Metzerlen gründet Genossenschaft für einen neuen Dorfladen
Seit der Schliessung im Oktober 2024 fehlt ein Dorfladen in Metzerlen. Eine Arbeitsgruppe will das ändern. Mit der Unterstützung der Bevölkerung, dem Verkauf von Genossenschaftsscheinen und der Gründung eines Vereins soll im Dorf wieder ein Laden entstehen.

Wer in Metzerlen wohnt, muss mindestens nach Flüh fahren, um einzukaufen. Seit Friedrich Fürst im Oktober 2024 in Pension gegangen ist, fehlt der Lebensmittelladen im Dorf. Eine Nachfolge fand sich nicht. «Das ist schade», fand Heinz Schumacher und gründete zusammen mit engagierten Personen aus dem Dorf eine Arbeitsgruppe. Ziel: wieder einen Dorfladen ins Leben zu rufen.
Entstehen soll der Laden vis-à-vis dem ehemaligen Dorfladen, dort wo heute ein Antiquitätengeschäft eingemietet ist. Erste Gespräche fanden im Januar mit dem Liegenschaftsbesitzer statt. Bereits im Oktober 2025 wurde ein Investitions- sowie ein Businessplan erarbeitet und die Genossenschaft «Dorfladen Metzerlen-Mariastein» gegründet. «Das Modell ist bewusst gewählt: Die Genossenschaft gehört den Mitgliedern, eine Nachschusspflicht besteht nicht. Ziel ist nicht Gewinnmaximierung, sondern die Sicherung der Nahversorgung», erklärt Schumacher.
300 Franken pro Anteil
Jeder Haushalt kann Genossenschaftsanteile zu je 300 Franken kaufen. Rund 400 Haushalte gibt es in Metzerlen, dazu kommen noch die Dörfer Mariastein und Burg, die ebenfalls keinen Dorfladen besitzen. «Wenn möglichst viele mitmachen — vielleicht zwei oder drei Anteile zeichnen —, erreichen wir unser Ziel», ist Schumacher zuversichtlich. Die Herausforderung ist beträchtlich. Allein die Erstausstattung des Ladens verschlingt hohe Summen: Regale, Kühlgeräte, Backofen, Kassensystem, erste Warenlieferung. «Wir brauchen rund eine Viertelmillion Franken, um zu starten.» Die Hälfte soll über Genossenschaftskapital gedeckt werden, die andere über Sponsoren und Spenden. Parallel dazu wurde soeben der Verein Dorfladen gegründet. Seine Mitglieder sollen beim Einrichten des Ladens helfen und Dorfladenfeste organisieren — einerseits, um Geld in die Kasse zu bringen, andererseits, um die Dorfgemeinschaft zu stärken.
Rund eine Million Franken Jahresumsatz sind nötig, damit sich der Betrieb selbst trägt. Die Lage direkt an der Kantonsstrasse mit rund 4200 Fahrzeugen pro Tag und den Parkmöglichkeiten begünstigt dies. Den Betrieb des Ladens wird die Detailhandelskette Volg übernehmen. Gemüse, Früchte, Eier, Honig oder Käse aus der Umgebung sollen das Angebot für den täglichen Bedarf ergänzen. «Wir wollen eine Grundversorgung mit frischen, regionalen Lebensmitteln», erklärt Schumacher. Auch ein Hauslieferdienst ist vorgesehen — etwa für ältere Menschen oder Personen ohne Auto. Langfristig ist im Laden sogar ein kleines Café und wieder eine Postagentur angedacht. «Früher hat man bei der Post oder im Laden ein paar Worte gewechselt. Heute fehlt dieser Treffpunkt. Hinzu kommt, dass ein Drittel der Bevölkerung über 60 Jahre alt ist. Für sie bedeutet der Dorfladen Selbstständigkeit und kurze Wege», sagt Schumacher.
Solidarität ist gefragt
Die Arbeitsgruppe appelliert an die Solidarität: «Eigentlich müssten alle, die hier wohnen und schlafen, ihren Beitrag leisten.» Der Einkauf im Dorf sei nicht nur eine Frage des Preises. Wer für ein Brot oder eine Milch zehn Kilometer fährt, zahle auch mit Zeit, Benzin und Umweltbelastung, so Schumacher.
Noch ist der Antiquitätenhändler im vorgesehenen Lokal. Ziel ist die Eröffnung Anfang kommenden Jahres. Die Resonanz im Dorf stimme vorsichtig optimistisch, freut sich Schumacher. Erste Einzahlungen seien bereits eingegangen, viele signalisieren Unterstützung. «Am Ende hängt alles von der Bereitschaft der Bevölkerung ab. Ein Dorfladen funktioniert nur, wenn er genutzt wird.»