Grüner Streifen in der gelb verfärbten Landschaft
Die Dürre hält an und in der Region steht die Landwirtschaft vor einer grossen Herausforderung. Als mögliche Zukunftsstrategien werden Dammkultur und Agroforst genannt.
Region
Wie trotzt die Region der Dürre? «Wahrscheinlich machen die meisten Landwirte weiter wie bisher und entscheiden sich für einen zusätzlichen Ventilator im Stall», meint Biobauer Thomas Ackermann scherzhaft. Wenn der Regen fehlt, sei guter Rat teuer. Wer bei der Fleischwirtschaft auf grasbasierte Fütterung setze (Weide-Beef), komme über die Runden mit letztjährigen Futterreserven, Zukäufen oder indem er den Viehbestand um einen Sechstel verkleinere, erklärt Ackermann. «Bisher ist kein Trendwechsel spürbar. Hoch im Kurs ist Saatgut mit schnell wachsendem Gras — wie immer um diese Jahreszeit», heisst es in der Landi Laufen. Die Landwirte hoffen darauf, neues Gras anzusäen und dieses noch diesen Herbst zu ernten.
Die Frage, was angepflanzt werden soll, beschäftigte die Landwirtschaft schon immer. Jonas Zürcher, Direktor des landwirtschaftlichen Bildungszentrums Wallierhof, erklärt auf Anfrage: «Es gehört zum Grundauftrag des landwirtschaftlichen Bildungszentrums, den Schulstoff auf die Veränderungen — beim Klima, den gesellschaftlichen Anforderungen, dem Markt — anzupassen. «In der Praxis laufen diverse Versuchsreihen.» Eine davon ist zum Beispiel, Futtermais durch das trockenheitsresistente Süssgras Sorghum (stammt ursprünglich aus Afrika) zu ersetzen.
Beim Nährstoffvergleich schneide der Futtermais besser ab, er kann auch mit Temperaturen bis 40 Grad gut umgehen, in der Blütezeit ist er aber auf Wasser angewiesen. «Dies wurde dem Mais in diesem Jahr im Kanton Solothurn zum Verhängnis», resümiert Zürcher. Bei den Kunstwiesen würden die handelsüblichen Mischungen bereits seit längerem auf Trockenstandorte eingehen, indem sie (mehr) Luzerne und Rotklee enthalten. Bei den Naturwiesen könne man bei der Einsaat auf standortbezogene Gräser setzen und beim Ackerbau gehe es um Anbaumethoden, die den Boden weniger austrocknen.
Schlichte Mechanik anstatt störungsanfällige Sensoren
Dazu findet man spannende Beispiele in Dittingen. Biolandwirt Ruedi Jermann praktiziert hier die aus trockenen Regionen stammende Dammkultur — bekannt als Turiel-Dammkultur —, bei der das Wechselspiel zwischen Bodenstruktur, Wasser und Luft anders ausgeschöpft werde, . Angepflanzt wird auf niedrigen Dämmen. Die Struktur helfe, dass der Boden Feuchtigkeit speichern könne und bei starkem Regen Wasser in die tieferen Schichten durchlasse. Zudem werde die natürliche Nährstoffversorgung der Pflanzen gefördert. «Die luftigen Böden, die guten Erträge und die Qualität der Ernte bestätigen den vor drei Jahren eingeschlagenen Weg», hält Jermann fest, der auch Seminare organisiert und jeweils im Juni zu einem Feldtag einlädt. Bei der Gerätschaft sei der Vorteil, dass man auf schlichte Mechanik setze anstatt auf störungsanfällige Sensoren und dass man nicht laufend in neue Technologie (Updates) investieren müsse.
