Rettungsdienst stösst an Grenzen
Geht der Sparkurs beim Baselbieter Rettungsdienst zu Lasten der Thiersteiner? Dieser Frage soll der Solothurner Regierungsrat nachgehen.

Region
Die Inbetriebnahme des Rettungsdienst-Stützpunktes in Breitenbach per Anfang 2024 markiere einen Meilenstein für die Sicherheit im Bezirk Thierstein. Dank dieser Investition konnte die rettungsdienstliche Versorgung in einer Region, die jahrelang unter ungenügenden Hilfsfristen litt, deutlich stabilisiert werden, hält der Breitenbacher FDP-Kantonsrat David Häner fest. «In den meisten Fällen konnte die vom Verband geforderte Quote — also innerhalb von 15 Minuten vor Ort zu sein — unterschritten werden», resümiert Häner. Allerdings stolperte er bei seinen Recherchen über die Zunahme der Einsätze ausserhalb des Kantonsgebietes. «Unser Effort für die Solothurner Bevölkerung darf nicht durch systemische Ungleichgewichte in der interkantonalen Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Landschaft geschwächt werden», sagt Häner im Gespräch mit dieser Zeitung. «Während der Kanton Solothurn seine Hausaufgaben gemacht und die Vorhalteleistungen in Breitenbach ausgebaut hat, verharrt die rettungsdienstliche Abdeckung im benachbarten Laufental (BL) auf einem Niveau, das regelmässig zu Engpässen führt», moniert Häner. Es sei zu beobachten, dass die in Breitenbach stationierten Solothurner Ressourcen häufig für Einsätze auf Baselbieter Kantonsgebiet beansprucht werden. «Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Solothurner Kapazitäten zur Kompensation struktureller Defizite im Nachbarkanton dienen». Nachdem der Baselbieter Landrat die Gelder für den Rettungsdienst nach unten korrigiert hat, fordert Häner den Solothurner Regierungsrat auf, die Situation zu analysieren. Häner möchte im Rahmen seiner parlamentarischen Anfrage die Grundlage schaffen, um die interkantonale Zusammenarbeit auf eine neue Basis zu stellen. «Das erklärte Ziel ist eine gemeinsame Lösung für den Rettungsdienst Schwarzbubenland — Laufental mit dem selben Leistungserbringer. Während die Birsstadt, das Leimental sowie der grösste Teil des Schwarzbubenlandes durch den Rettungsdienst Nordwestschweiz AG betreut wird, fällt das Rettungswesen im Laufental in die Zuständigkeit des Kantonsspitals Baselland. Die Zahlen und das Potenzial der Effizienzsteigerung sollen bei der nächsten Vergabe des Leistungsauftrages berücksichtigt werden», meint Häner. Damit ist er nicht alleine. Auf der Baselbieter Seite setzt sich der Laufentaler Landrat Marc Scherrer für Verbesserungen im Rettungswesen ein. «Die Frage, wie genau sich die Hilfsfristen im Laufental im letzten Jahr entwickelt haben, ist derzeit noch in Abklärung. Sobald die Zahlen vorliegen, werde ich mir Gedanken zum weiteren Vorgehen machen», sagt Scherrer auf Anfrage dieser Zeitung. Der Austausch auf Regierungsebene zwischen Baselland und Solothurn dürfte einen grossen Einfluss auf das Rettungswesen der Region Laufental-Thierstein haben, meint Scherrer.
Die Solothurner Regierung ist gefordert, Antworten zu liefern. Häner verlangt in seiner Anfrage Zahlen zum «interkantonalen Abfluss: Wie hoch ist die Anzahl und der Anteil der Einsätze, welche die im Kanton Solothurn stationierten Mittel auf dem Gebiet des Kantons Basel-Landschaft leisten?» Dabei verlangt er eine Unterteilung nach Einsatzprioritäten. Gemäss Häners Anfrage soll die Regierung Bilanz ziehen: «Wie präsentiert sich das Verhältnis der geleisteten Aushilfe zwischen den Rettungsdiensten im Thierstein und dem Rettungsdienst des KSBL (Standort Laufen)?» Solothurn soll sich zur finanziellen und strategischen Fairness äussern. «Ist die aktuelle Abgeltung der kantonsübergreifenden Leistungen angesichts der unterschiedlichen Vorhaltestrategien der beiden Kantone noch sachgerecht?» Weiter will Häner wissen, welche Abmachungen derzeit gelten und wie man diese verbessern könnte. Häner begründet seinen Vorstoss damit, «dass ein Rettungsdienstsystem nur so leistungsfähig ist wie seine unmittelbare Umgebung.» Wenn im Laufental aufgrund knapper Vorhaltung regelmässig Kapazitätslücken entstünden, die durch den Standort Breitenbach geschlossen werden müssten, gefährde dies die Erreichung der Ziele im Bezirk Thierstein. «Wir müssen sicherstellen, dass die durch Solothurner Steuer- und Prämienzahler finanzierte Sicherheit nicht durch eine ungenügende Planung im Nachbarkanton verwässert wird». Für die Leistungsplanung ab 2026+ sei eine transparente Datenlage über die Patientenströme und die damit verbundene Kosten-Nutzen-Bilanz unerlässlich, hält Häner in seinem Vorstoss fest. Der Solothurner Regierungsrat wird die Anfrage in den nächsten Wochen behandeln.