Kleinkaliberstand soll abgerissen werden
Der Breitenbacher Gemeinderat distanziert sich von der Idee, eine grössere Summe in das Areal mit dem Kleinkaliberstand zu investieren. Die Sportschützen Thierstein sind enttäuscht.

Breitenbach
Der Kleinkaliberstand an der Lüssel ist im Besitz des Vereins Sportschützen Thierstein und sollte laut Kanton im technischen Bereich auf den neusten Stand gebracht werden. Die Sportschützen können die Anlage bereits seit Jahren nicht mehr nutzen. Das Kreiskommando Solothurn hat die Kleinkaliber-Schiessanlage (50-m-Stand) mittels Verfügung gesperrt. «Für den technischen Unterhalt der Anlage ist der Verein zuständig», erklärt Gemeindeverwalter Andreas Dürr. «Es handelt sich um eine private Anlage — das heisst, sie wird für das ausserdienstliche Schiessen genutzt.» Das Erdreich um den Stand herum hingegen sei vor einigen Jahren saniert worden, führt Dürr aus.
Die Sportschützen Thierstein hatten vor einiger Zeit den Gemeinderat um finanzielle Unterstützung gebeten, um den Kleinkaliberstand erhalten zu können. Die Frauen und Männer der Sportschützen Thierstein sind sportlich orientierte Schützen und Schützinnen, die mit Kleinkaliber-Munition auf eine Distanz bis 50 Meter schiessen. Vor allem während der Sommerzeit trafen sie sich im Kleinkaliberstand an der Lüssel regelmässig zum Training. «Es haben Verkaufsgespräche stattgefunden und es wurde von der Lokalität ein Augenschein genommen, allerdings gehen die Meinungen zwischen den Verantwortlichen des Vereins und dem Gemeinderat weit auseinander», resümiert Gemeindepräsident Christian Thalmann auf Anfrage dieser Zeitung. Der Verein gehe von einem Landwert von knapp 200000 Franken aus. Diese Summe liegt weit entfernt von den jetzigen Vorstellungen des Gemeinderates, erklärt Thalmann. Der Verein habe dann signalisiert, er würde der Gemeinde um 50000 Franken entgegenkommen. Eine Investition von über 100000 Franken käme selbstverständlich vor die Gemeindeversammlung. Die Lokalität sei in einem schlechten Zustand und würde für eine Umnutzung hohe Investitionen nach sich ziehen. Für den Verein wäre ein Verkauf für 150000 Franken attraktiv, hingegen mache dies für die Gemeinde keinen Sinn und stünde im Widerspruch zur gesetzlichen Pflicht, mit den Steuergeldern haushälterisch umzugehen, resümiert Thalmann.
Der Gemeinderat diskutierte das Thema mehrmals. «Die Gemeinde könnte das Land mit dem Kleinkaliberstand übernehmen und die Anlage zurückbauen. Als Entschädigung würde die Gemeinde dem Verein die zu bezahlende Einkaufssumme an einen anderen Club leisten, wobei diese Summe auf rund 25000 Franken geschätzt wird», hiess es in den Erwägungen. Dürr stellte klar: «Für die Einwohnergemeinde besteht keine Verpflichtung, die beiden Parzellen mit der Anlage und dem Lokal, welche notabene noch rückgebaut werden müssten, zu erwerben». Die eine Parzelle GB211 sei 711 Quadratmeter gross und liege in der Zone für öffentliche Anlagen. Bei der anderen Parzelle GB210 (774 Quadratmeter) handle es sich um Landwirtschaftsland, das in der Ortsplanrevision in die Zone für öffentliche Anlagen fällt. «Für den Landeigentümer ist eine andere Nutzung beziehungsweise eine Veräusserung an eine Drittperson schwierig», argumentierte Dürr. Die Gemeinderatsmitglieder zeigten sich in ihrer Diskussion bereit, den Verein «in einem vernünftigen Rahmen» zu unterstützen. Auf einen Kaufpreis von 150000 Franken für das Land wollte der Gemeinderat aber nicht eintreten. Es bleibe dem Verein freigestellt, am Status Quo festzuhalten, also die Anlage zu behalten und auf seine Kosten die vom Kanton geforderten Mängel zu beheben. So war man sich im Gemeinderat einig: «Für die Gemeinde besteht kein Handlungsbedarf». Thalmann wies darauf hin, dass der Verein seine Bücher nicht offengelegt habe. Statthalter David Häner zeigte auf, dass der effektive Wert des Landes bei rund 40000 Franken liege, wenn man davon 20000 Franken für den Rückbau des Kleinkaliberstandes abziehe, lande man bei 20000 Franken. Er beantrage deshalb, den Kaufpreis für die Übernahme der Anlage durch die Gemeinde auf 20000 Franken festzusetzen. Seine Ratskollegen unterstützten diesen Vorschlag, der nun bei den Sportschützen Thierstein zur Diskussion liegt.
Schützen sind enttäuscht
Nachgefragt bei den Sportschützen Thierstein zeigt sich Ernst Christ (Fehren) sehr enttäuscht über das Verhalten des Gemeinderates. Die Behörde habe für das Land, das den Sportschützen gehört, die Erweiterung der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen veranlasst — dies unterstreiche das öffentlich Interesse an der Nutzung der Parzelle, gerade im Hinblick auf die Erweiterung der Sportplätze Grien. «In den früheren Berechnungen hat die Gemeinde den Wert des Landes in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen bei 197000 Franken gesehen, was protokolliert ist». Beim Landverkauf an die Vebo habe die Gemeinde 150-350 Franken pro Quadratmeter in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen berechnet, hebt Christ hervor.
Zuerst sei es so gewesen, dass Breitenbach den Sportschützen versprochen habe, die vom Kanton verlangten baulichen Massnahmen zu realisieren. «Der Zickzackkurs des Gemeinderates ist erschreckend. Das ist Willkür. Seit Jahren wird der Verein vertröstet. Ursprünglich hatten die Sportschützen angeregt, die Gemeinde könnte das Land kaufen, und der Verein würde auf seine Kosten den Stand sanieren und in den Wiederaufbau des Vereins investieren.» Durch die Verzögerungstaktik seien dem Verein die lizenzierten Mitglieder davongelaufen. «Einzelne Mitglieder erhielten von befreundeten Vereinen ein vorübergehendes Gastrecht. Eine definitive Lösung für den Sportschützenverein Thierstein gibt es noch nicht », hält Christ fest. «Im Moment sind wir am Eruieren. Wir suchen sicherlich nochmals das Gespräch mit dem Gemeinderat», meint Christ.