Die Wirtschaftswoche macht es möglich

Sie planen kein Wirtschafts-studium und streben keine Stelle als CEO an. Dennoch finden die Teilnehmenden der Wirtschaftswoche ihre Rolle in einer fiktiven Parfümproduzentin und zeigen Entscheidungsfreude, Kreativität und kommerzielles Talent.

Investorenkonferenz: Die Annovia-Geschäftsleitung bereitet die Investorenkonferenz vor. Foto: Sabine Asprion
Investorenkonferenz: Die Annovia-Geschäftsleitung bereitet die Investorenkonferenz vor. Foto: Sabine Asprion

Büsserach

Die Zahlen und Diagramme des 4. Geschäftsberichts lösen Erleichterung, Stolz oder auch Ratlosigkeit aus: Die Wirtschaftswoche, an welcher die Klasse 3SZ der 3. Maturitätsstufe des Gymnasiums Laufental-Thierstein teilnahm und die in diesem Jahr in den Räumlichkeiten der Aqua Solar AG in Büsserach stattfand, forderte die Schülerinnen und Schüler fachlich, kreativ und emotional. Nicht jede Entscheidung für das Unternehmen erwies sich im Rückblick als zukunftsweisend. Einzelne Duftwässerchen wurden zu Ladenhütern, bei anderen gingen die Verkaufszahlen steil nach oben.

Der Industrieverband Laufen-Thierstein-Dorneck-Birseck und die Handelskammer beider Basel ermöglichen Schulklassen ein einwöchiges Experiment, in welchem diese lernen, eine Aktiengesellschaft durch fünf Geschäftsjahre zu navigieren. Die Rahmenbedingungen werden für jedes Geschäftsjahr vorgegeben: Einmal steigt die Inflation in schmerzhafte Höhen, ein anderes Mal kann ein lukrativer Markt erschlossen werden. Die Firmen müssen unter Zeitdruck zahlreiche Weichen stellen. Ob Erschliessung eines Marktes im Ausland, Reduktion der Dividende oder Investition in die Nachhaltigkeit: Die Teams gehen die Herausforderung mit unterschiedlichen Strategien an. Eines zeigt wenig Risikobereitschaft und kommt kaum aus den negativen Zahlen. Eine andere Produzentin setzt auf Nachhaltigkeit und verdient sich einen mit 100000 Franken dotierten Preis. Unternehmensführung bedeutet auch, Absatz zu generieren. Mit bildstarken Videos versucht jede Firma ihr Parfüm von demjenigen der Konkurrenz abzuheben und Kundschaft zu gewinnen. Spielleiter Christian Scherrer hebt hervor, dass gerade bei dieser Klasse mit Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten die kreative Ausgestaltung der Werbung heraussteche. Im Idealfall folgt auf die Werbung eine erhöhte Nachfrage und die Frage nach dem Geld für den Ausbau der Produktion. Engagiert bereiten die Teilnehmenden ihre Gespräche mit Investoren vor, um diese von Produkt und Wachstumsstrategie zu überzeugen. Die Kreativität muss in diesem Punkt hintenanstehen, interessieren sich doch Geldgeber vor allem für Zahlen: Wie hat sich das Unternehmen entwickelt? Was soll mit dem zusätzlichen Geld finanziert werden und was springt für die Investoren dabei heraus?

Das Ziel der Wirtschaftswoche ist gemäss Spielleiter Scherrer erreicht, wenn sich die Schülerinnen und Schüler im fiktiven wirtschaftlichen Umfeld wohlfühlen und ein Verständnis für dessen Mechanismen entwickeln. Die Jugendlichen lassen sich davon fesseln und landen in einem durchwegs sportlichen Konkurrenzkampf. Sie treffen mutige Entscheidungen, denn so gross der Lerneffekt, so klein ist das tatsächliche Risiko.