Kunst von Kloster zu Kloster

Die Galerie Choice in Mariastein präsentiert derzeit neuere Arbeiten des 68-jährigen Künstlers Stephan Ha Sam-du aus Südkorea — eine bunte Palette unterschiedlicher Bildwelten, die eine vertiefte Auseinandersetzung lohnen.

Tuschmalerei auf speziellem Papier: Stephan Ha Sam-du zwischen seinen Werken «Frühlingserwartung» (links) und «Blick ins Dickicht» (rechts). Foto: Christian Fink
Tuschmalerei auf speziellem Papier: Stephan Ha Sam-du zwischen seinen Werken «Frühlingserwartung» (links) und «Blick ins Dickicht» (rechts). Foto: Christian Fink

Auch wenn die südkoreanische Kunstszene international stark vertreten ist und auch in der Schweiz zunehmend präsentiert wird, so kommt es doch nicht alle Tage vor, dass hierzulande einem einzelnen koreanischen Künstler eine Ausstellung gewidmet wird. Genau dies tut die Galerie Choice in Mariastein, die vom Verein KunstRaumRhein betreut wird. Sie zeigt derzeit rund dreissig Gemälde des Malers Stephan Ha Sam-du, der bei der Vernissage vergangenen Samstag zusammen mit seiner Gattin und dem Abt des Benediktinerklosters Waegwan anwesend war.

Die Ausstellung ist das Resultat eines Treffens der Kuratorin Dorothée Deimann und des Soziologen Simon Mugier mit koreanischen Repräsentanten der beiden Benediktinerklöster in Busan und Waegwan. Die Begegnung erfolgte vergangenen August mit dem Ziel, zwischen den Benediktinerklöstern in Südkorea und Mariastein Brücken zu bauen. Bei dieser Gelegenheit trafen sie auch den 68-jährigen Künstler. Denn viele seiner Bilder sind im Kloster Waegwan dauerhaft ausgestellt. Ha Sam-du ist Kirchenkünstler und Architekt und schuf etwa auch liturgische Räume. «Ich fand die Bilder interessant», so Deimann, «in der Tradition verhaftet, mit einem Zugang zur Moderne.» Die Kunstausstellung trägt den Titel «Die Vorsehung des Schöpfers».

Nicht ohne Schalk

Ha Sam-du bedient sich der Tuschmalerei auf speziellen Papieren, auf denen sich unterschiedliche Effekte erzielen lassen. Dabei entstehen sowohl abstrahierende Bildwelten in Grau-, Schwarz- und Anthrazit-Tönen, die unterschiedliche Interpretationen zulassen, als auch stilisierte Darstellungen, aus dem Leben gegriffen und teilweise mit mehr oder weniger Farbe in Szene gesetzt.

Nebst geistlichen Motiven vertieft sich Ha Sam-du besonders in die Wunder der Natur: Berglandschaften, Täler, Reisfelder. Überraschend für im Westen sozialisierte Betrachterinnen und Betrachter sind die in Grautönen gehaltenen, abstrahierten Bilder, auf denen sich etwa einfach dargestellte Feuervögel in bunter, orange-roter Farbe oder gelbes Geflügel einnisten. Und dass es sich beim «Herbstspaziergang» auch um einen solchen handelt, wird klein am Bildrand durch ein stilisiertes Paar verdeutlicht. Da ist ein gewisser Schalk nicht zu übersehen.

Es gibt einige Darstellungen, die sich in Comic-Welten verorten lassen («Friedensgruss» oder «Neugierige Kinder und Schnecke»). Beim «Garten mit dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse» wiederum fällt einem sofort die Nähe zur Bildsprache des Jahrhundertkünstlers Picasso ein. Da treffen auf dreissig Bildern höchst unterschiedliche Welten aufeinander, in sich die zu vertiefen lohnt.

Galerie Choice, Metzerlenstrasse 1, Mariastein, Stephan Ha Sam-du: Die Vorsehung des Schöpfers, zu sehen bis 25. April, jeweils samstags, 16 bis 20 Uhr, sonntags, 10.30 bis 16 Uhr, sowie auf Anfrage.