Trockenheit zwingt zur Absage
Die anhaltende Trockenheit hat Folgen für Veranstaltungen in der Region. Unter anderem wurden das Mittelalterfest Gilgenberg in Zullwil und das Motocross Roggenburg abgesagt.

Zullwil/Roggenburg/Region
Der Frust bei Cyrill Hänggi sitzt tief. Eineinhalb Jahre lang hat das neu gebildete OK das Mittelalterfest Gilgenberg, das am kommenden Wochenende hätte stattfinden sollen, vorbereitet. Am Freitag vor der Absage wurde noch Material angeliefert, die Wiesen waren gemäht, am folgenden Wochenende hätten Zelte und Küchen aufgebaut werden sollen. Dann kam das Aus: Die Gemeinde Zullwil entzog die Betriebsbewilligung. «Es wäre eigentlich alles angerichtet gewesen», sagt der OK-Präsident. Hänggi versteht den Entscheid, hätte sich aber gewünscht, dass das OK stärker in die Beurteilung einbezogen worden wäre. Denn Vorbereitungen für einen sicheren Betrieb seien getroffen worden. Das Brandschutzkonzept war angepasst, Löschwasser vorgesehen, Parkplätze auf Wiesen gestrichen. Verpflegungsstände sollten auf feuerfesten Platten betrieben und Raucherbereiche eingerichtet werden. Mit der höchsten Waldbrandgefahrenstufe 5 verschärfte sich die Situation jedoch grundlegend.
Für das OK ist die Absage nach eineinhalb Jahren Vorbereitung ein harter Schlag. Helferinnen und Helfer hatten bereits erste Einsätze geleistet, Händler, Schaustellerinnen und Bands waren engagiert. Immerhin stosse der Entscheid bei den Beteiligten auf viel Verständnis, sagt Hänggi. Sponsoren hätten bisher kein Geld zurückverlangt, auch bei den Materialkosten erfahre das OK Kulanz. Bereits gekaufte Tickets werden zurückerstattet. Wie gross der finanzielle Schaden ausfällt, ist noch offen. Am 21. August will das OK beraten, wie es weitergehen will. Die Vorverlegung des Anlasses auf Ende Juni stehe im Raum. «Auf jeden Fall machen wir weiter. Das Mittelalterfest ist ein Mehrwert für Zullwil.»
«1000 Personen im Wald sind keine Option»
Der Zullwiler Gemeindepräsident Markus Saner erklärt auf Anfrage, dass für den Entscheid der Gemeinde, die Bewilligung zu entziehen, die Gefahrenstufe 5 und die Lage des Festgeländes mitten im Wald die Hauptbeweggründe gewesen seien. «Wie soll man aktuell hinter einem Fest mit 1000 Personen mitten im Wald stehen?», fragt er. Neben der Brandgefahr bereiteten der Gemeinde auch trockene und abbrechende Äste und ganze Baumkronen sowie die schwierigen Fluchtwege Sorgen. Bereits kurz vor der Erhöhung der Gefahrenstufe habe die Gemeinde das OK informiert, unter welchen Bedingungen eine Durchführung bei Stufe 4 denkbar wäre. Als sich die Lage weiter verschärfte, habe man handeln müssen. Dass der Entscheid kurzfristig kam, räumt Saner ein. «Uns lief die Zeit weg.» Ein weiteres Treffen hätte den Entscheid nur verzögert. Bei Stufe 4 wäre eine Durchführung noch möglich gewesen, bei Stufe 5 habe es aus Sicht der Behörde keine vertretbare Lösung mehr gegeben. Die Gemeinde trage letztlich die Verantwortung. Die Ereignisse in Crans-Montana von Anfang Jahr hätten das Bewusstsein dafür geschärft, wie wichtig es sei, mögliche Risiken ernst zu nehmen.
Bis zu 300 Kubikmeter Wasser
Auch in Roggenburg bleibt es am Wochenende vom 29. und 30. August ruhig: Das geplante Motocross wurde abgesagt. Dort fällte das OK den Entscheid selbst. Laut OK-Mitglied Peppo Bucher hätte der Anlass allenfalls mit einer Sonderbewilligung stattfinden können. Eine provisorische Zusage des Kantons sei vorgelegen, eine definitive Bewilligung aber nicht. Darauf wollte sich das OK nicht verlassen. Aufwand und Risiko waren dem OK letztlich zu gross. Hauptproblem war das Wasser. Für die Bewässerung der Strecke wären laut Bucher 200 bis 300 Kubikmeter Wasser nötig gewesen. Normalerweise könne dafür Wasser aus der ARA Roggenburg bezogen werden, derzeit ist der Wasserbezug jedoch untersagt. Hinzu wären strenge Auflagen gekommen: Grill- und Rauchverbot auf dem gesamten Gelände, selbst Gasgrills wären nicht erlaubt gewesen. Die Kontrolle auf dem weitläufigen Areal bis zur rund 600 Meter entfernten Festhalle wäre kaum zu gewährleisten gewesen. «Die grössere Gefahr als die Motorräder sind Besuchende, die sich unvorsichtig verhalten», sagt Bucher. Weil das OK verhältnismässig frühzeitig die Reissleine zog, halte sich der finanzielle Schaden in Grenzen. Auf Kosten wie jene für den bereits gedruckten Festführer bleibe man jedoch sitzen, von der geleisteten Organisationsarbeit ganz zu schweigen.
Wann das nächste Motocross stattfindet, ist noch offen. Die Durchführung hängt auch von den Landwirten und der Verfügbarkeit des Geländes ab. «Spätestens in einem Jahr», hofft Bucher. Eine Waldbrandgefahrenstufe 5 habe auch er in diesem Zusammenhang noch nicht erlebt. In früheren Jahren habe man wegen Trockenheit zwar schon gezittert. Die aktuelle Situation sei aber aussergewöhnlich.