Nachfolgeregelung sorgt für Kopfzerbrechen
Im Gemeinderat von Hofstetten-Flüh wurde der zweite Wiedererwägungsantrag von Gemeindepräsidentin Tanja Steiger zur Anstellung der neuen Gemeindeschreiberin scharf kritisiert.
Hofstetten-Flüh
Der Gemeinderat von Hofstetten-Flüh befasste sich in den letzten Wochen im nicht öffentlichen Teil seiner Sitzungen mit einer Nachfolgeregelung im operativen Bereich. Die langjährige Gemeindeschreiberin Verena Rüger hatte bekannt gegeben, im Verlauf des kommenden Jahres von ihrem Recht der Frühpensionierung Gebrauch zu machen. Der Gemeinderat teilte dann mit, dass er Melanie Baumann zur neuen Gemeindeschreiberin gewählt habe. «Mit Melanie Baumann übernimmt eine innerhalb der Organisation bestens vernetzte Persönlichkeit diese Funktion. Im Rahmen des Auswahlverfahrens überzeugte Melanie Baumann insbesondere durch die bisherigen Erfahrungen, die persönlichen Qualifikationen sowie das grosse Engagement zugunsten der Gemeinde Hofstetten-Flüh.» Die interne Besetzung gewährleiste zudem Kontinuität und ein vertieftes Verständnis der bestehenden Strukturen, Prozesse und Herausforderungen, hiess es wörtlich in der Mitteilung, die darauf verwies: Der genaue Zeitpunkt des Stellenantritts werde später kommuniziert werden. Baumann sagte auf Anfrage dieser Zeitung, dass sie die schulische Weiterbildung zur Gemeindeschreiberin im Januar 2027 starten werde.
März oder Juni?
Der Zeitpunkt ihres Stellenantritts wurde im Gemeinderat zum Zankapfel. Die Ratsmehrheit hatte sich dafür ausgesprochen, dass ab Januar 2027 eine Einarbeitungszeit eingeräumt werde und Baumann die Verantwortung für die Gemeindeschreiberei Ende Juni 2027 übernehmen solle, wenn das Arbeitsverhältnis der jetzigen Stelleninhaberin ende. Rüger würde sich allerdings bereits im März verabschieden, da sie 67 Ferientage zugute habe, aufgrund der Überzeit, die sich im Verlaufe der letzten Jahre angesammelt habe, nicht zuletzt, weil sie immer wieder bereit gewesen sei, in die Bresche zu springen. Gemeindepräsidentin Tanja Steiger forderte den Gemeinderat mit wiederholtem Wiedererwägungsgesuch auf, Baumanns Stellenantritt vorzuverlegen auf März 2027. Ansonsten wäre die Gemeindeschreiberei monatelang unbesetzt und in dieser Zeit könnten keine Gemeinderatssitzungen stattfinden.
Dies entspreche nicht den Vorstellungen der Ratsmehrheit, sagte Domenik Schuppli an der Sitzung von letzter Woche. Er vertrat SVP-Gemeinderat Heiko Keck. «Die Ratsmitglieder hatten gute Gründe, Baumanns Stellenantritt für Juli festzulegen. Die genauen Überlegungen können aufgrund des Datenschutzes nicht veröffentlicht werden.»
Schuppli kritisierte Steigers Vorgehen. Der Gemeinderat habe seinen Entscheid im vollen Bewusstsein der Konsequenzen getroffen und bestätigt und es seien seither keine neuen Erkenntnisse aufgetaucht. Folglich sei unklar, warum der Gemeinderat seinen Entscheid umstossen sollte. «Dumm gelaufen ist kein Wiedererwägungsgrund», meinte Schuppli und betonte: «Ob es der Präsidentin und der Verwaltung passt oder nicht, es ist ihre Pflicht, die Entscheidungen der Exekutive umzusetzen und Probleme zu lösen. Wo kämen wir hin, wenn die Mitglieder einer Exekutive nach jedem Entscheid, den sie nicht mögen, die Debatte neu lancieren würden?», so Schuppli. Ersatz-Gemeinderat Willi Schwyzer gab zu bedenken: «Im Sinne der Wertschätzung sollte der Gemeinderat dem Wunsch der Verwaltung entsprechen.» Verena Rüger habe sich — gerade auch in den schwierigen Zeiten — stets für die Gemeinde Hofstetten-Flüh eingesetzt.
Steiger stellte sich auf den Standpunkt, dass der finanzielle Aspekt die Wiedererwägung rechtfertige. Melanie Baumann sei bereit, die Stelle früher anzutreten, und dies käme die Gemeinde günstiger zu stehen als eine Übergangslösung durch eine externe Firma. Pascal Lang, der FDP-Gemeinderat Kurt Schwyzer an der Sitzung vertrat, schlug vor, das Thema ausserhalb der Gemeinderatssitzung zu besprechen. Sein Vorschlag, das Präsidium und die Verwaltung sollen das Problem zusammen mit einer Zweier-Delegation des Gemeinderates im Rahmen eines Workshops lösen, wurde von der Ratsmehrheit gutgeheissen. Steiger zog ihren Antrag auf Wiedererwägung zurück.