin mit der Verwaltung?
Der Gemeinderat von Hofstetten-Flüh hatte an seiner Sitzung vom Dienstag für die Verwaltung einen strategischen Richtungsentscheid zu fällen.

Hofstetten-Flüh
In Hofstetten-Flüh besteht zwischen der Bauverwaltung und der übrigen Gemeindeverwaltung seit Jahrzehnten eine räumliche Distanz. Das Bauwesen und der Werkhof sind am Neuen Weg eingemietet. Die Einwohnerkontrolle, die Gemeindeschreiberei, das Gemeindepräsidium und die Finanzabteilung befinden sich im Mehrzweckgebäude am Büneweg. Der lang gehegte Wunsch, die Verwaltung an einem Standort zu vereinen, soll nun mit dem Projekt «Zugvögel» konkretisiert werden. Christoph Rönsch, Leiter Hochbau, präsentierte dem Gemeinderat als Entscheidungsgrundlage drei Varianten mit einer groben Kostenschätzung und einer Auflistung von Argumenten. Rönsch legte der Exekutive nahe, sich für eine Variante zu entscheiden. Es mache keinen Sinn, Ressourcen für Projektierungen auf Vorrat zu verschwenden. Es gebe schon genug verstaubte Projekte, lautete seine Feststellung. «Die vertiefte Bearbeitung der Varianten konnte bislang nur eingeschränkt erfolgen. Hintergrund hierfür sind insbesondere die hohe Auslastung der Bauverwaltung infolge laufender Baugesuchsverfahren, die Arbeiten an der Ortsplanrevision sowie die prioritären Umbau- und Umnutzungsprojekte im Schulhaus Flüh», gab Rönsch zu bedenken.
Die Standortfrage für die Verwaltung stelle sich aufgrund der Liegenschaftsstrategie und dem Finanzplan. Das erklärte Ziel sei das Mietverhältnis für die Bauverwaltung zu beenden, um mittel- bis langfristig in der Erfolgsrechnung Kosten einzusparen und das Potenzial der eigenen Räumlichkeiten auszuschöpfen. Die Jahresmiete liege derzeit bei 22500 Franken und werde voraussichtlich auf über 33000 Franken ansteigen, informierte Ressortchef Kurt Schwyzer. Mit einer räumlichen Zusammenführung sämtlicher Verwaltungsabteilungen würde die Gemeinde von einer Synergienutzung profitieren. «Die Stellvertretungs- und Auskunftssituation gegenüber der Bevölkerung könnte verbessert werden», sagte Schwyzer. Im Verlauf der Diskussion räumte er aber ein, dass das Projekt «Zugvögel» keine neue Lösung für den Werkhof beinhalte. Der Werkhof würde bei einem Standortwechsel der Bauverwaltung am Neuen Weg verbleiben — auch wenn er dort nicht zonenkonform ist. Weil sich die Gemeinde derzeit keine grossen Investitionen leisten könne, sei eine mögliche Variante «neuer, gemeinsamer Standort für alle Verwaltungsabteilungen und für den Werkhof» von Anfang an verworfen worden, hiess es. Daniel Spiess hatte angeregt, bei der Standortfrage den Horizont zu erweitern, insbesondere auch in Richtung gemeindeübergreifende Zusammenarbeit.
Auf der Verwaltungsebene könne die Option «Regionalisierung» bei der Variante «Mariasteinstrasse, im Anbau des alten Schulhauses» berücksichtigt werden, meinte Gemeindepräsidentin Tanja Steiger. Laut Rönsch wäre an diesem Standort — mitten im Dorf von Hofstetten — eine langfristige und nachhaltige Lösung mit ausreichend zusammenhängender Verwaltungsfläche, einer energetischen Gesamtsanierung und dem Heizungsersatz möglich. Die Liegenschaft wird derzeit von Vereinen und Institutionen genutzt. Die bestehende Ölheizung habe das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht und für eine Ersatzlösung müsse man mit 200000 Franken rechnen, so Rönsch. Mit dem Auszug der Verwaltung aus dem Mammut hätte die Gemeinde je nach Bedarf aus der Bevölkerung Kompensationsfläche zur Verfügung.
Die zwei anderen Varianten des Projektes «Zugvögel» setzen sich aus Umbauplänen im Mehrzweckgebäude Mammut zusammen. Die eine Variante sieht den Ausbau des Dachstockes vor, die andere eine Umnutzung des Musikprobelokals. Damit könnte man zwar alle Verwaltungsabteilungen unter einem Dach vereinen, man würde aber für das Geld, das man investiert, nur wenig Fläche dazugewinnen. Man würde beim Probelokal die bestehende Akustikdecke zerstören und das Risiko eingehen, politisch auf Widerstand zu stossen. Beim Ausbau des Dachstockes könnte es aufgrund der Brandschutzvorschriften kompliziert werden, hiess es in den Erwägungen weiter. Die Variante Probelokal scheint derzeit der günstigste Vorschlag zu sein, er wird auf 200000 Franken geschätzt, die Variante Dachstock würde 400000 Franken kosten und bei der Variante Mariasteinstrasse müsste die Gemeinde wohl 600000 Franken investieren.
In der Abstimmung war der Gemeinderat gespalten. Die eine Hälfte der Mitglieder sprach sich für die Variante Mariasteinstrasse aus, die andere Hälfte für die Variante Probelokal. In der Schlussabstimmung sprach sich der Gemeinderat dafür aus, die Bauverwaltung soll vorerst beide Varianten weiterverfolgen. Aufgrund der vertieften Abklärung mit einer detaillierteren Kostenschätzung werde die Behörde dann den strategischen Richtungsentscheid fällen, resümierte Steiger. In der Diskussion kam kurz die Überlegung auf, der Gemeinderat könnte nicht erst mit der Kreditvorlage, sondern mit der Variantenfrage vor die Gemeindeversammlung treten. Der Gedanke wurde verworfen mit der Begründung, ein Wunschkonzert bringe Unsicherheit; es brauche ein Projekt mit einem Preisschild.