Erste Schritte ins Unternehmertum
Im Leimental ist ein neuer Ort entstanden, wo Jugendliche tüfteln, bauen und ausprobieren können. Die Freizeitwerkstatt bietet aber noch viel mehr.

Bättwil
Die lichtdurchfluteten Räumlichkeiten laden zum Verweilen ein. Sie wurden unterteilt in eine Werkstatt, in der die Späne fliegen und in einen Arbeitsbereich mit dem Fokus Elektronik. Hier steht ein grosser 3D-Drucker. Nebst der Einrichtung einer Computerecke haben die Jugendlichen eine grosse Arbeitsfläche geschaffen, auf der gelötet und getüftelt werden kann. Die Freizeitwerkstatt der Jugendarbeit Solothurnisches Leimental konnte sich in den Räumlichkeiten der Hakama in Bättwil neu entfalten und hat sich wieder mit Leben gefüllt.
Verheerender Brand
In der Nacht auf den 30. November 2023 war die Freizeitwerkstatt beim Brand auf dem Sägi-Areal vollkommen zerstört worden. Die Jugendlichen verloren all ihre Utensilien, die sie über Jahre hinweg gesammelt hatten. Die Betroffenen liessen sich nicht entmutigen. Mit Unterstützung des engagierten Leiters der Jugendarbeit des Solothurnischen Leimentals, Niggi Studer, setzten sich die Jugendlichen für den Wiederaufbau ihrer Werkstatt ein und stiessen dabei auf viel Goodwill. Auf der Plattform Lokalhelden kamen innert fünf Wochen 36000 Franken zusammen und es ging eine neue Türe auf. Claudio Marchesi, CEO der Hakama AG, bot dem Verein Freizeitwerkstatt Räumlichkeiten an und die Gemeinden segneten das dafür notwendige Finanzierungskonzept ab.
Im Sommer 2025 konnte die Werkstatt schliesslich neu aufgebaut werden. Sie lebt vom Engagement der Jugendlichen, die sich hier regelmässig oder auch sporadisch für kleinere Bastelprojekte, Reparaturen, aufwendige Abschlussarbeiten in der Lehre oder für den Bau von Möbelstücken für die neu bezogene Wohngemeinschaft treffen. Manchmal beginne ein Projekt auch ganz einfach mit der Lust, etwas Neues auszuprobieren, berichten die Jugendlichen. Dank privater Spenden und Sponsoring durch Unternehmungen verfüge die Freizeitwerkstatt heute wieder über eine gute Ausstattung. Im Bereich der Schweisstechnik gebe es im Vergleich zu früher Lücken, die man gerne wieder schliessen würde. Angebote seien herzlich willkommen, sagt Sven. Er hat die Freizeitwerkstatt mit aufgebaut. «Ich wollte als Kind Erfinder werden», erzählt er. Seine Lehre im Bereich Elektronikbau hat er bereits abgeschlossen. Nun nutzt er die Freizeitwerkstatt als eine Art Sprungbrett ins Unternehmertum.
Gemeinsam mit Marlon hat Sven einen LED-Würfel entwickelt. Die beiden dokumentieren ihre Projekte in Videos auf den sozialen Netzwerken — zum Beispiel auf Instagram unter Sm2builds — mit vielversprechendem Erfolg: Rund 3,5 Millionen Menschen zeigten Interesse am «Makerspace» der Jugendlichen aus dem Leimental.
Dabei wurde auch eine chinesische Unternehmung, die Elektronikplatten herstellt, auf die jungen Tüftler aufmerksam. «Die Marketingabteilung der Unternehmung meldete sich bei uns und stellte uns elektronische Komponenten kostenlos zur Verfügung, damit wir ein angekündigtes Projekt umsetzen können: eine selbst entwickelte LED-Blume», erzählt Sven. «Diese hat uns viel abverlangt, doch sie ist in der Endphase und wir werden in einem Video zeigen, wie sie ihre leuchtenden Blüten öffnen und schliessen kann.» Die Jugendlichen haben die Blume kreiert, die der Dürre trotzt und Licht ins Dunkel bringt.
Für Sven und seine Kollegen ist die Werkstatt mehr als nur ein Ort für den Zeitvertreib. Sie bietet ihnen die Möglichkeit, Ideen zu entwickeln, Prototypen zu bauen und Erfahrungen zu sammeln, die weit über das Schulzimmer oder den Lehrbetrieb hinausgehen.
Auch Schüler Lars (aus Rodersdorf) hat die Werkstatt für sich entdeckt. Er hat sich zum Ziel gesetzt, einen «Finger-Skateboard-Park» zu bauen. Dabei profitiert er nicht nur von den vorhandenen Werkzeugen und Maschinen, sondern auch vom Wissen der anderen Jugendlichen.
Treffpunkt im Alltag
«Der Austausch macht einen wichtigen Teil der Freizeitwerkstatt aus: Wer etwas kann, gibt sein Wissen weiter. Wer etwas noch nicht kann, darf fragen und ausprobieren. So entstehen nicht nur Projekte, sondern auch Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung», resümiert Niggi Studer im Gespräch mit dem «Wochenblatt». Ein weiterer Vorteil der Räumlichkeiten sei, dass die Jugendlichen des Oberstufenzentrums hier ihre Mittagspause verbringen und die mitgebrachten Mahlzeiten aufwärmen können, führt Studer aus. «Die Werkstatt wird damit auch zu einem Treffpunkt im Alltag.»
Verschiedene Möglichkeiten für zukünftige Aktivitäten werden diskutiert. So könnte beispielsweise ein Velo-Flick-Event stattfinden, bei dem Jugendliche lernen, ihre Fahrräder zu warten und kleinere Reparaturen durchzuführen.
Auch Eltern-Kind-Projekte seien in den Räumlichkeiten denkbar oder auch, dass Rentner nochmals durchstarten. Die Alterskriterien der Freizeitwerkstatt (von 12 bis 99 Jahren) liessen genügend Spielraum für generationenübergreifendes Schaffen, meint Studer. Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden: Werkzeug und Know-how stehen zur Verfügung, nur das benötigte Material müssen die Interessierten selbst mitbringen.
«Die neu aufgebaute Freizeitwerkstatt zeigt, was entstehen kann, wenn Jugendliche einen geeigneten Raum, die nötigen Werkzeuge und etwas Vertrauen erhalten», sagt Studer und gibt zu bedenken: «Hier geht es nicht darum, dass alles auf Anhieb funktioniert. Im Gegenteil: Fehler gehören dazu. Ausprobieren, scheitern, verbessern und weitermachen sind Teil des Lernprozesses.» Mit der neuen Freizeitwerkstatt haben die Jugendlichen ihren Platz gefunden, wo nicht einfach bloss konsumiert oder das gebaut wird, was Erwachsene in Auftrag geben. «Die Jugendlichen können ihrer Fantasie freien Lauf lassen und ganz nach ihren eigenen Vorstellungen ihre handwerklichen Erfahrungen sammeln und ihr Flair entdecken», sagt Studer.
«Der Austausch macht einen wichtigen Teil der Freizeitwerkstatt aus: Wer etwas kann, gibt sein Wissen weiter. Wer etwas noch nicht kann, darf fragen und ausprobieren.»