Kaffihalle erzählt Dorfgeschichte

Kürzlich wurde der Umbau der ehemaligen «Kaffehalle» abgeschlossen. Es entstand ein modernes Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen. Interessant ist die fast 200-jährige Geschichte des ehemaligen Bauern- und Wirtebetriebs mitten im Dorfkern.

Die neue Kaffihalle an der Dorfstrasse: Friedrich Allemann (r.) und Pirmin Zumthor freuen sich über ihr gelungenes Werk. Foto: Martin Staub

Die neue Kaffihalle an der Dorfstrasse: Friedrich Allemann (r.) und Pirmin Zumthor freuen sich über ihr gelungenes Werk. Foto: Martin Staub

Vor vielen Jahren: Eingang des Gebäudes mit der Tafel «Kaffehalle» und dem Wirtshausschild «Zum Schlüssel».  Foto: zVg

Vor vielen Jahren: Eingang des Gebäudes mit der Tafel «Kaffehalle» und dem Wirtshausschild «Zum Schlüssel». Foto: zVg

Kleinlützel

«Kaffehalle». Noch vor nicht allzu langer Zeit konnten Passantinnen und Passanten das Schild am Haus 153 im Lützler Dorfkern sehen. Der damit angeschriebene Gastrobetrieb wurde indes schon vor vielen Jahrzehnten aufgehoben. Ältere Lützlerinnen und Lützler erinnern sich aber noch. Hier in der Kaffehalle — man sah grosszügig über das fehlende «e» auf dem alten Wirtshausschild hinweg — trafen sich Alt und Jung zu Spiel, Tanz und Dorftratsch. Die Kaffihalle war bis in die 1970er-Jahre einer von sechs Wirtebetrieben in Kleinlützel.

Seit Anfang Juni dieses Jahres ist das ehemalige Gasthaus, damals mit angebautem Ökonomiegebäude, kaum mehr wiederzuerkennen. Prachtvoll renoviert, mit fünf altersgerechten modernen Wohnungen, steht es da und erinnert kaum an die bewegte Geschichte des Hauses.

Den Geist der ehemaligen Kaffihalle erhalten

Friedrich Allemann, dem neuen Besitzer, war jedoch diese Geschichte von Anfang an wichtig. Als frisch pensioniertem Zimmermann war es ihm ein Anliegen, beim Umbau möglichst viel vom Geist der ehemaligen Kaffihalle mitzunehmen. Pirmin Zumthor, Ehemann von Therese Dreier, in der Kaffihalle mit zwei Brüdern aufgewachsen, war vom Vorhaben Allemanns, dem neuen Besitzer, ebenso begeistert und half dem Holzbaufachmann während der gesamten Bauzeit von rund anderthalb Jahren, das anspruchsvolle und aufwendige Projekt zu realisieren.

«Wir waren bestrebt, möglichst viel vom alten Gebäude in die Neugestaltung mitzunehmen», erklärt Friedrich Allemann, der die Planung einem bekannten regionalen Architekturbüro übergab, einen Grossteil der Handwerksarbeiten selbst übernahm und mit einheimischen und regionalen Handwerksbetrieben zusammenarbeitete. «Grundmauern, Dachstuhl und Ziegel konnten wir grösstenteils wiederverwenden», sagt Zumthor und legt auch Wert darauf, dass das ganze verwendete Holz in Kleinlützler Wäldern wuchs.

Wie lange die ehemalige Kaffihalle als Gastrobetrieb geführt wurde, konnten die Nachkommen des Wirtepaars Therese und Emil Dreier-Steiner nicht herausfinden. Ein grosses, eisernes Wirtshausschild mit einem hängenden Schlüssel, welches noch lange zusammen mit dem Schild «Kaffehalle» an der Hauswand prangte, deutete auf einen älteren Wirtshausnamen «Schlüssel» hin. Das alte, rostige Schild «Kaffehalle», den Schlüssel des Wirtshausschildes sowie eine alte Urkunde des kantonalen Amtes für Gastrobetriebe, wo die Handhabung von «geistigen Getränken» genauestens erläutert ist, präsentiert Bauherr Friedrich Allemann gut erhalten in der Garage des neuen Hauses.

Bauholz wurde in den Jahren 1838 bis 1840 gefällt

Genauso wichtig wie das neue Schild «Kaffihalle», das er extra anfertigen liess und welches nun an gleicher Stelle an die Geschichte des Hauses erinnert, war für ihn, das genaue Alter des Gebäudes zu erfahren. Mithilfe der Dendrochronologie-Methode (anhand der Jahrringe eines alten Balkens aus dem Gebäude), welche Fachleute der Denkmalpflege anwenden, konnte das Baudatum ermittelt werden. Das Bauholz wurde in den Herbst- und Wintermonaten der Jahre 1838 bis 1840 gefällt. Somit ist das Haus «Kaffihalle» also zwischen 186 und 188 Jahre alt. Balken dieses Alters sind im Dachstock des renovierten Hauses noch immer zu sehen.