Neuausrichtung der Sonnhalde verändert den Standort Roderis

Die Bewohnerinnen und Bewohner des betreuten Lebensortes Roderis müssen in den nächsten Jahren von den Kühen und von ihrer gewohnten Umgebung Abschied nehmen.

Veränderungen stehen an: Im Roderis ist der Aufbau einer Projektschule für Kinder und Jugendliche geplant. Foto: Bea Asper
Veränderungen stehen an: Im Roderis ist der Aufbau einer Projektschule für Kinder und Jugendliche geplant. Foto: Bea Asper

Die Sonnhalde Gempen wird ihren Landwirtschaftsbetrieb im Roderis aufgeben und plant für den betreuten Lebensort eine Neuausrichtung. Vorgesehen ist der Aufbau einer Projektschule für Kinder und Jugendliche, die in einem reizarmen Umfeld auf Individualbetreuung angewiesen sind und sich nicht in ein Klassengefüge der Tagessonderschule in Gempen integrieren lassen. «Wir erhalten diesbezüglich aus der ganzen Schweiz immer wieder Anfragen und haben uns entschieden, ein solches Angebot im Roderis zu schaffen. Dies im Zuge unserer Zukunftsstrategie, mit der wir die Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten für die Erwachsenen optimieren wollen. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die im Roderis leben, sollen in Zukunft an unseren anderen Standorten von einer grösseren Wahlfreiheit profitieren können», erklärt Stiftungsratspräsidentin Barbara Schneider auf Anfrage dieser Zeitung. «Das bisherige Konzept im Roderis entspricht nicht den neusten Anforderungen. Es bietet den Bewohnerinnen und Bewohnern zu wenig Handlungsspielraum. Die Idee ist, das breit aufgestellte Angebot in Gempen zu erweitern und den Wohnbereich auszubauen, sodass die Bewohnerinnen und Bewohner vom Roderis an ihrem neuen Ort jene Beschäftigungen finden, die ihnen entsprechen. Die Arbeit mit den Kühen war ein wichtiger Bestandteil der Tagesstruktur in Roderis. In Gempen werden die Bewohnerinnen und Bewohner künftig ein erweitertes Tierangebot sowie Pferde mit dem Angebot der Hippotherapie vorfinden», erläutert Schneider. Darüber hinaus gebe es in Gempen eine Gärtnerei, eine Bäckerei, eine Gastroküche, einen Bioladen, verschiedene Werkstätten und ein breit gefächertes Freizeitangebot. Die Stiftung Sonnhalde hat in Gempen erst gerade ihre Schulanlage erneuert und dabei in der Mitte des Lebensortes ein neues Begegnungszentrum errichtet.

Für Menschen, die ihren Alltag selbstständig gestalten können und auf wenig Betreuung angewiesen sind, biete die Sonnhalde auch in Dornach ein gemeinschaftliches Wohnen an. «Wir sind uns bewusst, dass die Veränderung für alle eine grosse Herausforderung darstellt, und gehen es behutsam an. Von der jetzigen Vorinformation bis zur Umsetzung der Strategie 2030 sind die einzelnen Schritte etappenweise geplant und werden schrittweise umgesetzt», führt die Stiftungsratspräsidentin aus. «Die Betroffenen werden mit ihren gewohnten Bezugspersonen und dem entsprechenden Fachwissen auf die Veränderungen vorbereitet. Dabei ist es uns ein wichtiges Anliegen, bestehende soziale Bezüge und gewachsene Gruppenkonstellationen angemessen zu berücksichtigen. Der Umzug soll gemeinsam mit dem Betreuungsteam erfolgen.» Die Angehörigen würden in den Prozess miteinbezogen und seien im Januar an einem persönlichen Anlass informiert worden. Die Reaktionen seien unterschiedlich ausgefallen. Einige Angehörige zeigten sich sehr besorgt und befürchten, dass die Nachricht von den Betroffenen nicht gut aufgenommen würde. «Wir schätzen diese Fürsorge und nehmen die Bedenken sehr ernst», sagt Schneider. «Wir spürten auch Unterstützung. Einige Angehörige brachten ihre Freude zum Ausdruck, dass die Erwachsenen, die auf Betreuung angewiesen sind, in ihrem künftigen Zuhause in Gempen letztlich von einem breiteren Angebot profitieren werden», schildert Schneider.

Allerdings heisst es bis 2030 Abschied nehmen von den Kühen und der eigenen Milchverarbeitung. Der Stall im Roderis hätte modernisiert werden müssen, gibt Schneider zu bedenken. Wie er in Zukunft umgenutzt werde, sei Gegenstand der Abklärungen. «Auch ist noch offen, von welchem Betrieb wir in Zukunft die Milchprodukte beziehen werden. Es wird geprüft, ob die Grünflächen in Roderis als Weiden erhalten und in Zusammenarbeit mit Landwirten gepflegt werden können», stellt Schneider in Aussicht.