Stimmtornado mit Charisma

Mit dem Programm «Zwei im Einklang» traten am letzten Freitagabend Fabienne Jäggi und Jonathan Stich in der reformierten Kirche Breitenbach auf. Das Publikum dankte mit zwei stehenden Ovationen.

Warme, ausdrucksstarke und flexible Stimme mit virtuoser Begleitung: Jonathan Stich und Fabienne Jäggi. Foto: Thomas Brunnschweiler
Warme, ausdrucksstarke und flexible Stimme mit virtuoser Begleitung: Jonathan Stich und Fabienne Jäggi. Foto: Thomas Brunnschweiler

Breitenbach

Geladen hatte der Kultur- und Leseverein Breitenbach. Schon eine Viertelstunde vor Konzertbeginn war die reformierte Kirche voll, und die letzten Gäste mussten auf der Empore Platz nehmen. Präsident Franz Brunner hiess die Kulturschaffenden willkommen. Es ist selten, dass eine Frau so locker zwischen Schulstube, Bühne und weiteren Tätigkeitsfeldern wechseln kann wie Fabienne Jäggi, die eine grosse Fangemeinde hat. Ihre volle, tragfähige, dynamische und facettenreiche Stimme, die alle Resonanzräume zum Schwingen bringt und das Publikum emotional berührt, ist ein Phänomen, zumal Fabienne keine klassische Musikausbildung durchlief. Sie beherrscht das Musicalfach ebenso wie das feine Chanson, Gospel, Soul und Rock. Mit ihrem Programm bewiesen sie und ihr virtuoser Pianobegleiter einigen Mut. «Lieder über Liebe, Wünsche und Träume» hiess der Untertitel des Programms.

Erstes Set mit exzellentem Finale

Fabienne startete mit dem zarten «A Dream Is a Wish» aus «Cinderella». Im Zwischenspiel intonierte Jonathan den «Liebestraum» von Franz Liszt, der in die tragische Ballade «I Dreamed a Dream» aus «Les Misérables» überging. Es folgte der jazzige Motivationssong «Almost Enough» aus «Princess and the Frog». Die sehnsuchtsvolle Ballade «Part of Your World» führte träumerisch in die Sphäre von «The Little Mermaid», und «Let It Go» aus «Frozen» zeigte den Weg aus Angst zur Selbstermächtigung. In diesen Liedern bewies Fabienne ihren Stimmumfang und ihr Volumen. In «Ich gehöre nur mir» aus dem Musical «Elisabeth» liess die Sängerin ihre Bravour in der hohen Lage aufblitzen. «Kein Zauber hält mich auf» aus «Die sieben Raben» ist ein selbstbewusster Song über die Überwindung von Grenzen. Es folgte ein «Peter, Sue & Marc»-Medley. Im dynamisch differenzierten «Ne partez pas sans moi» von Céline Dion legte Fabienne ein starkes Finale hin, gefolgt von «The Code» von Nemo, in dem sie sowohl die Rap-Passage als auch die opernhaften hohen Töne glänzend meisterte, was zu den ersten Standing Ovations Anlass gab.

Zweites Set mit Pfiff

Nach dem Chanson «Il venait d’avoir 18 ans» von Dalida folgte das rhythmisch raffinierte «Two Hearts. One Beat», eine Eigenkomposition von Jonathan. Mit «Love of My Life» erklang emotional die Rockballade von «Queen». Das virtuose, technisch anspruchsvolle Pianosolo «All Over Me» aus der Feder von Jon Schmidt erntete starken Applaus. «Never Enough» aus «The Greatest Showman», eine Powerballade, sang Fabienne mit grosser Intensität. «Writing’s on the Wall» aus «Spectre» ist eine düster-elegante Bond-Ballade über Liebe und Verletzlichkeit. Hier griff Jonathan zu seiner Violine. Im Lied «Aschenbrödel», einer witzigen Märchenparodie, brillierte Fabienne durch ihre Gedächtnisleistung und ihre mimische wie gestische Präsenz. In «Raining Men» kam auch Fabiennes raue Gospel-Stimme zum Tragen. Als Zugabe gab es Édith Piafs «Hymne d’Amour» in einer authentischen, starken Interpretation. Kein Wunder, riss auch das zweite Set das Publikum von den Sitzen zu stehendem Beifall. Alles in allem: ein denkwürdiges Konzert.