Pegasos reicht Gesuch ein: Nunningen prüft, ob weiterhin Sterbebegleitungen möglich sind
Die Sterbehilfeorganisation ist seit zweieinhalb Jahren in Nunningen tätig. Nach rechtlichen Auseinandersetzungen kommt die Stiftung nun der Aufforderung von Gemeinde, Kanton und Gericht nach.
Nunningen
Die Basler Stiftung Pegasos führt seit Frühjahr 2024 in Nunningen Sterbebeleitungen durch. Eine Bewilligung für ihre Tätigkeit hatte die Organisation gemäss Gemeinde, Kanton Solothurn und Verwaltungsgericht bis anhin jedoch nicht. Nun bestätigt der Nunninger Gemeindepräsident Philipp Muster auf Anfrage der bz: «Das Umnutzungsgesuch ist bei uns eingetroffen und wird zurzeit geprüft.»
Das Solothurner Verwaltungsgericht hatte der Stiftung eigentlich eine Frist bis am 15. Juli gesetzt, um das Gesuch einzureichen. Pegasos hatte daraufhin um eine Fristverlängerung gebeten, was von der Gemeinde Nunningen akzeptiert wurde. Die Organisation hatte sich zur Wehr gesetzt, sich aber letztlich bereit erklärt, das Umnutzungsgesuch doch noch einzureichen. Lange stellte sich die Stiftung auf den Standpunkt, dass ihr niemand den Betrieb untersagt habe und erklärte: «Pegasos ist bislang davon ausgegangen, dass keine Umnutzung vorliegt. Die Parzelle befindet sich zum grösseren Teil in der Kernzone, welche eine Nutzung zu Wohn- und Geschäftszwecken erlaubt.»
Mit dem Umnutzungsgesuch für die Liegenschaft im Weiler Roderis sollen Sterbebegleitungen offiziell möglich werden. Nichtsdestotrotz führte die Stiftung ihre Tätigkeit seit mittlerweile zweieinhalb Jahren unaufhörlich fort und begleitete mehrere hundert Personen im Schwarzbubenland in den Tod. Die Dienstleistung der Organisation wird vor allem von Ausländerinnen und Ausländern in Anspruch genommen, die in die Schweiz reisen, um hier zu sterben.
Als die Stiftung damals mit ihrer Arbeit begonnen hatte, war man in Nunningen erstaunt. Das Vorhaben war der zuständigen Baukommission nicht bewusst gewesen, als sie das ursprüngliche Baugesuch genehmigt hatte. Die Kommission war aufgrund der Angaben der Stiftung davon ausgegangen, dass im Neubau künftig gewohnt wird. Sie verlangte daraufhin von Pegasos, ein neues Baugesuch für eine Nutzungsänderung einzureichen, damit Freitodbegleitungen durchgeführt werden können. Das Solothurner Bau- und Justizdepartment sowie das Verwaltungsgericht lehnten nacheinander eine Beschwerde von Pegasos gegen die Verfügung der Gemeinde ab.
In Nunningen stösst die Stiftung seit Anbeginn auf Widerstand: Mit einer Petition forderten Anwohnende den Wegzug der Organisation an einen unbesiedelten Ort. Ausserdem kritisierten Angehörige von Ausländern, die in der Schweiz gestorben sind, immer wieder die Praktiken von Pegasos. Kopf der Stiftung ist Ruedi Habegger, Bruder der bekannten Baselbieter Sterbehelferin Erika Preisig.
«Das Umnutzungsgesuch ist bei uns eingetroffen und wird derzeit geprüft.»