Gehaltvolle 1.-Augustreden
Landammann Peter Gomm und der Beinwiler «Amme» Remo Ankli, Hoffnungsträger der Schwarzbuben auf einen Regierungssitz, kamen in Sachen Heimat zu ähnlichen Schlüssen.
Ein Baselbieter Landrat hatte kürzlich in einer BaZ-Kolumne eine «Sendepause» für 1.-August-Ansprachen angeregt. Solche schwankten zwischen Belastung und Belästigung und langweilten, so der Politiker. Von Langeweile war am 31. Juli aber weder an der Feier in Nunningen noch an jener in Breitenbach etwas zu spüren. Im Gegenteil, die beiden Ansprachen kamen wohl deshalb so gut an, weil die «Würze in der Kürze» lag. In Nunningen mit seiner feuerwerksfreien Zone im Alters- und Pflegeheim Stäglen wandte sich Landammann Peter Gomm (SP) an ein besonderes Publikum. An Heimbewohner, ihre Angehörigen, an Nunninger, aber auch an die Pflegenden und die Verantwortlichen des Heims. «Der 1. August steht heute für ein Staatsmodell, das schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel hat», erinnerte Gomm an eine der längsten Schwangerschaften bis 1848 endlich die demokratische Schweiz zur Welt gekommen sei. Erst die Bundesverfassung von 1848 habe die Schweiz frei gemacht für Höhenfeuer, Feuerwerke und die jährliche Besinnung darüber, dass unser Land eigentlich eine gute Sache sei. Der Landammann schloss in die gute Sache auch die heutige Jugend ein, an die er glaube. Der technische Fortschritt, die Bildungsvielfalt und die 24-Stundengesellschaft forderten die heutige Jugend auf ganz andere Weise, weshalb die Kritik an ihr auch auf die Kritisierenden zurückfalle. «Gemeinsames Handeln und Verantwortung übernehmen muss von der vorangehenden Generation vorgelebt werden», nahm der Landammann diese in die Pflicht. Er wünschte sich, dass die Solidarität zwischen jungen und alten Menschen erhalten bleibe. Sei es mit zeitlichem oder finanziellem Engagement der Jungen. «Heimat ist dort, wo friedliches Zusammenleben im Ringen um gemeinsame Werte stattfindet», meinte Gomm. Heimat sei damit auch der Glaube an gemeinsames Glück. In den lang anhaltenden Applaus mischte sich wohl auch etwas Stolz und Glück, dass der Landammann einer kleinen Festgemeinde im Schwarzbubenland seine Aufwartung gemacht hatte.
Keine Sendepause in Breitenbach
Ein paar Kilometer weiter talwärts und ein paar Stunden später machte sich der Beinwiler Gemeindepräsident Remo Ankli (FDP), den es in den Regierungsrat zieht, in Breitenbach auch Gedanken zur Heimat: «Heimat ist gerade dort, wo Menschen leben, auf die man sich verlassen kann.» Niemand wünsche sich, von den Mitmenschen einfach vergessen zu werden, wie es der so genannte Tatortreiniger, ein neuer nachdenklich stimmender Beruf, bei einsamen Todesfällen immer wieder antreffe. «Die Heimat ist somit in der Familie, in der Dorfgemeinschaft, im Verein, im Freundeskreis und so weiter», folgerte Ankli und spannte den Bogen vom bodenständigen Schwarzbubenland zum immer kleiner werdenden Globus. «Man fliegt schnell nach London oder New York zum Einkaufen», beschrieb der Beinwiler einen Aspekt der Globalisierung. Menschen liessen sich aber nicht einfach so globalisieren, sie brauchten ganz klar einen Anker im Kleinen, im Überschaubaren. «Kann da die Schweiz mit bald acht Millionen Einwohnern auch Heimat mit der notwendigen Geborgenheit sein», fragte Ankli. «Nein», beschied er umgehend. Der Bundesstaat gebe aber eine Art Rahmen, in dem sich die kleineren heimatlichen Einheiten geborgen fühlen und entwickeln könnten.
Gemeindepräsident Dieter Künzli konnte sich gegenüber dem Wochenblatt nicht für eine Sendepause, eine Feier ohne Ansprache, erwärmen: «Gerade die Jungbürger möchten doch am Tage ihrer Aufnahme etwas mitnehmen.» Mitnehmen durfte auch Festredner Remo Ankli viele Sympathien für seinen Auftritt, aber auch für seine Bereitschaft zur Regierungsratskandidatur. In den Tischgesprächen jedenfalls entpuppte er sich als eine Art Hoffnungsträger der Schwarzbuben.






