Pro-Kopf-Verschuldung nähert sich der 5000er-Marke

Die Gemeinde Rodersdorf hat einige Investitionen getätigt und kämpft mit hohen Defiziten. Die Pro-Kopf-Verschuldung steigt auf 4813 Franken.

Neues Team an der Spitze des Gemeinderats in Rodersdorf: Vizepräsident Christophe Grundschober und Carmelia Chebbi, die im August das Gemeindepräsidium übernimmt. Foto: Bea Asper
Neues Team an der Spitze des Gemeinderats in Rodersdorf: Vizepräsident Christophe Grundschober und Carmelia Chebbi, die im August das Gemeindepräsidium übernimmt. Foto: Bea Asper

Rodersdorf

Unter dem Motto «Investition in die Zukunft und Standortattraktivität» hatte der Souverän von Rodersdorf in den letzten Jahren viel Geld für den Bildungs- und Freizeitbereich ausgegeben. Im Zuge der Schulraumerweiterung hatte sich die Gemeindeversammlung zusätzlich für den Bau eines Doppelkindergartens ausgesprochen. Die Auswirkungen beschäftigten die Rechnungs-Gemeindeversammlung von letzter Woche.

«Das Fremdkapital ist um 1,6 Millionen Franken angestiegen. Dies durch das grosse, laufende Bauvorhaben im Schulbereich und durch fehlende Einnahmen (Cash)», informierte der für die Finanzen zuständige Gemeinderat, Yves Strobel. «Für die Finanzierung der laufenden Investitionen wurden stufenweise Kredite aufgenommen. Die Neuverschuldung beläuft sich im Rechnungsjahr auf zwei Millionen Franken», hielt Strobel fest. Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt nun 4813 Franken. Damit bewege sich Rodersdorf noch knapp unter der kritischen Marke von 5000 Franken, die den Kanton auf den Plan ruft. Da die Erfolgsrechnung 2025 mit einem Defizit abschliesst, zehrt die Gemeinde von ihren Reserven. Das Eigenkapital sinkt auf 3,18 Millionen Franken. Die Finanzlage sei angespannt, räumte Strobel ein. Die positive Nachricht sei aber, dass das Defizit im Jahr 2025 tiefer ausgefallen sei als befürchtet — dies dank Minderaufwendungen, denn die Steuereinnahmen seien eher stagnierend, resümierte Strobel.

Insgesamt beträgt die Verbesserung 153000 Franken. Die Jahresrechnung 2025 schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 310000 Franken ab und wurde von der Gemeindeversammlung diskussionslos genehmigt. Die Exekutive — ab August mit der neuen Gemeindepräsidentin Carmelia Chebbi — steht nun vor der Herausforderung, die Finanzen ins Lot zu bringen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Gemeinde für ihren Finanzverwalter eine Nachfolgeregelung braucht, weil Stelleninhaber Christoph Metzger frühzeitig in Rente geht. «Wir prüfen derzeit verschiedene Optionen und sind auch im Gespräch mit anderen Gemeinden», sagte Strobel.

An der Gemeindeversammlung vom letzten Donnerstag standen bereits die nächsten Ausgaben auf der Geschäftsordnung, und zwar für alte Deponien (mit den Flurnamen Scherbenhimmel und Häxenmatt). Die Versammlung bewilligte für Abklärungen einen Brutto-Kredit in der Höhe von 155000 Franken, von denen später 75 Prozent durch Bund und Kanton finanziert würden, erklärte der zuständige Gemeinderat Jonas Maienfisch. Nach der Durchführung der historischen und der ersten technischen Untersuchung habe das Amt für Umwelt weitere Untersuchungen angeordnet. Letztlich geht es um den Gewässerschutz. Gemäss Erkenntnissen handle es sich bei den Altlasten um Standorte, an denen zu einem wesentlichen Teil Siedlungsabfälle abgelagert worden waren. Die Gemeinde müsse die Abklärungen vorfinanzieren. «Rückforderungen von Bund und Kanton in der Höhe von 75 Prozent der Kosten können erst gestellt werden, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind», hielt Maienfisch fest.

Die 56 Anwesenden gedachten ihrem Gemeindepräsidenten Thomas Bürgi, der im März überraschend verstorben war. Vizegemeindepräsident Christophe Grundschober führte durch die Versammlung; zum Abschluss wandte sich Carmelia Chebbi mit persönlichen Worten an das Plenum. Sie sei sich bewusst, ein grosses Erbe anzutreten, sie spüre aber grossen Zuspruch und wisse, dass sie sich auf ein kompetentes Team verlassen könne, das sich zum Wohl der Gemeinde für gemeinsame Lösungen einsetze. Der Gemeinderat lud die Anwesenden auf der Aussenanlage Grossbrühl zu einem gemeinsamen Imbiss ein, während auf der Grossleinwand das WM-Fussballspiel übertragen wurde.