Von Roll hat Grosses vor
Das Nordareal der Von Roll Schweiz AG dürfte bald leer stehen. Die Firma will mit der MICA-Produktion nach Büsserach umziehen.

Es sind 110 Jahre her, als Isola-Gründer Albert Borer seine Idee umzusetzen begann. Und das erste Gebäude steht heute noch, am Dorfeingang von Breitenbach, wo 1903 ein paar Männer begannen, mit dem Ausgangsmaterial Glimmer Isolationsmaterial für elektrische Apparate herzustellen. Auffallend heute die beiden hohen Kamine und die etwas in die Jahre gekommenen Fabrikationsgebäude. Dieses Dorfbild dürfte bald Geschichte sein.
Die Produktion der MICA-Produkte (Englischer Ausdruck für Glimmer) soll in rund zwei Jahren vom jetzigen Nordareal ins Südareal verschoben werden. «Eine Investition von rund 26 Millionen Franken, die sich in vielerlei Hinsicht auszahlen wird», erklärt Stefan Finckh, Standortleiter Von Roll Schweiz AG, Breitenbach.
Der Masterplan für dieses Projekt ist schon weit gediehen und wurde intern vom Verwaltungsrat genehmigt. Im Südareal werden nebst den bestehenden Gebäuden 94 (Leiterisolation), das umgenutzt wird, und 92 (Drahtlager), welches verkleinert wird, zwei neue Bauten erstellt. «So können wir künftig auf einer Ebene wesentlich effizienter und günstiger produzieren, und mit neuen Abluftreinigungsanlagen erst noch umweltschonender», erklärt Finckh.
Wie dringend Handlungsbedarf bezüglich Technologie und Produktionsabläufen im Bereich MICA besteht, zeigt ein Rundgang durch das Nordareal. Unzählige Treppen und Lifte führen durch enge verschachtelte Räume, wo die Produktionsstrassen eingepfercht sind. «Wir sind Weltmeister im Lift fahren», scherzt Finckh beim Ein- und Ausgehen von einem Raum in den nächsten. Man habe es durchgerechnet und abgewogen, eine Sanierung dieser Gebäude wäre höchstens kurzfristig günstiger gewesen. «Auch ein Wegzug aus der Region war schnell vom Tisch», sagt Stefan Finckh.
Der Neubau der Produktion Mica und die damit verbundene Räumung des Nordareals sehen die beiden Gemeindepräsidenten der betroffenen Gemeinden durchaus positiv. Dieter Künzli, Gemeindepräsident von Breitenbach, freut sich auf die Chance, das frei werdende Gelände mitten im Dorfkern zu einem attraktiven Quartier zu gestalten. Ihm sei vor allem wichtig, dass die regionalen Arbeitgeber wettbewerbsfähig bleiben und somit in der Lage sind, weiterhin attraktive Arbeitsplätze in der Region anzubieten. Werner Hartung, Gemeindepräsident von Büsserach freut sich, dass die moderne und den neuesten Sicherheitsanforderungen entsprechende MICA-Produktion hier gebaut wird und dadurch Arbeitsplätze dem Tal erhalten bleiben. «Wohnen und Arbeiten» in der Region ist der Schlüssel für die zukünftige Entwicklung von Büsserach und Breitenbach als wirtschaftliches Zentrum des Thiersteins.
Bereits in einem bis zwei Monaten ist die Baueingabe geplant. Und wenn alles rund läuft, hofft Finckh auf einen Baubeginn im Oktober. So könnten wir voraussichtlich 2015 mit der Verlegung ins Südareal abgeschlossen haben. Das Projekt «Abbau des Nordareals» werde erst dann in Angriff genommen, erklärt Stefan Finckh.


