Die Herausforderung liegt in der Vielfalt
Die Solothurner Regierung folgt dem parlamentarischen Auftrag von Kantonsrat David Häner und schlägt vor, den Personalbestand der Polizei auszubauen. Im Schwarzbubenland kam es bei der Polizei zu einem personellen Wechsel — an der Struktur der drei Posten Breitenbach, Dornach und Mariastein will die Kantonspolizei festhalten.

Christian Bieler ist in Bärschwil aufgewachsen, und als er 2010 den Entschluss fasste, die Polizeischule zu besuchen, bewarb er sich beim Korps des Kantons Basel-Stadt. «In meiner damaligen Vorstellung hatte die Stadt mehr zu bieten als die ländliche Idylle.» Seit kurzem ist Bieler Chef des Polizeipostens Breitenbach und stellvertretender Leiter der Region Schwarzbubenland. Er konstatiert, dass der Job bei der Kantonspolizei Solothurn vielseitiger ist, als er dachte. Im Unterschied zum Stadtkanton erwartet der Kanton Solothurn von seinen Ordnungshütern, dass sie nicht nur im Dienst der Prävention und Sicherheit unterwegs sind, sondern als verlängerter Arm der Staatsanwaltschaft agieren. Im Kanton Solothurn zeige die Realität ein anderes Bild als der Krimi im Fernsehen. «Die Polizisten sind die ersten, die an einem Tatort oder an einer Unfallstelle eintreffen. Wir sichern die Spuren, wir nehmen die Ermittlungen auf und wir führen die Befragungen durch», resümiert Bieler im Gespräch mit dieser Zeitung. Dies führt dazu, dass die Polizei des Solothurner Korps einen wesentlichen Teil ihrer Zeit Befragungen widmet, Hinweisen nachgeht, Anzeigen entgegennimmt, Rapporte verfasst und auf den Polizeiposten anzutreffen ist. Dem gegenüber steht der Ruf nach mehr Polizeipräsenz in den Dörfern. Telefonisch oder zunehmend per E-Mail fordere die Bevölkerung die Polizei auf, zum Beispiel die Raser an der dafür bekannten Strecke nach Gempen aus dem Verkehr zu ziehen. Zudem solle die Polizei dafür sorgen, dass in der weitläufigen Grenzregion weniger eingebrochen werde.
Einbrüche verhindern
Es sei schwierig, den positiven Effekt von mehr Polizeipräsenz auf der Strasse in Zahlen zu fassen, gibt Bieler zu bedenken. Aktionen werden als Erfolg vermeldet, wenn der Polizei bei Kontrollen an strategischen Punkten Personen ins Netz gehen, die zur Fahndung ausgeschrieben waren oder die Böses im Schilde führen. «Bei Verkehrskontrollen liegt das Augenmerk nicht unbedingt beim Alkohol- oder Drogentest, sondern sie dienen letztlich in der Tat dazu, Einbrüche zu verhindern», veranschaulicht Bieler.
20 Jahre in Breitenbach
Wie facettenreich der Polizeijob im Schwarzbubenland ist, weiss Daniel Walter, der letzte Woche in den Ruhestand verabschiedet wurde. Er hat schon alles erlebt, von der humorvollen Seite einer Bagatelle, dem Rätseln bei der Suche nach Vermissten über die Tragik bei Unfällen bis hin zur Aufklärung eines brutalen Mordfalls.
Walter leitete über 20 Jahre den Posten in Breitenbach und stand schon im Sicherheitsdienst, als die Polizei des Kantons Solothurn in den Dörfern noch Einzelposten betrieb — mit Unterstützung der Familie. «Als Chef des Postens Nunningen kam meiner Ehefrau die Aufgabe zu, die Telefonate entgegenzunehmen», erinnert sich Walter. Insgesamt blickt er auf 42,5 Dienstjahre zurück und kommt zum Schluss: «Die Aufgabe hatte schon immer ihren Reiz, ist im Grundsatz heute nicht anders als früher. Verändert haben sich nur das Umfeld und die Technologie.» Die letzte Schliessung eines Postens im Schwarzbubenland gehe auf das Jahr 1996 zurück. An der bewährten Struktur der drei Posten Breitenbach, Dornach und Mariastein halte die Polizei des Kantons Solothurn weiterhin fest. Daran ändere der jüngste Volksentscheid zum Neubau eines Sicherheitszentrums in Oensingen nichts, betont Martin Husistein, Chef der Polizei Region Schwarzbubenland. Zudem plant der Regierungsrat, das Polizeikorps personell zu verstärken.
Der Breitenbacher Kantonsrat David Häner hatte vor einem Jahr angeregt, der Kanton solle die finanziellen Mittel für eine Aufstockung um 15 Vollzeitstellen bereitstellen. Der Regierungsrat geht nun in seiner Botschaft darauf ein. «Der polizeiliche Leistungsumfang hat ein Ausmass erreicht, welches eine angemessene Erhöhung der Personalressourcen unabdingbar macht», schreibt die Regierung, gibt aber zu bedenken, dass der Personalausbau nicht von heute auf morgen umsetzbar sei. In der Standortbestimmung habe Solothurn aufgezeigt, wie lange es dauert, um eine Polizistin oder einen Polizisten auszubilden und eine Stelle neu zu besetzen, nämlich über zweieinhalb Jahre. «Eine Verkürzung des Rekrutierungsprozesses ist nicht möglich, ebenso sind Eintritte aus anderen Korps in diesem Umfang nicht realistisch», hält die Regierung fest und schlägt vor, die Umsetzung im Rahmen des kommenden Globalbudgets vorzunehmen.