«Wo man singt, da lass dich nieder»
Bereits zum vierten Mal führte der Gemischte Chor Nunningen das Gesangsverbandsfest durch und gab ihm mit einem neuen «Touch» auch frischen Schwung. «Nunningen kann singen» zeigte sich von der besten Seite und hielt Wort.

Ein Glücksfall, dass der junge Dirigent des Gemischten Chores am vergangenen Samstag auch gleich die Moderation der Liedvorträge in der Kirche Oberkirch übernahm. Julian Schmidlin kündigte nämlich nicht nur die elf Chöre im Detail und äusserst kompetent an, sondern machte wahr, was die Titelseite des Programmheftes versprach: «Nunningen kann singen», stand da in grossen Lettern, und der 25-Jährige schaffte es gleich zweimal, die Zuschauerränge an diesem Morgen auch zum Singen zu bringen. Die mehrstimmigen kräftigen Melodien in den Kirchenbänken bewiesen: Hier ist ein kompetentes Publikum vor Ort.
Aber klar: Hauptrolle spielten die angereisten Chöre aus dem Schwarzbubenland und dem Laufental. Männerchöre wie Meltingen und Dittingen stellten nach wie vor mit sehr guten Vorträgen ihren Mann. Gemischte Chöre wie Rö-schenz, die Chorgemeinschaft Gemischter Chor Fehren und Chor Himmelried behaupteten sich ebenfalls mit begeisternden Liedvorträgen. Aber es ist in dieser Sparte des Vereinslebens nicht anders als beispielsweise in Musikvereinen, wo das Problem durch gegenseitige Aushilfen oft etwas kaschiert wird. Die Mitgliedzahlen sinken im Chorleben. Dies war auch in Oberkirch festzustellen. Vereine mit sieben (Witterswil), neun (Büsserach) oder wenigen Mitgliedern mehr trugen zwar gut einstudierte Lieder vor, denen es jedoch aus den erwähnten Gründen etwas an Kraft fehlte. Aus der Not entstandene Chorgemeinschaften, wie jene zwischen Wahlen und Breitenbach oder Himmelried und Fehren, zeigten an diesem Chorfest auf jeden Fall Wirkung. Positiv hob sich auch der Chor Grellingen ab, der vor einigen Jahren aus dem dortigen Männerchor entstanden und nun mit vielen Frauenstimmen besetzt ist.
Die drei Gastformationen werteten das 88. Verbandsgesangsfest eindeutig auf. Der Männerchor Kappel genoss den Applaus der grossen Zuhörerschar nach seinen drei eingängigen Liedern in der Kirche Oberkirch. Einen tollen Auftritt verzeichnete auch das Ensemble vom Tonverein Vocalis mit jüngeren Kompositionen. Der Frauenchor Binningen durfte mit «Adiemus» von Karl Jenkins und drei weiteren Melodien das Abschlussbouquet der Liedervorträge liefern, bevor die gesamte Sangesgemeinschaft inklusive Politprominenz in die Hofackerhalle wechselte. Hier hatten nach dem schmackhaften Mittagessen die Primarschule Nunningen und der gastgebende Gemischte Chor Nunningen ihren grossen Auftritt. Die Halle war mit Eltern und Angehörigen der auftretenden Kinder zum Bersten voll und diese genossen ihren fetzigen Auftritt. Der Jugendchor beider Basel durfte das Chorfest gesanglich beschliessen. Nur die obligate Veteranenehrung fehlte noch, was immer einen wichtigen Höhepunkt für altgediente Sängerinnen und Sänger bedeutet. «Wo man singt, da lass dich nieder.» Und das war am letzten Samstag eindeutig Nunningen.