Schadensbegrenzung gibt zu reden

Die Gemeindebehörde von Hofstetten-Flüh plante eine zusätzliche Grillstelle im Naturschutzgebiet Chöpfli und begann mit der Ausführung. Widerstand dagegen führte zu einem Baubewilligungsverfahren — und zum Rechtsstreit.

Grillstelle: Braucht es im Naturschutzgebiet Chöpfli in Hofstetten-Flüh zusätzliche Feuerstellen? Foto: Bea Asper
Grillstelle: Braucht es im Naturschutzgebiet Chöpfli in Hofstetten-Flüh zusätzliche Feuerstellen? Foto: Bea Asper

Hofstetten-Flüh

Der Wald von Hofstetten-Flüh ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Doch des einen Freud ist des andern Leid: Die Zunahme der Freizeitaktivitäten in einem Gebiet, das unter Naturschutz steht, wirkte sich negativ auf die Pflanzen- und Tierwelt aus. Die Förster und die Naturschützer stellten fest, dass einige Besucherinnen und Besucher nicht auf den offiziellen Wegen bleiben, sondern durchs Dickicht streifen, dass es wilde Feuerstellen gibt und dass das Littering zunimmt. Die Leidtragenden seien die Wildtiere. Der Naherholungstourismus würde die Lebensräume der Tiere zerstören, gaben die Jäger zu bedenken. «Die Besucherströme führen dazu, dass die Menschen das Wild aufschrecken und die Tiere ihre Ruhezonen verlieren», hiess es seitens der Jagdgesellschaft.

«In der Schweiz haben die Menschen das Recht, sich im Wald auf den offiziellen Wegen aufzuhalten — auch in einem kantonalen Naturschutzgebiet. Deswegen erübrigt sich der Versuch, die Menschen aus dem Wald zu verbannen. Viel mehr geht es um die Frage, wie man das Miteinander gestalten kann», erklärt der zuständige Gemeinderat Daniel Spiess. Für Ruhe und Ordnung zu sorgen, sei mit grossem Aufwand verbunden. Ein Förster sei kein Polizist. Man müsste wohl die Stelle eines Rangers schaffen. «Ehrenamtliche Behördenmitglieder haben keine Lust, in ihrer Freizeit, den Buhmann zu spielen», hält Spiess fest. Alternativ dazu gebe es Lenkungsmassnahmen. «Zum einen setzt man auf Aufklärung und Sensibilisierung der Waldbesucher — zum Beispiel mittels Beschilderung. Zum anderen auf eine gezielte Standortwahl für Grillplätze, wobei diese mit Brennholz ausgestattet werden. Dieses Angebot sorgt dafür, dass das im Wald liegende Totholz nicht fürs Feuermachen eingesammelt wird, sondern weiterhin seinen Teil zur Biodiversität beitragen kann», führt Spiess aus. «In diesem Sinn gab es ein Bauprojekt für die Beschilderung und für den zusätzlichen Grillplatz.» Im Verlauf der Realisierung habe sich herausgestellt, dass dafür öffentlich publizierte Bewilligungsverfahren erforderlich seien, welche die Verwaltung dann auch lanciert habe. Darin werde zwischen der Beschilderung und der Einrichtung eines zusätzlichen Grillplatzes unterschieden. Dieser soll weit abseits des Parkplatzes Chöpfli entstehen, sodass er nicht mit dem motorisierten Verkehr erreichbar sei. «Die Ausstattung ist bescheiden, zwei, drei Feuerstellen, ein paar Sitzbänke und ein kleiner Unterstand für das Brennholz», führt Spiess aus und betont: «Sowohl die Naturschützer als auch die kantonalen Fachstellen begrüssen die Lenkungsmassnahmen. Die Baubehörde genehmigte das Projekt und lehnte die Einsprachen ab», resümiert Spiess.

Die Jagdgesellschaft hatte weiterhin ihre Bedenken und konnte sich nicht des Eindrucks erwehren, «ihre Argumente würden schlichtweg ignoriert», erklärt Jäger Bruno Gschwind. «Es wurde uns auch verwehrt, unsere Sicht der Dinge publik zu machen. Die von uns verfasste Stellungnahme ist nicht im Dorfblatt erschienen und man ging nicht auf unsere Anliegen ein», meint Gschwind. «Deswegen schlugen wir den Rechtsweg ein.» Man erhoffte sich vom Verwaltungsgericht eine objektive Beurteilung; dies hängt nun davon ab, ob die Jägerschaft für den zu leistenden Kostenvorschuss aufkommt.

Spiess plädiert seinerseits für eine Lösungsfindung am runden Tisch. «Meiner Meinung nach müssen wir die Rechtsstreitigkeiten begraben und einen Kompromiss anstreben.» Deswegen beantragte er dem Gemeinderat, nicht auf die Realisierung des zusätzlichen Grillplatzes zu beharren, sondern auf die Beschilderung zu setzen und eine Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen, in der die verschiedenen Interessen vertreten sind. Die Gruppe soll diesen Sommer einen Faktencheck vornehmen. Basierend auf den gesammelten Erkenntnissen aus dem Wald soll die Frage, ob es den Grillplatz wirklich braucht, Anfang des nächsten Jahres abschliessend beantwortet werden. Der Gemeinderat stimmte diesem Vorgehen grundsätzlich zu und verzichtet vorläufig auf die Realisierung des Grillplatzes, bis Klarheit über die Notwendigkeit besteht.