Himmlische Stimmen für den Frieden
Die Basler Madrigalisten sangen am letzten Sonntagnachmittag in der Klosterkirche Mariastein. Ihr Programm «Da pacem» war ein eindringlicher spiritueller Friedensruf in eine zerrissene kriegerische Welt.

Mariastein
Die Kirche war bis zum letzten Platz besetzt, als die Basler Madrigalisten mit dem Gregorianischen Antiphon «Da pacem Domine» auf der Orgelempore einsetzten. Die frei fliessende Melodie ohne festes Metrum erzeugte gleich zu Beginn eine meditative Atmosphäre. Heinz Holligers «Sequenzen über Johannes 1,32» für Harfe solo wurde von Vera Schnider gespielt. Das moderne Werk über die Taube des Heiligen Geistes nutzt erweitere Spieltechniken, fragmentierte Klangbewegungen und eher stille, mystische Passagen. Das tschechische Vaterunser von Leoš Janáček verbindet volksliedhafte Melodik mit starker Ausdruckskraft. Der Tenor Rolf Romei berührte mit seiner kraftvollen sonoren Stimme; die Klangsprache ist innig und die Rhythmik sehr nahe beim natürlichen Sprachfluss. Organist Martin Heini interpretierte das «Agnus Dei» von Frank Martin, in dem modale Harmonik mit moderner Tonsprache verknüpft wird. Das Werk wirkt ruhig und meditativ. Der Chor schritt nun durch den Mittelgang nach vorn und stimmte nochmals das «Da pacem Domine» an. Aus Maurice Ravels Liedern für a-cappella-Chor präsentierten die Basler Madrigalisten «Trois beaux oiseaux du paradis », ein Werk, das symbolisch vom Tod eines Geliebten im Krieg erzählt. Geprägt ist dieses zarte Stück von impressionistischen Klangfarben und einer traurigen Atmosphäre. «Au nom du front» von Edward Staempfli und dem Text von Paul Éluard überdenkt die Erfahrung des Krieges aus persönlichem Erleben. Lyrische Augenblicke werden hier mit einer oft expressiven Klangwelt verbunden. Benjamin Brittens «Advance Democracy» entstand 1938 und ist ein politisches Statement für die Demokratie. Textverständlichkeit wird mit kraftvoller Rhythmik und dynamischen Kontrasten verbunden. Dieses Werk ist heute wieder brandaktuell. «Wie nun ihr Herren, seid ihr stumm» von Heinrich Schütz bezieht sich auf den Psalm 58. Dort wird gefragt, ob die Mächtigen wirklich die richtigen Entscheidungen treffen. Bei Schütz heisst es: «Der bösen Taten Klagemund wird euch in eures Herzensgrund ein bitter Urteil sprechen.» Francesco Hoch, der sich selbst im Publikum befand, komponierte «ZET per coro parlato a 2 voci» nach einem eindrücklichen Zitat von Wolodymyr Selenskyj: rhythmisch strukturierte Sprache mit theatraler Wirkung. «Peace I Leave with You» von Knut Nystedt, das nun folgte, ist ein ruhiges spirituelles Werk über ein Johanneszitat. Für Nystedt charakteristisch sind klare Harmonien, schwebende Klänge und eine kontemplative Stimmung. Nochmals erklangen Harfe und Tenor von der Empore mit Frank Martins modernem, aber harmonischem «Notre Père» aus dem Oratorium «In terra pax». Den Abschluss bildete Frank Martins «Agnus Dei» für 8-stimmigen Chor a cappella, ein äusserst dichtes Werk, das liturgische Einfachheit mit grosser Klangfülle verbindet.
Die Basler Madrigalisten überzeugten auf der ganzen Linie. Anstelle des Applauses hätte man sich aber lieber ein Stehen in Stille gewünscht.