«Ich bin dreisprachig: Englisch, Schweizerdeutsch und Blockflöte»
Die Blockflöte gilt als Anfängerinstrument. Die Multiinstrumentalistin Pollyanna Meier aus Erschwil nimmt das mit Humor. Mit ihrer ersten CD «Blockflöten-Bambälä» zeigt die gebürtige Engländerin, wie vielseitig das Instrument sein kann.

Erschwil
Schon beim Empfang wird klar: Musik ist bei Pollyanna Meier und ihrem Mann René allgegenwärtig. Im Wohnzimmer stehen verschiedene Instrumente bereit. Während des Gesprächs greift die Musikerin auch zur Blockflöte oder zum Schwyzerörgeli. Einmal spielt sie sogar auf zwei Blockflöten gleichzeitig. Zum Abschied darf die Besucherin selbst Hand anlegen und ihre Premiere im Talerschwingen feiern.
Die Blockflöte begleitet Meier seit ihrer Kindheit. Mit sechs Jahren begann sie zu spielen. Dass viele das Instrument bis heute belächeln, hat sie selbst erfahren. «Wenn ich sage, dass ich Blockflöte spiele, ernte sich etwas ungläubige Blicke», sagt sie. Dabei werde die Blockflöte unterschätzt. «Man kann darauf alles spielen — von Volksmusik über Jazz bis Swing.» Im Sommer veröffentlichte Meier ihre erste CD «Blockflöten-Bambälä». Geplant gewesen sei das ursprünglich gar nicht. Sie habe einzelne Stücke auf ihrer Website veröffentlicht. Regelmässig sei sie gefragt worden, ob es die Musik auch auf CD gebe. «Da dachte ich: Dann mache ich halt eine.» Entstanden ist eine Eigenproduktion, aufgenommen bei Urs Lötscher von LU Music. Mitgewirkt haben auch Grössen der Schweizer Ländlermusik, darunter Carlo Brunner, den Meier als Musiker und Menschen sehr bewundert.
Viele Melodien stammen aus ihrer eigenen Feder. Ideen kämen oft unvermittelt. «Dann sage ich sofort: ‹Nicht sprechen!› und schreibe sie auf.» Inspiration findet sie überall. Das Stück «Da Summa is aussi» habe sie aufgenommen, nachdem sie das Stück bei einem Alpabzug in Österreich Kuhglocken gehört hatte. «Ich liebe Kühe und Glocken und bin einfach ein riesiger Schweiz-Fan», sagt Meier.
Geboren wurde Pollyanna Meier in Cornwall. Ihre Mutter stammte aus Grindelwald, sie selbst wuchs in England auf und studierte in London Musik. Sie spielte als Strassenmusikerin in Bath, gewann einen Wettbewerb mit der Blockflöte und unterrichtete später Kinder — darunter auch Kinder mit Behinderungen sowie ein blindes Kind. Ihre Musik ist heute im Radio überall dort zu hören, wo Ländler gespielt wird.
Von Cornwall ins Schwarzbubenland
Nach dem Tod ihrer Mutter zog sie 1997 in die Schweiz. Augenzwinkernd sagt sie heute, sie sei eigentlich «wegen Schoggi und Ländlermusik» hergekommen.
Obwohl die Blockflöte ihr Markenzeichen ist, beschränkt sich Pollyanna Meier längst nicht auf dieses Instrument. Sie spielt unter anderem Schwyzerörgeli, Steirische Harmonika, Mandoline, Geige, Klavier und Melodica. «Ich bin dreisprachig: Englisch, Schweizerdeutsch und Blockflöte», sagt sie lachend.
Seit 2019 ist Pollyanna mit René Meier verheiratet. Seit seiner Pensionierung vor knapp fünf Jahren musizieren beide gemeinsam in der «Riesel Huusmusig», benannt nach ihrem Wohnort an der Rieselstrasse. «Ich hatte gar keine andere Wahl, als Musik zu machen», schmunzelt René Meier. Heute spielt er Blockflöte, Steirische Harmonika und Bassgeige. «Jeder kann ein Instrument lernen», ist Pollyanna Meier überzeugt. «Man braucht einfach ein wenig Geduld und man sollte das Üben nicht nur als lästige Pflicht sehen, sondern mit Freude ans Spielen gehen.
Obwohl sie selbst unter Lampenfieber leidet, tritt Pollyanna Meier mit ihrem Mann immer wieder mal auf — in Kirchen, Altersheimen oder an Feiern. Weitere Projekte hat sie bereits im Blick: Im Frühling möchte sie wieder ins Tonstudio, langfristig schweben ihr auch noch andere Projekte vor — Genaueres möchte sie noch nicht verraten. Eines wünscht sie sich aber vor allem: «Alle sollen Musik machen, egal wie und mit wem. Es muss auch nicht perfekt sein, Hauptsache, sie berührt.»