Schule erfindet sich neu
Im Zweckverband Schule Gilgenberg sei ein Veränderungsprozess im Gang, der nun sehr positive Wirkung zeige, teilen die Schulbehörden mit.
Thierstein
Die Gemeinden hatten im Gilgenberg Pionierarbeit geleistet, sie schufen einen gemeinsamen Verband für die Primarschulen von Himmelried, Nunningen, Zullwil, Meltingen und Fehren sowie die Oberstufe am Zentrum March. Doch intern kam es zu (lautstarken) Auseinandersetzungen zwischen Pädagogen, der Schulleitung, Vorstandsmitgliedern und Delegierten. Der Streit eskalierte im Sommer 2024 und die Schule stand ohne Verwaltung da. Der Vorstand erklärte sich zur operativen Leitung und sorgte dafür, dass der Schulbetrieb am Laufen blieb; doch es entstand auch der Eindruck der Selbstherrlichkeit. Der Präsident des Zweckverbandes, von Beruf Landwirt, hatte sich in der Ausschreibung um die Stelle des Schulleiters beworben und sorgte nach der Absage mit der Unterschrift zweier Vorstandsmitglieder dafür, dass er die Stelle zumindest temporär erhielt und seine Dienste mit über 100000 Franken honoriert wurden. Nach Ansicht des Kantons war es die Aufgabe der Gemeinden, den Verband zu organisieren. Dies ist den Gemeindebehörden des Gilgenbergs auch gelungen. Sie sorgten für die Erneuerung des Vorstandes und ebneten der neu gewählten Schulleitung den Weg. Die beiden Stelleninhaber, Christian Hügli und Roman Scherrer, bringen Führungserfahrung mit und sind in der Region verwurzelt. Vorstandsmitglied Christian Imark, im Zweckverband zuständig für die Kommunikation, spricht jetzt von einem Veränderungsprozess, der viel Positives bewirkt habe. So habe der Vorstand des Zweckverbands Schule Gilgenberg mit Freude den aktuellen Bericht der externen Schulevaluation (ESE) zur Kenntnis genommen. Die externe Evaluation war durch die Fachhochschule durchgeführt worden und bestätigt, «dass die Schulführung in kurzer Zeit wesentliche Grundlagen für eine verlässliche Führung und eine strukturierte Zusammenarbeit geschaffen hat», hält Imark fest. «Der Veränderungsprozess wirkt sich positiv auf die gesamte Schule, die Zusammenarbeit im Kollegium sowie das Verhältnis zwischen Schule und Eltern aus. Das Vertrauen der Eltern in die Schule und die Schulleitung hat sich deutlich erhöht», zeigt sich Imark überzeugt. Auch die kantonale Abteilung Qualitätssicherung stütze den Kurs: «Die definierten Qualitätsansprüche sind erfüllt und ursprüngliche Befürchtungen bezüglich etwaiger Defizite haben sich nicht bestätigt», führt Imark aus.
Klar geregelte Prozesse
In den vergangenen Monaten seien die Organisationsstrukturen komplett überarbeitet worden. Lücken, die früher Reibereien begünstigten, seien geschlossen worden, dies betraf insbesondere die Frage, wie die Schule mit Reklamationen gegen Lehrkräfte oder gegen die Schulleitung umgeht. «Diese Prozesse sind nun ganz klar geregelt», betont Imark gegenüber dieser Zeitung. Zu grossen Fluktuationen sei es nicht gekommen, der Personalbestand sei stabil und es sei eine Schulsozialarbeit aufgebaut worden. Die Schulleitung habe in Zusammenarbeit mit dem Vorstand neue Strukturen geschaffen, die es möglich machen, das Heterogene im Verband als Chance zu nutzen. Die Schule Gilgenberg sei ein Gesamtgebilde, doch auch sehr vielfältig. Dies wolle man sich zunutze machen. Mit einem vereinfachten Verfahren sollen Schülerinnen und Schüler auf die verschiedenen Standorte verteilt werden können — auf freiwilliger Basis. Im Fokus stehe die individuelle Förderung. Besser abgestimmte Klassengrössen und Zusammensetzungen kämen allen zugute, erklärt Imark auf Anfrage. Weiter sollen die Primarschulen von einem neuen Poolsystem profitieren, das bei der Anstellung der Lehrkräfte helfe, Kosten zu sparen und sich gegenseitig zu ergänzen. «Die Schule Gilgenberg versteht sich bewusst als eine Schule mit mehreren Standorten, die ihre unterschiedlichen Qualitäten für den gesamten Bildungsraum gemeinsam nutzt. Die Standorte weisen unterschiedliche Rahmenbedingungen, Klassengrössen und pädagogische Profile auf. Diese Vielfalt sehen der Schulvorstand und die Schulleitung als Chance für eine ressourcenorientierte Nutzung der Mittel und zur nachhaltigen Stärkung der Bildungsqualität», lautet Imarks Statement.
Weitere Veränderungen
Der Wandel gehe weiter, kündigt der Vorstand an. «Als nächste Schritte stehen Veränderungen in der Personalführung sowie in der Unterrichtsentwicklung an. Im Fokus stehen starke Grundkompetenzen, der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien, gut gestaltete Übergänge zwischen den Schulstufen sowie erfolgreiche Anschlüsse an Berufslehren und weiterführende Schulen. Zudem setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehr- und Fachpersonen sowie auf eine hohe Qualität in der Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern», heisst es im Infoschreiben der Schule Gilgenberg.