Eine Perspektive für Unternehmungen
Der Gemeinderat von Bättwil hat sich in der Ortsplanrevision für die Entwicklung des Gewerbegebietes Mühlematt ausgesprochen. Die Firma Rupp aus Metzerlen erkannte hier die Chance auf Wachstum.
Bättwil
Die durch die Corona-Massnahmen bewirkte Zwangspause brachte in Bättwil den Tennisclub in Bedrängnis und löste bei der Leimentaler Unternehmung Rupp Getränke AG eine Grundsatzdiskussion aus. Geschäftsführer Benjamin Rupp stand vor der Wahl: «Resignieren oder investieren?» Er entschied sich für Letzteres und ist nun stolzer Besitzer des neu konzipierten Areals der früheren Tennisanlage im Gewerbegebiet Mühlematt in Bättwil. Es ist das Happy End einer Odyssee auf der Suche nach einem geeigneten Standort für die Entwicklung der Unternehmung, die sein Grossvater vor über 55 Jahren in Metzerlen in einer Scheune aus der Taufe gehoben hatte. Die Unternehmung, die im grossen Stil Getränke ausliefert und Festgarnituren vermietet, war in Metzerlen raumplanerisch schon lange an ihre Grenzen gestossen und setzte ihre Hoffnung in Neubaupläne in der Gewerbezone in Flüh. Doch das Umfeld machte der Unternehmung einen Strich durch die Rechnung. Die Einsprachen seitens der Anwohnerschaft und des Gemeinderates sowie der negative Entscheid der Baukommission seien vernichtend gewesen, erinnert sich Benjamin Rupp. «Dies führte dazu, dass wir uns von der grünen Wiese in Flüh trennen wollten und in Betracht zogen, dem Standort Leimental den Rücken zu kehren.» Die Gemeinde Hofstetten-Flüh kaufte der Unternehmung das Land ab (und überlegt seither, wie sie es sinnvoll nutzen könnte).
Corona-Pandemie und Chance
Dann kam die Corona-Pandemie. Das Aus für Veranstaltungen und Aktivitäten führte auch bei der Firma Rupp zu einschneidenden Massnahmen mit Entlassungen und schürte Existenzängste. «Ausgerechnet in dieser Krise bot sich die Chance, die Tennisanlage im Gewerbegebiet Mühlematt in Bättwil zu übernehmen — zuerst im Baurecht und dann im Eigentum. Wir haben diesen Weg eingeschlagen – trotz aller Unsicherheitsfaktoren in der Gastrobranche und ihrer Zulieferer. Ihre Zahl schwindet», resümiert Rupp im Gespräch mit dieser Zeitung.
Ehemaliges Clublokal der Tennisanlage wird Büro
Die Rupp Getränke AG hat auf dem Mühlematt Areal die über 40-jährige Holzkonstruktion auf ihre Bedürfnisse angepasst und den Boden erneuert. Mit der neu geschaffenen Rampe verbessern sich die Rahmenbedingungen. So können auch Privatpersonen von der grossen Auswahl und der Direktvermarktung profitieren — zum Beispiel beim Bezug von Harassen mit Glasflaschen und aussergewöhnlichen Sorten, die man sonst nur in Restaurants findet. Das ehemalige Clublokal der Sportanlage wurde zum Büro umfunktioniert und beinhaltet neu einen Ausstellungsraum. Die Sitzungszimmer und die grosszügigen sanitären Einrichtungen (Garderoben) kommen den Mitarbeitenden zugute. «Wir stehen erst am Anfang, aber wir werden die Vorteile, die der neue Standort bietet, nutzen», meint Benjamin Rupp.
Mehr Lehrstellen
Die positive Entwicklung führte auch dazu, dass die Unternehmung wieder mehrere Lehrstellen im Bereich Logistik und Transport anbieten kann. «Die enge Verbundenheit mit der Region und dass wir die soziale Verantwortung übernehmen, ist ein wichtiger Teil unserer Firmengeschichte. Unser Team ist stolz darauf, den jungen Menschen, die im Arbeitsleben ihren Weg suchen, eine Perspektive zu bieten», hält Rupp fest, der sich seinerseits dankbar zeigt über die Unterstützung, die er auf seinem Weg erfahren durfte — vom Studenten (Betriebswirtschaft) zum erfolgreichen Unternehmer.
Bättwil will sich entwickeln
Zufrieden zeigt sich auch Bättwils Gemeindepräsidentin Claudia Carruzzo. Die Umnutzung der einstigen Tennisanlage durch die Firma Rupp sei ein Glücksfall und entspreche der Grundidee, welche der Gemeinderat in der laufenden Zonenplanrevision dem Gewerbeareal Mühlematt zuteilt — nämlich zu wachsen und sich zu entwickeln. «Die neuen Zonenvorschriften erlauben eine dichtere Bebauung; die zulässige Gebäudehöhe wurde ausgedehnt», erklärt Carruzzo. Die Gewerbezone betrage 6,4 Hektaren. Das ist ein starkes Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Bättwil. In anderen Gemeinden gibt es eher den Trend, dass Gewerbezonen in Wohngebiete verwandelt werden. In Bättwil habe sich die Planungsbehörde (der Gemeinderat) bewusst dagegen ausgesprochen, im bestehenden Gewerbegebiet das Wohnen zu fördern, hält Carruzzo fest. In welchem Rahmen die bisherigen Eigentümer offen seien, ihre Parzellen zu verkaufen und für Neuansiedlungen Platz zu schaffen, werde die Zukunft weisen. «Die Ortsplanrevision geht bald in die zweite öffentliche Auflage und nähert sich ihrem Ziel — der Genehmigung». Die Grundlagen seien geschaffen, die Arbeitszonen seien erfasst, in einem nächsten Schritt müssten Gemeinden im Gespräch mit den Land-Eigentümern und dem Forum Schwarzbubenland herausfinden, wie sie Arealentwicklungen und Neuansiedlungen voranbringen wollen, führt Carruzzo aus.



