Seelsorger, Imker, Clown
Stéphane Barth, reformierter Pfarrer von Breitenbach, ist eine vielseitige, interessante Persönlichkeit. Er ist Hobbyimker mit rund 20 Bienenvölkern. Nebenbei ist er auch zertifizierter Kontaktclown.

Geboren wurde Stéphane Barth 1971 in Zofingen, wo er auch die Kantonsschule besuchte. Im Militär machte er nach dem Korporal die Ausbildung zum Armeeseelsorger. Theologie studierte er an der Universität Basel. Ein Jahr des Studiums verbrachten er und seine Frau im Rahmen des Erasmusprogramms im niederländischen Utrecht, nachdem beide Holländisch gelernt hatten. Es folgten Vikariats- und Verweserstellen, bevor Stéphane Barth nach seinem Kamerun-Aufenthalt zusammen mit seiner Frau im Job-Sharing 1999 in Reiden zu arbeiten begann. 2003 kam ihre Tochter zur Welt. Seit 2008 wohnt die Familie in Breitenbach, wo Stéphane Barth 100 Prozent im Einzelpfarramt für die reformierte Kirchgemeinde Thierstein arbeitet. Zu ihr gehören elf politische Gemeinden und 1450 Mitglieder. «Ich habe die Atmosphäre hier von Anfang an als angenehm empfunden», sagt Barth. Er mag vor allem den Konfirmandenunterricht. Auch beim Besuch der Gottesdienste schätzt er «die treue Schar», die kommt. «Insgesamt spüre ich das Wohlwollen der Leute», so Stéphane Barth.
Ein Hobby mit Naturliebe
Stéphane Barth hatte im Militär einen Freund, der ein Bienenhaus besass. Auch ein früherer Nachbar und sein Grossvater hatten Bienen. Die Imkerei faszinierte den Theologen schon immer. Als 2010 ein zweijähriger Imkerkurs ausgeschrieben war, dachte Barth: «Jetzt oder nie!» Stéphane Barth schloss den Kurs mit einem Diplom ab. Anfangs hatte er im Pfarrgarten einen 4er-Stand, heute sind es zwischen zehn und zwölf Völker. In Brislach kommen nochmals acht Völker dazu. Der Abstand der beiden Standorte sei wichtig, damit sich die Bienen bei einer Umsiedlung besser neu orientieren können. Im Sommer umfasst ein Volk rund 40000 Bienen, im Winter etwa 2000 Bienen. Der Durchschnittsertrag an Honig liege bei 80 kg, heuer seien es erstaunlicherweise 120 kg gewesen.
Die Imkerei gebe ihm viel Kraft. Man sei draussen in der Natur und trotz des Wissens, das nötig ist, sei die Arbeit nicht kopflastig.
Wer schon eine Predigt von Pfarrer Barth gehört hat, weiss, dass er auch eine humorvolle Seite besitzt. Anfangs wusste er aber nicht, wie er sie einsetzen könnte. Schon 2009 machte er einen Clown-Schnupperkurs; damals sei er sich noch nicht sicher gewesen, wie er beide Funktionen (Seelsorger und Clown) unter einen Hut bringen sollte. Seitdem ist in der Gesellschaft der Humor wichtiger geworden. So machte Stéphane Barth von 2022 bis 2023 eine zweijährige Ausbildung zum Kontaktclown mit Schlussdiplom. Er nennt sich als Clown «Louis Saxophon». «Es ist eine Kunst, guten Humor zu machen», sagt er, «und man muss immer auswählen, was man bringt. Am besten funktioniert Kontakt-Clownerie, wenn man zu zweit ist das heisst, zusammen mit einem anderen Clown.» Bei Menschen mit Demenz seien Seelsorgegespräche nicht immer einfach, hier sei er als Clown gefragt, weil die meist nonverbalen Aktionen Erinnerungen an früher hervorriefen. Generell wird beim Clown-Einsatz praktisch nicht gesprochen, die «Gromollo-Sprache» — eine Art Kauderwelsch — und pantomimische Elemente genügten. Clown-Auftritte sind immer sehr intensiv und brauchen eine gute Vorbereitung. Stéphane Barth meint, dass sorgfältige, gewissenhafte Arbeit nicht nur als Pfarrer, sondern auch als Imker und als Clown wichtig sei. Dies verlange neben Facettenreichtum auch viel Empathie und passe gut zu all diesen Rollen.