Personalwechsel hat seinen Preis — Hofstetten-Flüh verliert seine Finanzverwalterin

Im Solothurnischen Leimental suchen drei Gemeinden gleichzeitig neue Stelleninhaber für die Finanzverwaltung.

Leimental

«Die Gemeindeverwaltung Hofstetten-Flüh informiert die Bevölkerung darüber, dass Sandra Seiler, unsere Finanzverwalterin, die Gemeinde per 31. März 2027 verlassen wird», heisst es aktuell auf der Website der Gemeinde. «Wir bedauern ihren Entscheid sehr. Sandra Seiler hat sich während ihrer Tätigkeit mit grossem Engagement, hoher Fachkompetenz und viel Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinde Hofstetten-Flüh eingesetzt.» Die Gemeindeleitung lässt dabei offen, wie es weitergehen soll: «Die Gemeinde wird zu gegebener Zeit über die Nachfolgeregelung und die weiteren organisatorischen Schritte informieren.»

Der Gemeinderat hatte sich vor zwei Jahren dafür ausgesprochen, Seiler — sie war seit 2020 Verwaltungsmitarbeiterin — zur Finanzverwalterin zu befördern. Gemäss Protokoll gaben in diesem Zusammenhang zusätzliche Personalkosten an der Rechnungsgemeindeversammlung zu reden. Einwohner Paul Büeler wollte wissen, ob die Weiterbildung durch die Gemeinde finanziert worden sei mit der Idee, die Stelleninhaberin für eine gewisse Zeit zu binden. Dies sei nicht der Fall gewesen, sie habe die Ausbildung selber bezahlt, sagte Seiler und hielt fest: Beim angesprochenen Konto handle es sich um externe Beratungskosten, die im Budgetprozess und beim Rechnungsabschluss üblich seien.

Öffentliche Ausschreibung

Der Gemeinderat von Hofstetten-Flüh werde die Stelle der Finanzverwalterin wohl wieder öffentlich ausschreiben und im Bewerbungsverfahren neu besetzen, meint Domenik Schuppli, Ressortchef Finanzen auf Anfrage dieser Zeitung. Ob eine Kooperation mit einer anderen Gemeinde ein Thema werden könnte, sei schwierig abzuschätzen. «Der Weg mit gemeinsamem Personal ist im Solothurnischen Leimental schon eingeschlagen, doch auch wieder aufgegeben worden. Metzerlen-Mariastein und Rodersdorf hatten in der Theorie ein gutes Modell entworfen, scheiterten damit aber in der Praxis — wahrscheinlich, weil das Aufteilen von Pensen unter Gemeinden schwieriger ist, als man denkt.» Da wäre es wohl einfacher, die Gemeinden würden gemeinsam gewisse Dienstleistungen von einer Unternehmung beziehen und so durch koordinierten Einkauf von besseren Konditionen und Synergien profitieren, führt Schuppli ins Feld.

Die Gemeinde Witterswil sei aufgrund ihrer Erfahrungen zum Schluss gekommen, dass es einen auf Gemeindefinanzen spezialisierten Finanzverwalter brauche, gibt Doris Weisskopf im Gespräch mit dieser Zeitung zu bedenken. Die Gemeindefinanzen seien etwas ganz anderes als die Buchführung einer Firma, und die Eigenheiten im Gemeinwesen würden sich nochmals von Kanton zu Kanton unterscheiden. Eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit auf Verwaltungsebene sei aufgrund des Fachkräftemangels unumgänglich. Weisskopf lässt durchblicken, dass diesbezüglich Gespräche am Laufen seien. Denn auch Witterswil ist auf der Suche nach einer neuen Finanzverwalterin bzw. einem Finanzverwalter. Stelleninhaberin Anita Müller gehe Ende Jahr in Pension. «Der Gemeinderat von Witterswil prüft derzeit im Bereich Finanzen eine Zusammenarbeit mit einer anderen Gemeinde und wird die Bevölkerung informieren, sobald ein konkreter Vorschlag vorliegt», hält Weisskopf fest.

Im Sommer hatte zudem auch die Gemeinde Rodersdorf verkündet, dass ihr Finanzverwalter, Christoph Metzger, in den wohlverdienten Ruhestand gehe. Eine Nachfolgelösung sei in Arbeit, hiess es seitens der Dorfexekutive.

Häufige Personalwechsel verursachen Stress und Kosten

Der häufige Personalwechsel gehe nicht spurlos an den Gemeinden vorbei. Er sorge jeweils beim verbleibenden Personal für Stress, belaste den Gemeinderat und verursache hohe Kosten, wurde schon vor sechs Jahren moniert. Die Parteien luden im Sommer 2019 im Restaurant Post zu einem öffentlichen Gedankenaustausch ein. Unter der Leitung von Unternehmensberater Adrian Stocker unterhielten sich die Gemeindepräsidenten von Hofstetten-Flüh und Metzerlen-Mariastein, der Geschäftsführer des Gemeindeverbandes, Thomas Blum, Kreisschul-Vertreter Markus Scherrer sowie FDP-Politiker Mark Winkler zum Thema «Verwaltung Solothurnisches Leimental». Damals lautete das Fazit, die Zeit sei noch nicht reif und der Handlungsbedarf gering. Seither hätten sich die Personalkosten stetig erhöht und es kam teilweise zu grossen Problemen, manifestiert Winkler auf Anfrage dieser Zeitung. Der allgemeine Kostenanstieg führe in manchen Gemeinden zu einer Steuererhöhung. «Es ist höchste Zeit, strukturelle Veränderungen einzuleiten und die sich ständig wiederholenden Personalprobleme nachhaltig zu lösen.» Im Zeitalter der Digitalisierung seien die Vorteile grösserer Verwaltungseinheiten naheliegend. Beim aktuellen Spardruck seien eigentlich Kleinstverwaltungen nicht mehr zu rechtfertigen, gibt Winkler zu bedenken. Er werde das Thema noch diesen Herbst zur Sprache bringen. «Möglicherweise an einem öffentlichen, runden Tisch mit Vertretungen der Gemeinden und dem Kanton», kündigt er an.

«Es ist höchste Zeit, strukturelle Veränderungen einzuleiten und die sich ständig wiederholenden Personalprobleme nachhaltig zu lösen»