Ein Emigrant im Grossstadt-Dschungel
Am letzten Wochenende brillierte das Trio «Schmendriks Bande» im Kulturhaus «Chez Nesti» in Bärschwil mit seinem Programm «Schmendrik in Naj Jork», einem unterhaltsamen Mix aus Jazz, Broadway und Klezmer.

Bärschwil
Der Abend am Samstag und die Matinee am Sonntag waren mehr als Konzert. Es war eine Mischung aus berührenden Geschichten, Instrumentalstücken und Gesang. Im Mittelpunkt stand Schmendrik, ein junger Basler Jude, der mit viel Masl in allem Schlamasl 1944 endlich sein leuchtendes Ziel New York erreicht. Mit seiner Frau Reyzele und ihrem Sohn Moischele erlebt er dort manches Abenteuer. Stimmlich wusste Maria Gessler mit den zahlreichen Liedern zu überzeugen, Jürg Gutjahr spielte mit Bravour und dem richtigen Klezmer-Ton Klarinette sowie Bass-Klarinette und Rudi Meier sorgte mit seinem Akkordeon für den stimmigen melancholischen Grund-Sound. Instrumental erklang zuerst der «New York Street Groove» von R. Mejr, der wie eine Momentaufnahme aus der Grossstadt wirkte. Das jiddische Lied «Elis Ayland» erzählte von Hoffnungen und Enttäuschungen im gelobten Land Amerika. Mit der Bismile, der Beschneidung, des kleinen Moischele kehrt Fröhlichkeit zurück. «A Glezele Lechayim» («Ein Gläschen auf das Leben») heisst das frohe Trinklied. Der Rhythmus des Fliessbands, an dem Schmendrik jetzt arbeitet, wird gespiegelt in Gershwins «Fascinating Rhythm», einem temperamentvollen Broadway-Song aus dem Jahr 1924. «Faszinierender Rhythmus, willst du wohl endlich aufhören, auf mich einzuhämmern», heisst es am Ende. Reyzele träumt zu Hause von der Bühne. Hier durfte das berühmte Lied «Cheek to Cheek» von Irving Berlin nicht fehlen, das von vielen Stars gecovert wurde. Als Wiegenlied interpretierte Maria Gessler das ergreifende «Yankele», in dem das Weinen des Kindes von Jürg Gutjahr an der Klarinette schluchzend imitiert wurde.
Lebensfreude und Melancholie
Mit «Willkommen» von John Kander wurden die Zuschauer ins Cabaret gelockt, grell und durchaus auch etwas zwielichtig. Im Song «Cool» wird davor gewarnt, das Leben zu ernst zu nehmen: «Nimm’s einfach cool, Boy, wirklich cool!» Irgendwann begegnet Schmendrik in Harlem einer Prostituierten, die ihn an eine Cousine erinnert. Das jiddische Lied «Greene Kusine» berührte. Sie ist durch ihr Leben zerstört worden, heisst es da, und scheint zu sagen: «Brennen soll Kolumbus’ Land». Schmendrik hat einen Wachtraum, der ihn zurückbringt zu einem Sturm auf dem Meer. Es schliesst sich der Psalm 93 nach dem jüdischen Kantorenbuch an. Die Erinnerung an die Geburt des Sohnes endet im spanischen Liebeslied «Una historia de amor». Schmendrik weiss jetzt, dass alles gut werden wird: «Dos Glik kunt tzu jeden einmal» ertönt es in Maria Gesslers schönem Sopran. Danach stimmt Jürg Gutjahr das unverkennbare Anfangsmotiv von Gershwins «Rhapsody in Blue» an. Nach einem weiteren Gershwin-Song tritt Schmendrik mit seiner Klarinette zum ersten Mal in einer Bar auf. Der Höhepunkt: Raizele erscheint auch und singt «Bay mir bist du scheyn». Grosser Applaus, und als Zugabe «Summertime» von Gershwin. Ein theatralisch-musikalisches Erlebnis, das lange in Erinnerung bleiben wird.