Ersatzwahl in Fehren
Wegen fehlenden Vertrauens demissionierte Mitte-Gemeinderätin Melanie Koller. Ersatzgemeinderat Joël Grolimund schlug die Nachfolge aus.

Bei den Wahlen vom Frühjahr 2025 haben sich die Kandidierenden um die Sitze in der Exekutive von Fehren gestritten. Inzwischen ist das Gremium unterbesetzt. Mitte-Ersatzgemeinderat Joël Grolimund teilte mit, aus beruflichen Gründen möchte er darauf verzichten, die Nachfolge von Melanie Koller anzutreten. Der Mitte-Partei sei es bis zur Frist im Januar nicht gelungen, einen Vorschlag einzureichen, deswegen seien nun die anderen Parteien aufgefordert, zu nominieren, oder es könnten sich auch parteilose Kandidierende melden, erklärt Gemeindeschreiberin Claudia Ackermann auf Anfrage dieser Zeitung. Die öffentliche Ausschreibung werde voraussichtlich im März erfolgen. Sollte es mehrere Kandidierende geben, komme es im Juni zur Urnenwahl.
Die SVP hatte bei den Gemeinderatswahlen 2025 zum ersten Mal in Fehren kandidiert und holte mit Patrick Hofer und SVP-Nationalrat Christian Imark auf Anhieb zwei Sitze. Die FDP war mit ihren bisherigen Gemeinderatsmitgliedern Nicole Ditzler und André Saladin angetreten, wobei Ditzler das Rennen machte und entschied, doch noch fürs Gemeindepräsidium zu kandidieren. Bei der ersten Ausschreibung hatte es fürs Präsidium keine Wahlvorschläge gegeben. Beim zweiten Aufruf meldete auch Saladin sein Interesse an. Er verbuchte bei der Wahl im Herbst eine Stimme mehr als Ditzler, verpasste aber das absolute Mehr. Letztlich wurde er im November 2025 in stiller Wahl zum Gemeindepräsidenten gewählt, weil Ditzler kurz vor dem zweiten Wahlgang ihre Kandidatur zurückzog. Daraufhin reichte die für die Bildung zuständige Gemeinderätin, Melanie Koller (Mitte-Partei), ihre Demission ein. Der Entscheid sei ihr nicht leichtgefallen, da sie sich mit grossem Engagement und Freude zum Wohle der Gemeinde eingesetzt habe, gab sie öffentlich bekannt. In ihrem Schreiben, das an die Haushaltungen von Fehren ging und auf der Homepage aufgeschaltet wurde, gibt Koller für ihren Rücktritt fehlendes Vertrauen an. «Die vergangenen Wochen haben mir aufgezeigt, dass ich den Weg, infolge der Entwicklung nicht weiter mitgehen kann. Es fehlen als Grundlage das nötige Vertrauen und die Wertschätzung. Eine sachliche Weiterführung ohne parteipolitische Einflüsse scheint mir nicht mehr möglich.» Sie sass in der letzten Legislatur mit Saladin am Gemeinderatstisch und stellte sich nun auf den Standpunkt: «Aus persönlichen Erfahrungen weiss ich, dass ich auf eine respektvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit dem neuen Gemeindepräsidenten nicht vertrauen kann.»
Darauf angesprochen stellt Saladin klar, dass Melanie Koller demissioniert habe, bevor er sein Amt als Gemeindepräsident angetreten habe. Den Vorwurf, dass man Parteipolitik betreibe, weise er zurück. «Im Gegenteil: Der neue Gemeinderat erhielt bereits Lob für seine Sachlichkeit und seine Bemühungen, alte Streitigkeiten, bei denen früher Emotionen im Spiel waren, zu beenden.» Dies betreffe zum Beispiel den seit Jahren hängigen Rechtsstreit mit den Schützen. Hier erhoffe man sich bei der lang ersehnten Verhandlung vor dem Schiedsgericht eine Lösung. Allerdings habe die Gemeinde unter seiner Vorgängerin die umstrittenen 90000 Franken für eine Beteiligung am Schützenhaus Büsserach längstens überwiesen und die zusätzlichen elektronischen Trefferanzeigen im Schiessstand der Nachbargemeinde seien montiert, gibt Saladin zu bedenken. Trotzdem müsse geklärt werden, wie es mit dem Fehrener Schützenhaus weitergehen soll. Des Weiteren gelte es, «die peinliche Angelegenheit mit dem Hausverbot aus der Welt zu schaffen.» Die Einwohnerin, welcher der Gemeinderat für das Gemeindehaus ein Hausverbot erteilt hat, sei inzwischen Mitglied der Umweltkommission — und diese tagt deswegen ausserhalb des Sitzungszimmers, was absurd sei. «Die Aufhebung des Hausverbots ist aufgegleist, allerdings müssen wir verfahrenstechnisch noch einige Steine aus dem Weg räumen», sagt Saladin. «Ich bin zuversichtlich, dass der Gemeinderat bald wieder komplett ist und mit seiner Sachpolitik Ruhe ins Dorf bringt.»