Die Kirchgemeinde Beinwil steht vor wegweisendem Entscheid
Die Stiftung Beinwil sucht eine neue Eigentümerschaft für das Kloster, das derzeit von einer Orthodoxen Bruderschaft mit Leben gefüllt wird. Die Stiftung möchte sich auflösen und hat ihre Immobilie der katholischen Kirchgemeinde Beinwil als Schenkung angeboten.
Der erste Eindruck, die schwarz gekleideten Mönche des Heiligen Orthodoxen Klosters Johannes Kapodistrias Beinwil seien verschlossen, täuscht. Wer das Kloster betritt und Fragen stellt, erhält Antworten und wird auf einen Rundgang eingeladen. «Unsere Türen stehen offen. Wir heissen Interessierte herzlich willkommen — sei es, um mit uns zu beten, gemeinsam mit uns zu essen, das Kloster zu besichtigen oder mehr über unseren Glauben zu erfahren», hält Mönch Ilianos gegenüber dieser Zeitung fest. Er stammt aus Georgien, lebt seit drei Jahren im Kloster Beinwil und hat hier seine neue Heimat gefunden.
Der Alltag sei geprägt vom Gebet, zwei gemeinsamen Mahlzeiten und all den Tätigkeiten, die es braucht, um ein Kloster in Schuss zu halten, im Winter mit Holzofen zu heizen und dafür zu sorgen, dass sich die Gäste — das sind bis zu 20 Personen — wohl fühlen. Diese reisen aus der ganzen Welt an und bleiben in der Regel einige Tage bis einige Wochen. «Im Moment besteht die Bruderschaft aus zehn Mönchen und vielen Novizen mit Hochschulbildung und Fremdsprachenkenntnissen aus Griechenland, der Schweiz, Deutschland, Amerika, Georgien, Moldawien», erklärt der stellvertretende Abt Ilianos. Man zähle pro Jahr einige Tausend Übernachtungen, diese bilden die Haupteinnahmequelle. Man sei zudem daran, im Klosterladen das Sortiment der selbst hergestellten Produkte auszubauen. Darüber hinaus erhalte man Spendengelder. Man sei den Menschen gegenüber offen und biete Interessierten eine Vielfalt, die sich an das seit Jahrhunderten traditionelle orthodoxe Klosterleben anlehnt. Dass einige Mönche kein Deutsch sprechen, sei kein Hindernis. «Es gibt im Kloster immer Personen, die Deutsch sprechen und übersetzen können oder man unterhält sich auf Englisch», meint der Mönch.
Kirchgemeinde entscheidet voraussichtlich Ende März
Seine griechisch orthodoxe Glaubensgemeinschaft, die 2019 im Kloster Beinwil eingezogen ist, möchte diesen Standort nicht missen. Ihr Schicksal liegt möglicherweise in den Händen der katholischen Kirchgemeinde Beinwil. Sie wird voraussichtlich Ende März darüber entscheiden, wie es mit dem Kloster weitergehen soll. Sie besitzt bereits jetzt einen Teil der Gebäulichkeiten und hat nun die Gelegenheit, auch jene Räumlichkeiten zu erhalten, die der Stiftung Beinwil gehören. Die Stiftung steht vor der Auflösung, weil ihr die finanziellen Ressourcen ausgehen, es im Stiftungsrat eine Überalterung gebe und es an geeigneten Nachfolgern fehle, erklärt Stiftungsratspräsident Franz Christ.
Der Stiftungsrat hatte zuerst das Spiesshaus, das Ökonomiegebäude und das Gästehaus (altes Schulhaus) dem Kloster Mariastein als Geschenk angeboten. Die Mönche in Mariastein lehnten dankend ab. Danach wandte sich der Stiftungsratspräsident mit dem Schenkungsangebot an die katholische Kirchgemeinde Beinwil und an die Einwohnergemeinde Beinwil. «Es gab eine gemeinsame Begehung. Der Gemeinderat der Einwohnergemeinde beriet das Geschäft und kam zum Schluss, dass er den Entscheid der katholischen Kirchgemeinde abwarten möchte.
Das Geschenk ist eine grosse Verpflichtung. Die Gebäulichkeiten, die unter Denkmalschutz stehen, müssen unterhalten werden. Mittel- bis langfristig stellt sich die Frage, wie eine Gemeinde das Kloster nutzen möchte», erklärt Gemeindepräsident Andreas Bringold auf Anfrage dieser Zeitung. Der Kirchgemeinderat hat in der Zwischenzeit einen Entscheid gefällt und steht vor der Einberufung der Kirchgemeindeversammlung. Sollte sich diese dafür aussprechen, neue Eigentümerin des Klosters Beinwil zu werden, würde man mit den Verhandlungen beginnen, wie und wann die Übergabe stattfinden soll, erklärt Franz Christ. «In diesem Rahmen müsste geklärt werden, was mit dem Vertrag passiert, den die Stiftung mit der griechisch orthodoxen Glaubensgemeinschaft mit einer Laufzeit bis Ende 2028 und der Option auf Verlängerung abgeschlossen hatte. Der Vertrag erlaubt den Mönchen die unentgeltliche Nutzung der Liegenschaften und verpflichtete sie, dem Kloster Sorge zu tragen und auch für Unterhaltskosten aufzukommen. Die Gemeinschaft investierte rund 200000 Franken in die neue Stückholzheizung. «Bei einer vorzeitigen Auflösung des Vertrages muss die Frage der Amortisation geklärt werden», führt Christ aus und ergänzt: «Sobald ein positiver Grundsatzentscheid der Kirchgemeinde vorliegt, wird die Stiftung die entsprechenden juristischen Abklärungen vornehmen.» Kirchgemeindepräsident Roman Lindenberger war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.



