Büsserach rüstet sich für den Blackout
Büsserach setzt auf Solarstrom und Batteriespeicher. Damit will die Gemeinde ihre Energiever-sorgung nachhaltiger gestalten und gleichzeitig für einen möglichen Blackout gerüstet sein.

Büsserach
Ausgerechnet an diesem Abend öffnete der Himmel seine Schleusen. Kurz vor Beginn der dritten Informationsveranstaltung der Energiekommission Büsserach zog ein heftiges Gewitter über die Region. Abhalten liessen sich die Büsseracherinnen und Büsseracher davon nicht: Über 100 Interessierte fanden am Montagabend den Weg zur Mehrzweckanlage (MZA). Thomas Rüegg, Präsident der Energiekommission, zeigte sich überwältigt vom grossen Aufmarsch. Dabei passte der Regen durchaus zum Thema des Abends. Denn zuvor hatte die Region während Wochen kaum Niederschlag erhalten. Niederwasser und hohe Wassertemperaturen verdeutlichen laut Rüegg, weshalb die Energieversorgung neu gedacht werden müsse. Wasserkraft kann bei Trockenheit weniger produzieren, und auch Kernkraftwerke sind für die Kühlung auf genügend Wasser angewiesen. «Es reicht nicht, was wir heute machen», sagte Rüegg.
Strom speichern statt weggeben
Was Büsserach dagegen konkret unternimmt, erläuterte Dominik Müller, Energieberater der Gemeinde. Auf dem Dach der MZA produziert seit November 2025 eine Photovoltaikanlage Strom. Seit rund einer Woche ist nun auch ein Batteriespeicher mit Notstromfunktion in Betrieb — ein zweiter folgt in Kürze. Zusammen kosten sie inklusive Planung und Installation knapp 200000 Franken. Überschüssiger Solarstrom muss damit nicht unmittelbar ins Netz abgegeben werden, sondern kann zwischengespeichert und dann genutzt werden, wenn er tatsächlich benötigt wird. Die Speicher stammen von der Green Energy Solution GmbH. Das Unternehmen verbindet nach eigenen Angaben Technologie und Fachwissen aus Asien und Europa. Markus Frutig, CTO des Unternehmens, erläuterte vor Ort die Technik. Die Speicher beruhen auf Schweizer Know-how, hergestellt werden die Batterien in China. Frutig reist deshalb regelmässig dorthin. Bei den beiden Speichern neben der MZA soll es nicht bleiben. Noch in diesem Jahr ist beim Schulhaus Kirsgarten ein weiteres Speicherprojekt vorgesehen. Die bestehende PV-Anlage dort weist derzeit lediglich einen Eigenverbrauch von rund 26 Prozent auf — entsprechend gross ist das Potenzial, überschüssigen Strom zwischenzuspeichern. Beim Gemeindeparkplatz soll zudem bis Ende November ein Carport mit einem PV-Dach von rund 104 KWp / ca. 80kVA Leistung entstehen, inklusive Schnellladestation. Auch dort ist ein Batteriespeicher eine Option. Künftig sollen Produktion, Speicherung und Verbrauch über ein Energiemanagementsystem aufeinander abgestimmt werden. Weiter kann überschüssiger oder gespeicherter Solarstrom zudem in einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft, kurz LEG, genutzt werden.
Anlaufstelle auch beim Blackout
Die Speicher haben noch eine zweite Funktion: Sie sind Teil der Krisenvorsorge. Büsserach hat einen Notfallplan für einen grossflächigen Stromausfall erarbeitet und will diesen gemeinsam mit Primeo testen. Die MZA soll dabei auch bei einem Blackout mit Strom versorgt werden können. Das sei insbesondere für Menschen wichtig, die aus gesundheitlichen Gründen auf elektrische Geräte angewiesen sind. Wer beispielsweise ein Beatmungs- oder anderes medizinisches Gerät benötige, soll im Ernstfall zur MZA kommen können und dort weiterhin mit Strom versorgt sein, erklärte Thomas Rüegg.
Die Energiekommission wollte an diesem Abend nicht nur zeigen, was die Gemeinde selbst tut. In kurzen Referaten und an Themeninseln ging es auch um E-Mobilität, Gebäudehüllen, Förderprogramme, Energieberatung, Brandschutz sowie neue Modelle für den lokalen Austausch von Strom, also um Bereiche, in denen die Bevölkerung selbst aktiv werden kann.
Nach dem ausführlichen theoretischen Teil konnten die Besucherinnen und Besucher die PV-Anlage mit einer Hebebühne besichtigen, Elektroautos Probe fahren und sich mit Fachleuten des regionalen Gewerbes austauschen. Zudem wurden von der Gemeinde auch Speis und Trank offeriert.