Der Platz gewinnt an Bedeutung
Mariastein hat nun eine Piazza, welche die Pilgernden zum Verweilen einlädt — ganz nach dem Vorbild weltberühmter Plätze, die als Vorraum zu einem Heiligtum so gestaltet sind, dass die Besucherinnen und Besucher innehalten.

Das Kloster Mariastein lud letzten Freitag und Samstag zur feierlichen Einweihung seines neu gestalteten Platzes ein und liess die Bedeutung des Ortes unter anderem vom Kulturwissenschaftler Marcel Bleuler erläutern. Daraus geht hervor, dass die Architektur zwar den Rahmen schaffe, die wahre Bedeutung aber durch den Nutzen entstehe. Ein Platz werde zu dem, was die Menschen daraus machen und er sei Teil der Entwicklung eines Ortes.
Die Gemeinde Metzerlen-Mariastein ebnete den Weg. Der Souverän stimmte dem Konzessionsvertrag zu, der die rechtliche Grundlage für die Neugestaltung des Platzes bildete. Die Bevölkerung ist gespannt, welche Feste hier wohl in Zukunft gefeiert werden.
Die Phase der Umgestaltung wird weitergehen
Die Bauherrschaft lag beim Kloster Mariastein mit seinen Benediktinermönchen und dem Verwaltungsrat der Mariastein Betriebs AG. Diese kündigte an, dass die Phase der Umgestaltung weitergehe. Mit der Erneuerung des Restaurants Post wurde bereits begonnen, die Wiedereröffnung ist für Frühjahr 2027 geplant. Später sollen auch das alte Wohnhaus und die Scheune des früheren Bauernhofes eine neue Nutzung erhalten. Die Landwirtschaft des Klosters hat bereits vor Jahren ein modernes Betriebsgebäude erhalten.
Weltweit gute Beispiele
Nicht ein Platz, sondern die Wertschöpfung werde letztlich zukunftsweisend sein, gab der regionale Standortförderer Christian Imark gegenüber dieser Zeitung zu verstehen. «Es gibt weltweit gute Beispiele für ein erfolgreiches Weiterbestehen eines Klosters. In Belgien wird dies unter anderem durch die Herstellung und Vermarktung von Bier erreicht — das Trappistenbier als Erfolgsstory», erläuterte Imark. Seiner Meinung nach gebe es in Mariastein grosses Potenzial, die Wertschöpfung zu steigern, insbesondere im Tourismus und Seminarbereich. Die Standortförderung könne dabei unterstützend wirken. «Der Wille dazu und die Impulse müssen vom Kloster kommen», meinte Imark. Er stehe diesbezüglich im Austausch mit den Verantwortlichen. Dass sich der Kanton Solothurn an der Neugestaltung des Platzes finanziell beteiligt habe, erachtet SVP-Nationalrat Imark «als gerechtfertigt» (die SVP-Fraktion sah dies damals bei der Debatte im Kantonsrat anders). Imark: «Mariastein steht bei den Besucherzahlen kantonsweit an dritter Stelle, der Ort zieht jährlich rund 250000 Pilger an. Es ist wichtig, dass das Schwarzbubenland in den Genuss kantonaler Fördergelder kommt.» Der neugestaltete Platz biete beste Voraussetzungen: «Ich bin gespannt, was die Menschen daraus machen», so Imark.
Die Neugestaltung des Platzes, insbesondere dass er autofrei wird, sei den Benediktinermönchen ein grosses Anliegen gewesen, es sei eine Investition in die Zukunft und er ist Ausdruck des Projektes «Aufbruch ins Weite», hiess es seitens der Klosterverantwortlichen. Bereiche, die den Pilgernden bisher verborgen blieben, wurden geöffnet; direkt vor der Pforte des Klosters laden Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein und schaffen einen Ort für Begegnungen.
Die Mitglieder der klösterlichen Baukommission luden die zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher zu Führungen ein und machten sie auf die verschiedenen Details des Platzes aufmerksam. Der Platz besteht aus mehr als 650000 Pflastersteinen — jeder einzelne wurde von Hand eingefügt — die Fugen sind wasserdurchlässig und das Muster erzeugt das Gefühl, man gehe über einen Teppich, erläuterte Ruedi Kohler, Baufachmann und Mitglied der Kerngruppe des Klosters Mariastein. Man findet die Elemente des Lebens und kann selbst unter dem gewölbten Dach, das im Seitenbereich erstellt wurde, den Himmel erkennen. Es gibt erfrischende Trinkwasserbrunnen — und im Wasser sieht man das Spiegelbild der Kirchenfassade.
Das Echo war grösstenteils positiv, in einzelnen Kommentaren hörte man Kritik an der Höhe der Kosten und dass das Grün auf dem Platz zu kurz gekommen sei. Die neu eingesetzten Bäume auf dem Platz müssen erst wachsen. Einen grünen Ausgleich finden die Besuchenden im Park zum Klosterhotel Kreuz; hier gibt es neu einen Generationen-Spielplatz.
Die Kosten für die Neugestaltung des Klosterplatzes liegen bei rund 6,3 Millionen Franken und wurden teilweise mit Geldern aus der öffentlichen Hand finanziert – der grösste Teil davon sprach der Solothurner Kantonsrat (2,4 Millionen Franken). Abt Ludwig Ziegerer gab zu verstehen, der Platz sei sein Geld wert.
Die Neugestaltung war im Rahmen eines Wettbewerbes erkoren worden, das Siegerprojekt plädierte für eine bewusst zurückhaltende Fläche mit grosser Offenheit und viel Freiraum. Die freie Fläche soll Ruhe ausstrahlen und vielseitig nutzbar sein. Pilgernde, Besuchende, Einheimische und Organisatoren von Veranstaltungen sollen sich den Platz auf ihre eigene Weise aneignen können. Die Gestaltung ordne sich der historischen Anlage unter und konkurriere nicht mit ihr, sei ein Wegweiser zum Heiligtum, insbesondere zur Gnadenkapelle im Felsen von Mariastein.