Passwangstrasse: Weltneuheit im Einsatz

Die Tiefbau-Unternehmungen setzen in Beinwil auf eine elektrische Grossdrehbohr-maschine.

Eine echte Rarität: Weltweit gibt es nur drei dieser elektrischen Grossdrehbohrmaschinen, sagt Roger Borer von der Albin Borer AG (r.). In der Führerkabine am Hebel sitzt José Iglesias.  Foto: Bea Asper
Eine echte Rarität: Weltweit gibt es nur drei dieser elektrischen Grossdrehbohrmaschinen, sagt Roger Borer von der Albin Borer AG (r.). In der Führerkabine am Hebel sitzt José Iglesias. Foto: Bea Asper

Beinwil

«Weltweit gibt es drei solche Maschinen der Firma Liebherr», sagt José Iglesias, der Mann, der in der Führerkabine am Hebel sitzt und mit der batterieelektrischen Grossdrehbohrmaschine Präzisionsarbeit leistet. «Egal auf welches Terrain diese Maschine trifft — sie bohrt sich durch jedes Gestein. Ihre Leistung übertrifft Bisheriges», berichtet Iglesias. Es sei ganz anders als das Beispiel jener Elek-trobusse, die vollbeladen am Berg stehen bleiben. «Die Batterie des LB16 schafft einen ganzen Arbeitstag und kann über Nacht aufgeladen werden», hält Iglesias fest. Seit knapp zwei Wochen steht die Grossdrehbohrmaschine in Beinwil im Einsatz. Die Tiefbauspezialistin Ghelma AG aus Meiringen erprobt die Maschine im Mietverhältnis.

Die positive Bilanz, welche die Albin Borer AG und die Ghelma ziehen, stimmt die Unternehmer zuversichtlich, bei der Nachhaltigkeit einen grossen Schritt weiterzukommen. «Das Wunschdenken ist das eine, die Realität das andere», resümiert Roger Borer, stv. Geschäftsführer der Albin Borer AG. Mit der weltweit modernsten Bodenwaschanlage für Bauabfälle (in der Schachlete Dittingen) setzt die Firma mit ihren 500 Mitarbeitenden auf Nachhaltigkeit. «Das erklärte Ziel ist die stetige Verbesserung der CO2-Bilanz des Unternehmens und der CO2-Bilanz der Projekte.» Dabei kommen der Ausstoss der Fahrzeugflotte, die Transportwege und die graue Energie des Baumaterials in die Waagschale — im Moment auf freiwilliger Basis. «In Zukunft wird dies ein wichtiges Bewertungskriterium sein. Städte wie Zürich, Basel oder Genf verschärfen Umweltanforderungen bei öffentlichen Ausschreibungen», erklärt Borer. Der Trend gehe dahin, dass Bauherren nicht nur den Preis stark gewichten, sondern auch die Antwort auf die Frage: «Wie viele Tonnen CO2 entstehen bis zur Fertigstellung?»

Die elektrobetriebenen Maschinen seien bei der Anschaffung massiv teurer als Dieselfahrzeuge, bei den Betriebskosten hänge es vom Strompreis ab und auf welche Ladestationen man zurückgreifen könne. «Gerade bei einer abgelegenen Baustelle stellt sich die Frage, wie viele Gerätschaften gleichzeitig Strom tanken können, ohne dass in der Umgebung die Lichter ausgehen», gibt Borer zu bedenken.

Der Weg zur CO2-armen Baustelle sei kein leichter, er erfordere langfristige Planung, so Borer. «Die Entwicklung ist in vollem Gange. Die Geschwindigkeit hängt von der Maschinenklasse, der Energieversorgung und den gesetzlichen Vorgaben ab». Alternativ zu den Elektromotoren würden auch die neuen Angebote an Bio-Diesel und Wasserstoff-Systemen die Unternehmungen bei der Verbesserung der CO2-Bilanz unterstützen, führt Borer aus.

Der Kanton Solothurn investiert bei der Erneuerung der Passwangstrasse in Beinwil 30 Millionen Franken und in Breitenbach / Büsserach zehn Millionen Franken — mit dem Ziel den Strassenraum für alle Verkehrsteilnehmenden sicherer zu machen. In Beinwil geht es um die technisch anspruchsvolle Totalsanierung, um Hangsicherung, Stützbauwerke mit Tiefenfundationen, Schutzmassnahmen gegen Steinschlag, moderne Strassenentwässerung und neue Amphibienleitsysteme zum Schutz der Tiere. In Beinwil dauern die Bauarbeiten bis Ende 2029, in Breitenbach / Büsserach werden die Arbeiten im Verlauf dieses Jahres abgeschlossen, meint Borer.