Kombination von Gehölzen mit landwirtschaftlicher Unternutzung
Weiter verzeichnet im Zuge der Trockenheit der Bereich Agroforst steigendes Interesse, heisst es bei Agridea Schweiz. Agroforst bezeichne die Kombination von Gehölzen mit einer landwirtschaftlichen Unternutzung. «Diese kann silvopastoral, also in Kombination mit Tieren, oder silvoarabel, in Kombination mit Ackerbau oder Gemüse und anderen Kulturen erfolgen», erklärt Bereichsleiterin Lisa Nilles. «Vorteile sind bei Trockenheit, dass die Gehölze andere Bodenschichten (Wasser und Nährstoffe) erschliessen und über den Hydraulic-Lift Wasser nach oben transportieren können». Weiter seien die Beschattung und die Auswirkung auf das Mikroklima Vorteile. «Futterhecken kommen bisher in einem sehr geringen Masse in der Schweiz vor. Viele Betriebe sind noch am Anfang und sammeln wertvolle Erfahrungen», sagt Nilles. «Als Futterhecken seien spannend: Maulbeeren, Hainbuchen, Buchen, Holunder, Hasel, Esche ... Manche Gehölzarten übertreffen im Rohprotein sogar Luzerne. Doch ob es den Tieren schmecke, sei von einigen Faktoren abhängig — je nach Bitterstoff-Einlagerung. Ähnlich wie beim Gras wirkt sich ein Schnitt auf den Rohprotein- und Strukturanteil aus. «Die Betriebe lassen die Futterhecken entweder direkt beweiden, schneiden die Hecken und legen das Material frisch auf der Weide oder im Stall vor, oder trocknen die Pflanzen für den Winter. Verschiedene Gehölze weisen auch einen hohen Anteil an wertvollen Mineralstoffen auf», führt Nilles aus.
Milchkühe mögen Temperaturen von 4 bis 15 Grad
«In der Schweiz waren wir in der Vergangenheit verwöhnt mit vergleichsweise viel Sommerniederschlag und moderaten Temperaturen. Im Futterbau führte das zu hohen, verlässlichen Erträgen mit guter Qualität», weiss Andreas Rolli, Lehrer am Wallierhof. Doch Wetterextreme und steigende Temperaturen häufen sich, «niemand weiss, wohin das führen wird», gibt Rolli zu bedenken. Für die Milchproduzenten sei der Verkauf von Milch die wichtigste Einnahmequelle. «Die Leistung konnte in der Vergangenheit erhöht werden. Damit die Kuh viel Milch produzieren kann, muss sie sich wohl fühlen.» Dies sei bei den aktuellen Temperaturen von teilweise über 30 Grad Celsius nicht mehr der Fall, räumt Rolli ein. Milchkühe mögen Temperaturen von 4 bis 15 Grad. Mit züchterischen Mitteln sei dieser «thermoneutrale Bereich» der Milchkuh schwer zu beeinflussen. Es gebe aber in den Tropen Rinderrassen, welche die Hitze besser ertragen, «diese weisen eine Genmutation auf, das sogenannte «SLICK-Gen». Durch diese Mutation können die Rinder grössere Schweissmengen produzieren und kühlen ihre Körperoberfläche besser ab als Kühe der gängigen Milchrassen. Seit einigen Jahren gibt es auch in der Schweiz Zuchtstiere, die Träger dieser Mutation sind», führt Rolli aus.
Aktuell sind verschiedene Tierseuchen aktiv
Neben dem Futtermangel kämpfen viele Betriebe mit Krankheiten, resümierte das Bundesamt für Landwirtschaft in den nationalen Medien. «Aktuell sind verschiedene Tierseuchen rund um die Schweiz oder bereits in der Schweiz aktiv. Dies bedeutet eine grosse Herausforderung für die Tierhalter», hält Rolli dazu fest. «Beim Shamona Virus, welches bei den Milchkühen Durchfall und Fieber verursacht, tappen alle noch etwas im Dunkeln. Erst vor wenigen Tagen konnte das Erregervirus identifiziert werden. Weder gibt es aktuell einen effizienten Labortest, noch ist das Ausmass der Infektion bekannt».



