Die überwältigende Vielfalt der Orchideen
Es gibt Tausende Arten wild wachsender Orchideen. Werner Gertsch ist ein begeisterter Forscher der Pflanze, der seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Orchideengebieten nach ihr sucht, sie fotografiert, akribisch beschreibt und in wissenschaftlicher Manier zeichnet. Jetzt zeigt der profunde Kenner der Pflanze in einer Ausstellung seine Arbeit.

Metzerlen-Mariastein
Ein Blick ins Internet besagt, dass es weltweit etwa 28000 Arten Orchideen gibt. «Stimmt nicht», sagt Werner Gertsch, der als ehrenamtlicher Chronist die Standorte wild wachsender, einheimischer Orchideen rund um Metzerlen-Mariastein erfasst. «Mittlerweile zeigt die Forschung, dass es heute um die 33000 verschiedenen Arten gibt. Und jährlich werden neue Arten dazu entdeckt, vorwiegend in den Tropen.»
In der Schweiz sind gerade mal 78 wild wachsende Arten bekannt, in Europa 480 bis 790. Innerhalb des Gemeindebanns von Metzerlen lassen sich 22 verschiedene Arten finden, und im Zwanzig-Kilometer-Radius um Metzerlen sind es deren 37. «Es könnten auch noch mehr sein, die ich nur noch nicht gefunden habe.» Auf einige Arten trifft man häufiger, auf andere selten. «Das Affenknabenkraut etwa habe ich erstmals in Hofstetten an der Grenze zu Ettingen gefunden», so Gertsch.
Bei den weltweiten unterschiedlichen Ausprägungen der Orchideen ist jeder, der sich mit Orchideen beschäftigt, so könnte man meinen, überfordert. Das gehe mit der Zeit schon, meint hingegen Gertsch: «Probleme habe ich mit den deutschen Namen, denn ich spreche die Pflanzen mit der lateinischen Bezeichnung an.»
Über hunderttausend Fotos
Gertsch, aufgewachsen im Berner Oberland, erfreute sich bereits in jungen Jahren an Orchideen, als er seinen Vater auf der Jagd begleitete. «Unterhalb der Jungfrau gibt es sehr schöne Orchideengebiete. Ich habe mich immer für diese und selbstverständlich auch für andere Pflanzen interessiert.»
Gertsch absolvierte eine Lehre zum Laboranten in Basel. Später zog er nach Metzerlen, wo er sich mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau ein Haus baute. Im Jura gäbe es «extrem viele Orchideen», da die meisten Kalkböden lieben.
Seine leidenschaftliche Art und Weise, sich mit Orchideen auseinanderzusetzen, begann Anfang der Neunzigerjahre, nachdem einer seiner beiden Söhne einen Vortrag über eine bestimmte Pflanzengruppe hatte erarbeiten müssen. Er wählte, irgendwie naheliegend, Orchideen aus. «Ich zeigte ihm, wo er diese suchen musste. Seither bin ich von dieser Pflanze richtig angefressen.»
Das Faszinierende an den Orchideen sei zunächst das Suchen und Finden der Pflanze. Die Vielfalt der Blüte sei spannend. «Auch wenn sie eng miteinander verwandt sind, sehen sie doch sehr unterschiedlich aus.» Ausserdem fotografiert Gertsch gerne. «Ich bin den Pflanzen nachgegangen und habe inzwischen eine Sammlung von über hunderttausend Fotos unterschiedlichster Orchideen.» Bis heute hat der 71-Jährige die Hälfte der in Europa vorkommenden Orchideen fotografiert.
Botanische Reiseleitungen
Seit Jahren unternimmt Gertsch in Zusammenarbeit mit einem deutschen Reisebüro botanische Reiseleitungen, die Gruppen meist ans Mittelmeer führen. Die weiteste Reise brachte ihn nach Hunan in China, «um einen bestimmten Frauenschuh zu sehen, der in Europa nur auf russischem Gebiet vorkommt». In absehbarer Zeit ist zusammen mit zwei anderen Forschern eine Publikation seiner Orchideen-Recherchen geplant.
In seiner Ausstellung im Klosterhotel Kreuz in Mariastein sind derzeit rund 130 Fotos verschiedener Orchideen aus der Umgebung zu sehen, samt detaillierter Erläuterungen. «Ich hatte irgendwann den Drang, der Bevölkerung zu zeigen, welche Naturschätze wir hier haben.»
Werner Gertsch: Orchideen im hinteren Leimental und angrenzenden Gebieten – Fotoausstellung im Klosterhotel Kreuz in Mariastein. Während der Öffnungszeiten des Hotels bis 29. November.