Vom Frieden zum Fliegen

Mit einem bunten, anspruchsvollen Programm unterhielt der Männerchor Meltingen am späten Sonntagnachmittag den vollen Mehrzwecksaal March. Das offizielle Motto lautete: «Frieden findet eine Stimme.»

Präzise Einsätze und präsente Sänger: Othmar Sturm und der MC Meltingen. Foto: Thomas Brunnschweiler
Präzise Einsätze und präsente Sänger: Othmar Sturm und der MC Meltingen. Foto: Thomas Brunnschweiler

Meltingen

Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Männerchor Meltingen unter dem Dirigat von Othmar Sturm zu den besten Gesangsensembles der ganzen Region gehört. Dies wurde durch den grossen Andrang am Sonntag nochmals deutlich bestätigt. Zu Beginn erklang das Gebetslied «Frieden sei dieser Welt beschieden» von Gottfried Fischer, a cappella und dynamisch sehr differenziert vorgetragen. Fabio Jeger, der «Aussenminister» des Vereins, begrüsste und erklärte, man habe das Thema schon vor dem Nahostkrieg gewählt. Im Arrangement «Muess i denn zum Städtele ‘naus» von Mario Ursprung wird ein einfaches Volkslied ein klanglich üppiges, raffiniert aufgebautes Chorstück zu vier Stimmen, das manchmal fast «lüpfig» daherkommt. Lilit Amiryan begleitete einfühlsam am Elektropiano. Als anspruchsvoll darf man das dreiteilige Medley «Die ganz verrückte Nummer» von Willy Parten bezeichnen, das mit «Amanda» im Sambarhythmus beginnt, gefolgt vom «Wiedehopf im Mai» von Sandie Shaw, und mit dem Titelsong endet. Der agile Chor entwickelte einen homogenen, ausgeglichenen, kräftigen und geschmeidigen Gesamtklang. Die Artikulation war immer klar und damit die Texte bestens verständlich. Dies gilt auch für «Bella Italia», das südliches Flair in die Halle brachte. Fabio Jeger moderierte das letzte Stück vor der Pause an: «En Kafi mit Schnaps» des Trio Eugster, in dem es vor allem um Ärger im Alltag geht. Der Refrain ist fast so etwas wie die Friedenstherapie des Schweizer Mannes: «En Kafi mit Schnaps, en Jass und en Stumpe». Damit war der thematische Kreis zum Anfang geschlossen.

Der zweite Teil begann mit dem sehr schön interpretierten emotionalen Lied «Louenesee» der Gruppe Span, bei dem es Gänsehautmomente gab. Beim Lied «Weit, weit weg» von Hubert von Goisern musste der Männerchor im Salzburger Dialekt singen: «Jetzt san die Tog schon kiazer word’n und Blattln foilln a von die Bäum …» Das von Sehnsucht geprägte Lied gelang dem Chor ebenfalls vorzüglich. Das unverwüstliche Partisanenlied «Bella Ciao», das von Tempowechseln und vom Rhythmus lebt, animierte das Publikum zum Mitklatschen. Mit dem Militärmarsch «Alte Kameraden» von Carl Teike griff der Männerchor ins späte 19. Jahrhundert zurück und zu einem der wenigen deutschen Militärmärsche, die bis heute populär sind. Lilit Amiryan brillierte am Klavier; lobend hervorzuheben ist auch das dezidierte und klare Dirigat von Othmar Sturm, der seine Mannen stets im Griff hatte. Im österreichischen «Fliegermarsch» aus Hermann Dostals Operette «Der fliegende Rittmeister» wird das Ballonfahren verherrlicht. Der Text ist äusserst witzig; so heisst es etwa: «Da oben gibt’s kein Hundefutter und keine Schwiegermutter.» Mit dem stimmungsvollen Seemannslied «Capitano», bei dem der Männerchor wie ein Shantychor wirkte, endete das offizielle Programm, an das sich nach grossem Applaus zwei Zugaben anschlossen.