Wegkreuze erzählen Geheimnisse
Der Gemeinderat von Bärschwil lud zu einem Bummel entlang den Wegkreuzen ein. Fast 100 Personen erfuhren Interessantes über das Wesen und die Entstehung der Kreuze.

jjz. Sonnenblumen, Astern und Gladiolen zierten die Wegkreuze in Bärschwil. Sie wurden richtig herausgeputzt, das Mauerblümchendasein hatte für einen Sonntagnachmittag eine willkommene Pause. Und zu Ehren von ihnen spielte die Musikgesellschaft und empfing die gut gelaunten Gäste mit den «guten Mächten treu und still umgeben».
Die Geschichten waren fast unheimlich, wie diejenige vom Wegkreuz beim «Hinter Churzäggerli»: Ein Mann sei vor Jahrhunderten von einem tollwütigen Hund gebissen worden. Um die Tollwut in Bärschwil nicht zu verbreiten, hätten einige beherzte Männer dem Gebissenen kurzerhand das Blut ausgelassen! An der Stelle, wo sich der grausige Vorgang abgespielt habe und der Mann gestorben sei, wurde ein Kreuz errichtet. Wer dieses ehrwürdige Steinkreuz auf der Hinterseite untersucht, entdeckt sechs fast unleserliche Buchstaben. Der Zahn der Zeit hat das unheimliche Wort «Rabies» gelöscht, das damals Tollwut bedeutete.
Nicht alle Wegkreuze haben einen solchen dunklen Hintergrund, wusste Ottilia Henz-Hofer anlässlich des Rundgangs zu den Wegkreuzen zu berichten. Am Schrunghofenweg steht ein fantasievolles Kreuz, das der Lehrling Tobias Laffer als Abschlussstück seiner Steinhauerlehre geschaffen hat. Mit seinem Vater Peter hat er das beschauliche Plätzchen noch mit einer Ruhebank ausgerüstet. «Stein- und Holzkreuze sind Naturdenkmäler, zu denen Sorge zu tragen ist», meinte Wanderleiter Peter Holzherr. Sie stehen oft auch auf Feldern, wo die Bauern ihr Land oder Vieh dem Segen Gottes anvertrauen. Sie sollen Unheil abwenden; an Prozessionen und Flurgängen wird oft aus Dankbarkeit und Demut den Kreuzen gehuldigt, indem man haltmacht und betet.
Am Steinweg steht ein Kreuz und daneben in einer Grotte ein altes geschnitztes Muttergottesbild. Als 1874 für die Bahnschwellen der Birsbahn die grosse Muttergotteseiche gefällt werden musste, wurde als Mahnmal dieses Kreuz aufgestellt. Ein Spassvogel, der in der Finsternis an der Madonna vorbeiging, fragte spöttisch: «Mareili, willst auch ein Prise Schnupftabak?» Die Antwort ist ausgeblieben, aber die Strafe folgte auf dem Fuss. Noch in der Nacht begann die Nase zu beissen und von Tag zu Tag wuchs der Schmerz. Bald raffte der Tod den Spötter und Lästerer dahin.
Aber auch Gedichte wurden auf dem Rundgang rezitiert. «Het e Frou oder Ma uswärts sini Seel verloo, het me se mit Ross und Wage zrugg is Dorf hei gnoo. Bim Chrüz i dr Mülistett het dr Lichewage ghalte und dr Fuehrmaa het e Zeremonie abghalte», las Valerie Henz aus ihrem Gedicht über das Kreuz in der Mülistett beim Dorfeingang. Benno Henz liess sich von einer irischen Weise inspirieren und schrieb den Text kurzerhand um: Immer wenn ich Kummer und Sorgen habe, eile ich zum Kreuz, sang passend der Kirchenchor.


