Bildwelten voller Kontraste
Der in Basel wohnhafte Fotograf Onorio Mansutti zeigt seine Lettrografien im Ausstellungsraum CHOICE in Mariastein. Seine Werke sind Kontrastprogramme mit politischem Kalkül.

Mariastein
Onorio Mansutti ist für manches bekannt — für seine Zeit als Modefotograf, als ehemaliger Mitpächter des Kultlokals Atlantis in Basel, als Initiant des Klosterbergfests sowie für die von ihm gegründete Stiftung Kinder in Brasilien. Heute, mittlerweile 87-jährig, beschäftigt er sich, kreativ wie er ist, hauptsächlich mit Kunstarbeiten, für die er die in der Kunstgeschichte nicht bekannte Gattung der Lettrografie erfunden hat.
Die Bezeichnung lässt sich aufgrund Mansuttis Berufslaufbahn leicht nachvollziehen. In seinen Werken lassen sich, nebst vielen Buchstaben, noch mehr Fotos finden, was bei einem gelernten Typografen und Fotografen nicht weiter verwundert. Diese vermengt er auf Fotostreifen, die vor nicht allzu langer Zeit noch für die analoge Fotografie gebraucht wurden und die, so Mansutti, «heute ziemlich teuer sind».
Zentral in seinen Bildwelten, die im Ausstellungsraum CHOICE in Mariastein gezeigt werden, sind mehr oder weniger bekannte Sprüche wie «Jazz is not dead — it just smells funny» von Frank Zappa oder «My home is my castle». Solche Sätze setzt er mit unterschiedlichen Buchstaben jeweils auf mehreren Filmstreifen so zusammen, dass sie, entgegen der Ziele der Typografie, eher schlecht denn flüssig gelesen werden können. Dazu gesellt sich der Name der Urheber der Sprüche, falls sie bekannt sind. Die Buchstaben, die er verwendet, stammen aus Quellen unterschiedlicher Medien oder aus Schriften, die im öffentlichen Raum auftauchen. Mansutti ist oft unterwegs und stellt fest, dass in unseren Landen die immer mehr oder weniger gleichen Buchstaben Verwendung finden, während sich Typografien andernorts, beispielsweise in New York, verspielter zeigen.
Dass sich die Sätze aufgrund der unterschiedlichen Buchstaben teilweise eher schwer lesen lassen, sei durchaus gewollt. Mansutti möchte, dass sich die Betrachterinnen und Betrachter die Bilder genau ansehen und «nicht einfach in drei Sekunden daran vorübergehen».
Politische Statements
Die Werke, die er in Lichtkästen zum Leuchten bringt, erinnern an die Popart der sechziger Jahre, etwa an Jasper Johns oder Robert Indiana. Im Gegensatz zu damals, als Kunst hergestellt wurde, um sie danach druckgrafisch in Massen zu verbreiten, lassen sich seine Arbeiten nicht reproduzieren. Gut so.
Besondere Aufmerksamkeit verlangen Mansuttis Werke im Kontext der verwendeten Buchstaben, Sätze und des Bildmaterials. Umgarnt er den Satz «My home is my Castle» mit zerbombten Häusern, oder kombiniert er den Satz «Sag mir, wo die Blumen sind» von Marlene Dietrich mit zeitgenössischen und verblichenen diktatorischen Herrschern wie Putin, Trump, Stalin oder Hitler, dann wird seine Kunst zum politischen Statement. Das gilt nicht für alle, jedoch für zahlreiche seiner Werke, etwa auch für das höchst aktuelle Thema «Benzinpreis — grosse Sorge». Mansutti illustriert es mit Zapfsäulen, Autos, Benzinpreisen und hungernden Kindern. Hier wird eine ähnlich satirische Arbeitsweise sichtbar, wie sie Klaus Staeck ab den sechziger Jahren mit seinen Plakaten und Postkarten erfolgreich betrieben hatte: Das Widersprüchliche in Text und Bild, das, im besten Fall, bei den Betrachterinnen und Betrachtern etwas auslöst. Sehenswert.
Öffnungszeiten: Mittwochs und samstags, 16–20, und sonntags von 10.30–17.30 Uhr. Weitere Zeiten auf Anfrage. Zu sehen bis 17. Oktober im Ausstellungsraum CHOICE, Metzerlenstrasse 1, Mariastein.