Die Kosten-Nutzen-Frage
Der Spardruck in den Gemeinden fordert Tribute. Das Forum Schwarzbubenland erhielt letzte Woche ein weiteres Austrittsschreiben.

Nach Erschwil kehrt nun auch eine Leimentaler Gemeinde dem Forum Schwarzbubenland den Rücken. Rodersdorf tritt auf Ende Jahr aus dem Regionalverein aus, lautet der Beschluss des Gemeinderates. Das Forum müsste die Mitgliedschaft für eine Randgemeinde attraktiver gestalten, «sei dies in Bezug auf die erklärten Ziele des Forums oder in Bezug auf die Mitgliedschaftsbeiträge», richtete Camelia Chebbi, die neue Gemeindepräsidentin von Rodersdorf, aus. Ihr Vorgänger, Thomas Bürgi, der im März dieses Jahres überraschend verstarb, hatte die Bedeutung des Forums immer wieder hervorgehoben und setzte sich als Teil des Vorstandes dafür ein, regionale Veranstaltungen nach Rodersdorf zu holen. Allerdings hatte er im Herbst 2025 gewisse Entscheidungen des Forums kritisiert. Damals wollte die Mehrheit des Gemeinderates von einem Austritt nichts wissen. Inzwischen hat sich die finanzielle Situation von Rodersdorf verschlechtert, so sehr, dass die Gemeinde um ihre Eigenständigkeit bangt, da sich ihre Pro-Kopf-Verschuldung der kritischen Marke nähert.
In Zeiten, in denen die Gemeinden jeden Rappen umdrehen müssen, gelte es, Prioritäten zu setzen, gab der Gemeinderat von Erschwil zu bedenken. Der Rat sprach sich im Frühjahr dafür aus, den Betrag in der Höhe von mehreren tausend Franken lieber ins Dorf zu stecken als ins Forum Schwarzbubenland. Erschwil werde nicht die einzige Gemeinde bleiben, welche die Mitgliedschaft im Forum aufkündige, orakelte damals Gemeindepräsidentin Wally Allemann.
Forum will seinen Nutzen aufzeigen
Nachgefragt beim Forum, hält Präsident Dieter Künzli fest: «In den bekannten Fällen handelt es sich um Sparmassnahmen einzelner Gemeinden. Bei jeder Ausgabenposition der öffentlichen Hand gilt es, den entsprechenden Nutzen gegenüberzustellen. Der Vorstand des Forums hat festgestellt, dass er hier verstärkt informieren muss und hat auch schon erste Massnahmen umgesetzt. Nach jeder Vorstandssitzung geht ein direkter Arbeitsbericht an alle Gemeinderäte, der aufzeigt, welche Projekte wir für welche Gemeinde vorangebracht haben.» Weiter nutze der Vorstand die Quartalsseite im «Wochenblatt», intensiviere die Social-Media-Präsenz und schaffe über die Wortbildmarke «Schwarzbubenland» eine maximale Sichtbarkeit für Gewerbe, Tourismus und Kultur. «Der Ertrag der Forumsarbeit übersteigt den bescheidenen Mitgliederbeitrag um ein Vielfaches», zeigt sich Künzli überzeugt. Zudem soll die Vertretung des Schwarzbubenlands im Trinationalen Eurodistrict Basel (TEB) verstärkt werden.
Stéphanie Erni, Geschäftsführerin des Forums und Gemeindepräsidentin von Büren, hält dazu fest: «Im Zusammenhang mit der Vertretung im TEB ist auch der informelle Austausch mit den Regierungsvertretern von Basel-Stadt und Baselland von Bedeutung.» Beim Forum schätzt Stéphanie Erni ausserdem den Austausch mit dem Thierstein. Das Netzwerk diene letztlich der Lösung der Probleme, welche die Gemeinde beschäftigen. Im Austausch liege Potenzial.
Grenzlage als Argument
«Am 22. Oktober stellen wir allen Gemeinderäten des Schwarzbubenlands ein umfassendes Benchmarking für die Sozialregionen Dorneck-Thierstein vor, um Einsparpotenziale aufzuzeigen, und wir berichten über die Steuerstrategie 2030», gibt Künzli bekannt.
Er betont: «Gerade Grenzgemeinden wie Rodersdorf profitieren direkt von unserer Präsenz im TEB. Dort sichern wir den Zugang zu grenzüberschreitenden Netzwerken und Förderpools. Ausserdem haben wir in Sachen Standortförderung einen Leistungsauftrag des Kantons. Allein in diesem Bereich profitiert die Region von bezahlten Dienstleistungen in der Höhe von jährlich 40 000 Franken, ohne sich an den Kosten beteiligen zu müssen.»
Eine Gemeinde verschaffe sich in übergeordneten Aufgaben nur Gehör, wenn sie Interessen bündeln kann. «Diese Aufgabe übernimmt das Forum Schwarzbubenland. Die Ergebnisse sprechen für sich: Wir verhandeln als Forum direkt mit Bundesrat, SECO und BAFU, wie jüngst erfolgreich für die Wiedereinführung von Tempo 80 im Eggfluetunnel, den Erhalt von Industriearbeitsplätzen in der Region oder das politische Lobbying für die Nationalstrasse A18.»
Reger Austausch mit der Promotion Laufental
Künzli zeigt sich überzeugt: «Das Forum ist zukunftsfähig, weil es sich konsequent um Aufgaben kümmert, die weder die einzelnen Gemeinden allein stemmen können noch vom Kanton mit der nötigen regionalen Priorität umgesetzt werden.» Bezüglich Standortförderung verweist Künzli auf den regen Austausch mit Unternehmungen, mit der Promotion Laufental, den Gewerbevereinen und der Handelskammer — und er kündigt für den 5. November einen wichtigen Event an «mit namhaften Referenten». Keine andere Region im Kanton Solothurn habe eine so anspruchsvolle geopolitische Lage wie das Schwarzbubenland. «Als Randregion und Exklave müssen wir uns im Schnittfeld dreier Kantone (Solothurn, Basel-Landschaft, Basel-Stadt) behaupten. Das Forum vertritt die Interessen des Schwarzbubenlands im Kanton Solothurn, der Nordwestschweiz und in der gesamten Schweiz», resümiert Künzli.
Freiwilliger Zusammenschluss der Gemeinden
Regionale Gremien gehören zum «Kanton der Regionen» dazu. Nebst dem Forum Schwarzbubenland gebe es unter anderem die repla espaceSolothurn und den Regionalverein OGG (Olten, Gösgen, Gäu), heisst es in Solothurn. «Gemeinden schliessen sich zusammen, um überkommunale Fragen (Verkehr, Raumplanung, Wirtschaft) koordinieren zu können», erklärt Thomas Steiner, Leiter Gemeindefinanzen des Amtes für Gemeinden. «Der Regionalverband ist ein Koordinationsgremium für ein bestimmtes Thema wie die Standortförderung — gegründet als Verein und mit freiwilliger Teilnahme nach dem Motto: zusammen sind wir stärker, während es bei einem Zweckverband meistens um die Erfüllung einer gesetzlichen Aufgabe geht, zum Beispiel im Bereich Bildung (Kreisschule), Soziales (Sozialregion) oder Siedlungswasserwirtschaft (ARA). Die Gemeinde, die dort nicht dabei ist, muss die Aufgabe alleine bewältigen», veranschaulicht Steiner.