«Chez Nesti» präsentierte Gitarrenzauber

Die «Alti Chäsi» in Bärschwil zeigt sich neuerdings als architektonisches Bijou. Hier spielte am letzten Samstagabend der Gitarrist Dominik Gürtler auf und begeisterte das zahlreich erschienene Publikum.

Bildlegende. Foto: zVg
Bildlegende. Foto: zVg

Neben der Blockflöte gehört die Gitarre wohl zu den meistunterschätzten Musikinstrumenten. Abwertend als Klampfe bezeichnet oder als Schrammelkasten verspottet gehört sie im Bewusstsein der meisten eher zu einem Lagerfeuer als in ein Konzert. Der Gitarrist Dominik Gürtler, dessen Lehrer und Mentor einst Ernst Schöpfer war, widerlegte am Samstag alle Vorurteile gegen die akustische Gitarre.

Durch alle Klangfarben

Julie Choque Schöpfer und Emilie Jacquemai begrüssten zum zweiten Abend im renovierten Kulturhaus. Gürtlers Programm führte von der Romantik bis zur modernen Avantgarde und durch alle Klangfarben, vom warmen und erdigen Klang bis zu sphärischen Elementen und Flageolettönen, die nur durch Antupfen der Saiten entstehen. Dominik Gürtler begann mit Francisco Tárregas «Capriccio», einem berühmten Stück der romantischen Gitarrenliteratur. Es ist träumerisch, elegant und enthält orientalisch klingende Harmonien und Verzierungen. Eine flexible Agogik und der Gesangston sind hier wichtig. Es folgten die «5 Préludes» von Heitor Villa-Lobos, die zu den wichtigsten Werken der neueren Gitarrenliteratur gehören. Die berühmte Prélude Nr. 1 ist weit ausschwingend und erinnert an brasilianische Volksmusik. Die dritte erscheint dagegen feierlich mit einer würdigen Atmosphäre; und wirkt wie eine Hommage an Bach. Nach dem vierten melancholischen und intimen Präludium folgte als Abschluss ein tänzerisches Stück mit Walzercharakter und rhythmischen Verschiebungen.

Zwischen Europa und Lateinamerika

Agustin Barrios Mangoré komponierte die «Mazurka Apassionata», ein virtuoses Konzertstück, in dem sich slawischer Tanzrhythmus und lateinamerikanisches Feuer vereinen. Hier waren die schnellen Läufe und die grossen Lagenwechsel zu bewundern. Stark beklatscht wurde das komplexe Werk «El Decamerón Negro» von Leo Brouwer, eines der wichtigsten modernen Gitarrenwerke. Inspiriert sind die drei Stücke von afrikanischen Erzählungen. «Die Harfe des Kriegers» klang erzählerisch und heldenhaft; «Die Flucht der Liebenden durch das Tal der Echos» war stärker atmosphärisch und klangmalerisch. Als emotionaler Höhepunkt erwies sich «Die Ballade der verliebten Jungfrau», die zwischen Meditation und Leidenschaft wechselt. Die dreisätzige virtuose «Sonatina» von Jorge Morel ist technisch anspruchsvoll, charmant und lebendig, aber insgesamt für das Hörempfinden zugänglicher als Brouwer. Dominik Gürtler überzeugte an diesem Abend nicht nur durch virtuose Technik, verschiedenste Klangfarben und echte Emotionalität, sondern auch durch eine authentische Musikalität, die allen Stücken ihren eigenen Charakter verlieh. Als Dank für den langen Applaus spielte er noch «Tango en Skaï» des Franzosen Roland Dyens und ein südamerikanisches Folklorelied, bei dem mehr rhythmisch geschlagen als gezupft wurde. Danach wurden Tische aufgestellt, an denen die Spaghetti à la Ernesto serviert wurden.