Die Demokratie in der Schweiz: Gewährleistet oder gefährdet?

Thomas Brunnschweiler fragt sich und ein interessiertes Publikum kritisch, ob die Demokratie in der Schweiz resilient genug ist, um gegen Populismus und Verschwörungstheorien zu bestehen.

In der Diskussion: Thomas Brunnschweiler lässt sich in der von Annina Weber moderierten Diskussion auf die Gäste ein. Foto: Sabine Asprion
In der Diskussion: Thomas Brunnschweiler lässt sich in der von Annina Weber moderierten Diskussion auf die Gäste ein. Foto: Sabine Asprion

Breitenbach

Die Welt wird immer komplexer, Informationen erreichen uns immer schneller und auf immer mehr Kanälen. Menschen radikalisieren sich, Verschwörungstheorien entstehen. Viele Menschen stellen sich grosse Fragen: Was macht KI aus unserer Welt? Was passiert, wenn populistische Parteien stabil geglaubte Demokratien unterwandern? Wie weiss ich, welcher Quelle ich vertrauen kann? Kaum eine grosse Frage lässt sich einfach beantworten. Gerade deswegen stellt Thomas Brunnschweiler eine davon: Ist die Demokratie in der Schweiz in Gefahr? Wer auf die Frage ein eindeutiges Ja oder ein klares Nein als Antwort erwartet, sollte hier nicht weiterlesen.

Die SP Breitenbach hatte ihre Mitglieder sowie alle Interessierten letzten Donnerstag zu einem Vortrag von Thomas Brunnschweiler in den Fridolinsaal eingeladen. Der Einladung waren rund 20 Personen gefolgt, über Partei-, Kantons- und Generationengrenzen hinweg. Wer staubtrockenen Frontalunterricht erwartet hatte, wurde von der ersten Minute an überrascht. Das lag nicht am einleitenden Zitat von Churchill, wonach die Demokratie die schlechteste aller Staatsformen sei, ausgenommen der anderen, denn dieses ist weitherum bekannt. Während des Referats präsentierte Brunnschweiler eine spannende Mischung aus persönlichen Erfahrungen, Zitaten aus Sachliteratur und wissenschaftlichen Definitionen. Als Historiker blickte er auf die sich beschleunigende neuere Zeitgeschichte ab 1989 bis zu den gegenwärtigen Kriegen. Er folgert, dass die Summe der Mehrfachkrisen zu einer Misstrauensgesellschaft führte, welche Verschwörungsmythen begünstigen.

So düster das Ergebnis dieser sorgfältigen Analyse, so zuversichtlich ist sein Schluss, dass man in der Schweiz nicht von einer gespaltenen Gesellschaft sprechen könne. Unsere vielfältige Bevölkerung verstehe sich mehrheitlich als Teil des Rechtsstaates. Gewaltentrennung und Mehrparteiensystem funktionieren, auch kontroverse Debatten würden als Weiterentwicklung der Demokratie verstanden und nicht als Spaltung. Schliesslich, und hier kommt der Theologe im Referenten ans Tageslicht, habe sich in den letzten Jahrzehnten eine einigende und funktionierende Ökumene etabliert.

Thomas Brunnschweiler tastete sich so Stück für Stück und Folie für Folie durch seinen fundierten Vortrag. Erfrischend, dass er für sich nicht beanspruchte, die Antworten zu kennen. Anregungen und Bemerkungen aus dem Publikum nahm er auf, entwickelte sie weiter, beantwortete diejenigen Fragmente, die er beantworten konnte, und öffnete, moderiert von Gemeinderätin Annina Weber, die Diskussion mit den Gästen.

Auch wenn deren Meinungen durchaus kontroverser hätten sein dürfen, waren sie primär dankbar für die aufgezeigten Einordnungen. Der Austausch war mit der Diskussionsrunde denn auch nicht abgeschlossen, sondern verlängerte sich in den anschliessenden Apéro hinein. Ob und in welcher Form eine erneute Veranstaltung stattfinden wird, liess sich Remo Waldner, Präsident der SP Breitenbach, noch nicht entlocken, auch wenn er mit der breiten Resonanz des Anlasses zufrieden sein dürfte.