Neu in Rodersdorf und parteilos

Nach dem Tod des Rodersdorfer Gemeindepräsidenten Thomas Bürgi übernimmt Neuzuzügerin Camelia Chebbi. Im Solothurnischen Leimental haben die Frauen das Sagen.

Camelia Chebbi: Ab 1. August wird sie als Gemeindepräsidentin Rodersdorf führen. Foto: zvg
Camelia Chebbi: Ab 1. August wird sie als Gemeindepräsidentin Rodersdorf führen. Foto: zvg

Rodersdorf

Thomas Bürgi hatte vor über fünf Jahren mit seiner damals neu gegründeten Partei «Zämestoh für Rodersdorf» frischen Wind in den von der SP dominierten Gemeinderat gebracht. Nach seinem plötzlichen Tod im März dieses Jahres sei es der Partei nicht möglich, eine Nachfolgelösung zu präsentieren, erklärt Dominik Sigrist, Gemeinderat von «Zämestoh für Rodersdorf». Auch die Bürgerlichen erklärten ihren Verzicht. Bürgi hatte viel Zeit und Herzblut investiert. Die Messlatte für das Gemeindepräsidium von Rodersdorf war hoch angesetzt, das habe vielleicht die eine oder andere (berufstätige) Person von einer Kandidatur abgehalten, meint Sigrist. So verkündete dann auch die SP — in einem gemeinsamen Flugblatt mit der Parteileitung von «Zämestoh für Rodersdorf», dass sie keine Kandidatur einreichen könne und bat die Bevölkerung um Mithilfe. Die Urnenwahl war für den 14. Juni vorgesehen und die Frist für das Einreichen der Kandidaturen endete am 27. April.

Der Aufruf war erfolgreich. Neuzuzügerin Camelia Chebbi zeigte Interesse am anspruchsvollen Nebenamt und wurde nun als einzige Bewerberin in stiller Wahl zur neuen Gemeindepräsidentin von Rodersdorf erkoren. Camelia Chebbi verfügt über ein abgeschlossenes Studium an der Universität Basel in Kulturanthropologie und Spanischer Philologie, absolvierte an der ETH Zürich ein Aufbaustudium in Entwicklung und Zusam-menarbeit und ein weiteres in Non-Profit-Öffentliches Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Sie ist Leiterin der Geschäftsstelle MSD der Uni Basel und kandidierte parteilos.

Sie sei zwar erst vor einem Jahr von Basel nach Rodersdorf gezogen, doch schon lange mit dem Leimental verbunden und fühle sich hier sehr wohl. Aufgrund der Umstände und des Aufrufes an die Bevölkerung — und nach Gesprächen mit verschiedenen Behördenmitgliedern — habe sie sich letztlich für die Kandidatur entschieden, hält Chebbi im Gespräch mit dieser Zeitung fest. Bei den Anforderungen, die ein solches Amt mit sich bringt, stützt sich Chebbi auf ihre Berufserfahrung im Bereich des Coachings. Auf der politischen Bühne ist sie Quereinsteigerin. «Ich habe noch keine Erfahrung in politischen Ämtern», erklärt die 58-Jährige. Sie sei aber in einem politisch interessierten Umfeld aufgewachsen und verfolge die lokalen Themen sehr aufmerksam. «Ich gehöre keiner Partei an.» Sie verstehe ihr Amt als Teil eines Teams und sei bereit, «bis zum Ende der laufenden Legislatur — dann schauen wir weiter» — einen wesentlichen Beitrag zum Funktionieren der Gemeinde zu leisten. Es sei ihr klar: «Thomas Bürgi hinterlässt eine grosse Lücke. Aus den im Vorfeld der Kandidatur geführten Gesprächen spürte ich grosse Unterstützung, dies hat mich bestärkt».

Gemäss Christophe Grundschober, Gemeindepräsident ad interim, gibt es eine mehrmonatige Einarbeitungszeit. «Wir freuen uns sehr, dass sich Camelia Chebbi als parteilose Kandidatin gemeldet hat. Nach intensiven Gesprächen mit den Parteipräsidien von «Zämmestoh für Rodersdorf» und der SP konnte sie als ausserordentlich qualifizierte Kandidatin für das Amt empfohlen werden», hält Grundschober fest. «Ihr Amtsantritt ist für den 1. August vorgesehen. In der Zwischenzeit wird Camelia Chebbi den Gemeinderatssitzungen beiwohnen und sich der Bevölkerung vorstellen», führt Grundschober aus.

Mit Camelia Chebbi als Gemeindepräsidentin von Rodersdorf haben die Frauen nun in allen Gemeinden des Solothurnischen Leimentals das Zepter in der Hand, sind aber in den Gremien in der Unterzahl.