Fünffachmord seit 50 Jahren ungelöst

Vor 50 Jahren wurden in Seewen fünf Menschen ermordet. Der soeben erschienene Krimi «Seewen 1976» von Peter Beutler verbindet einen der rätselhaftesten Schweizer Mordfälle mit literarischer Fiktion. Das «Wochenblatt» verlost drei Exemplare.

Das Waldhaus im Mordfall Seewen: Am 5./6. Juni 1976 wurden hier fünf Menschen erschossen. Foto: Archiv
Das Waldhaus im Mordfall Seewen: Am 5./6. Juni 1976 wurden hier fünf Menschen erschossen. Foto: Archiv

Am Pfingstwochenende 1976 erschütterte ein Verbrechen Seewen. In einem Wochenendhaus in der solothurnischen Gemeinde wurden fünf Menschen erschossen aufgefunden. Die Opfer gehörten zur Familie Siegrist. Sie waren mit insgesamt 13 Schüssen aus einem Kleinkalibergewehr getötet worden. Was folgte, war eine der aufwendigsten und rätselhaftesten Mordermittlungen der Schweizer Kriminalgeschichte. Die Polizei vernahm zahlreiche Personen, überprüfte Spuren und ging unterschiedlichsten Hinweisen nach — ohne den Täter zu finden. Jahre später konnte zwar die mutmassliche Tatwaffe identifiziert werden, doch auch dies führte nicht zur Aufklärung. Der Fünffachmord von Seewen blieb ungelöst. Bis heute beschäftigen die Tat, mögliche Motive und die Frage nach dem Täter die Öffentlichkeit — und bieten Stoff für Spekulationen und literarische Annäherungen.

Zwischen Fakten und Fiktion

Auch der Autor Peter Beutler hat sich dem Thema angenommen. Zum 50. Jahrestag des Verbrechens ist sein Roman «Seewen 1976» erschienen. Er schreibt dazu: «Dieses Buch ist ein Roman. Dennoch sind manche Personen nicht frei erfunden, sondern existieren wirklich. Ihre Handlungen basieren auf einem realen Hintergrund.» Ein kluger Schritt, denn dieser lässt ihm die Freiheit, einerseits die tatsächlichen Begebenheiten, Ergebnisse und Dokumente aufzugreifen und andererseits die Geschehnisse auszuschmücken. In seiner fiktiven Geschichte erzählt er über die Gemütslage der Menschen von dazumal, über menschliches Versagen, Misstrauen sowie die Grenzen polizeilicher und juristischer Arbeit in den Siebzigerjahren. Das Resultat ist ein spannender Krimi, der auf Tatsachen beruht und gleichzeitig dazu animiert, in den Zeitungsartikeln und Dokumenten jener Zeit die Ereignisse nachzulesen.

Was tatsächlich geschah

Im Nachwort zählt Beutler die belegten Fakten über das grösste ungeklärte Verbrechen der Schweiz auf, erläutert den Hergang des Verbrechens, soweit dies belegt ist. Er zeigt die erfolglosen Ermittlungen und das Ende der Untersuchungen auf. Ebenfalls im Nachspann hat er seine Quellen aufgelistet, darunter das Werk von Robert Siegrist «Der Mordfall Seewen. Erzählt vom Sohn der Opfer». Robert Siegrist ist der Sohn des ermordeten Ehepaars und wurde nach dem Auffinden der Ermordeten als Verdächtiger festgenommen und in Untersuchungshaft gesetzt.

Im ersten Drittel seines Kriminalromans widmet sich der Autor diesem Sohn, seiner Festnahme und den Handlungen der Kriminalbeamten. Gleichzeitig vermittelt Beutler viel über die Gegend von Seewen sowie das polizeiliche Zusammenspiel der Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn. Als auktorialer Erzähler versetzt er sich in die zahlreichen Romanfiguren — zur Übersicht am Ende aufgelistet —, lässt diese oft in direkter Rede zu Wort kommen und das Geschehen kommentieren.

Spuren führen ins national-sozialistische Deutschland

Interessant ist die Verwebung mit dem nationalsozialistischen Deutschland, den zahlreichen Spuren, denen die Ermittler über 30 Jahre lang folgten, und dem politischen Umfeld. So ist ein Fakt, dass im Wochenendhaus in Seewen Erinnerungsstücke an die Nazi-Zeit gefunden wurden. Ein Brief des Vaters eines Verdächtigen belegt Beziehungen zu Adolf Hitler. Ob der Verdächtige der Täter war, konnte aber nie geklärt werden.

Das Buch «Seewen 1976» eignet sich für all jene, die gerne Krimis lesen, aber auch für jene, die sich für den Fall Seewen interessieren. Obwohl es sich um einen Roman handelt, werden einige Fakten offenbart. Die 13 Schüsse sind belegt; ebenso, dass 1996 die Tatwaffe gefunden wurde und die Tat 2006 verjährte. Der Autor begnügt sich am Schluss jedoch nicht mit dem ungelösten Fall, sondern entwickelt einen eigenen literarischen Ausgang.

Verlosung

Peter Beutler (1942) lebt am Thunersee und hat bereits zahlreiche Romane herausgegeben. Sein Kriminalroman «Seewen 1976» ist im Emons Verlag erschienen. Das «Wochenblatt» verlost drei Exemplare.

E-Mail bis am 14. September an redaktion.laufen@wochenblatt.ch, Vermerk: «Seewen 1976»